Wohnglück in einem Gutshof

Homestory 47

Wohnglück in einem Gutshof

50 Kilometer nordöstlich von Wien, im Weinviertel, liegt der Nexenhof: ein gut 200 Jahre alter herrschaftlicher Gutshof und die Heimat einer recht bunt zusammengewürfelten Gruppe – allen voran Renata Mörth. „Seit 32 Jahren wohne ich hier, weil ich nach wie vor an das Leben in einer Gemeinschaft glaube.“

Eine Einstellung, die gut ein Dutzend Menschen, überwiegend Frauen, mit ihr teilen. In einer relativ großen Gruppe wird hier im Nexenhof auf 800 Quadratmetern gelebt und gearbeitet – stets mit zahlreichen Gästen. Denn der Nexenhof versteht sich als „Ort der Begegnung“ mit anderen. Die Bewohner haben die Lehre von Ayurveda als Lebensmotto gewählt – als „Schlüssel zum Verständnis der Energien, die die Welt bewegen“ .

Rückblick: Bereits im Jahr 1975 wurde der Nexenhof von einigen sogenannten „Alt-68igern“ als alternative Lebens-, Kultur- und Kommunikationsplattform gegründet. „Aber funktioniert hat es nicht wirklich“, erzählt Renata Mörth von den Anfängen im alten Gutshof. Doch nach der wechselvollen Geschichte des Nexenhofes hat sich in den vergangenen 15 Jahren eine mehr oder weniger fixe Wohngemeinschaft herausgebildet. Kein Wohnen abseits der Norm, sondern eine Wohngemeinschaft im modernen Sinne.

„Wohnen bedeutet für mich in erster Linie den Ausdruck meiner aktuellen Lebensstimmung“, philosophiert Renata Mörth und bringt ihr Wohnmotto wie folgt auf den Punkt: „Damit ich mich wohl fühle, sollte mein Zuhause farbenfroh, lustig und bunt gemischt sein.“ Genauso farbenfroh und bunt präsentiert sich auch die Inneneinrichtung des Nexenhofes: Kein Zimmer gleicht dem anderen , kein Raum ist einheitlich gestaltet. Renata Mörth: „Schließlich soll die eigene Kreativität durch die bunten Zimmer angeregt werden.“

Ein kleiner Rundgang durch die vielen Zimmer des herrschaftlichen Anwesens erinnert ein wenig an einen Spaziergang durch ein Kaleidoskop: Ein zartes Grün an den Wänden geht über in ein schmeichelndes Beige, ein warmes Rot reiht sich an ein heimeliges Türkis – jeweils mit farblich abgestimmten Vorhängen und vielen Bildern.

So verwundert es auch nicht, dass das Farbkonzept im kompletten Haus jährlich verändert und variiert wird – je nach persönlichen Vorlieben und Geschmacksrichtungen der Zimmer­bewohner und der Hausgemeinschaft. Nicht zu vergessen: Im Sommer und im Herbst wird die bunte Farbpalette durch den großen Garten des Anwesens noch einmal größer und vielfältiger.

Interessant ist auch, dass sich Ayurveda nicht allein, wie weitläufig angenommen, auf das Wohlbefinden des Körpers bezieht. „Vastu“ nennt sich die Lehre vom richtigen Wohnen und Leben nach den Ayurveda-Prinzipien. „Vastu ist allerdings viel schwieriger und komplizierter anzuwenden, als Feng Shui“, klärt Renata Mörth auf. Natürlich wurde auch der Nexenhof, so weit wie möglich, nach diesen Ideen gestaltet: Zum Beispiel“, erzählt die Ayurveda-Expertin, „wird in Räumen mit wenigen Fenstern die fehlende Energie durch bestimmte Planetenzeichen ersetzt.“ Erst bei genauerer Betrachtung findet man in den einzelnen Zimmern die Symbole.

Auch die Einrichtung der einzelnen Zimmer spiegelt die grundsätzliche Lebens- und Wohneinstellung der Bewohner wieder: „Wohnen ist ein lebendiger Prozess und Möbel sind wie erweiterte Kleidungsstücke“, führt Renata Mörth aus und will damit sagen, dass es ihr nicht auf das Design, den Preis oder auf das besonders edle Material ihrer Möbelteile ankommt. „Wir sind sozusagen aus dem Container eingerichtet“, sagt sie und verweist auf das bunte Sammelsurium der vielen Stile. Amüsantes Detail am Rande: Viele der Möbelteile sind auch Abschiedsgeschenke ehemaliger Mitbewohner.

„Am schönsten ist es doch, ein Möbelstück nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten zu können. „So wie ich die Aufteilung meiner Räume nach meinen veränderten Lebens­bedürfnissen anpasse, so verändere ich auch meine Möbel.“ Nachsatz: „Immer wieder auf ein Neues.“

Sozusagen ein Prunkstück dieser Eigenkreationen ist ein großer, offenen Kamin in einem der Wohn- und Lebensräume: „Mit einem Fundstück habe ich den vorhandenen Kamin austauschen lassen und dann meiner eigenen Kreativität freien Lauf gelassen. Dabei herausgekommen ist ein imposant-witziger Kamin im Spiegel-Glasscherben-Optik. „Doch es kann gut sein, dass ich mir schon bald eine neue Verzierung einfallen lasse“, so Renata Mörth abschließend. Die Spiegelteile werden auf jeden Fall aufgehoben, um beim nächsten Kreativ-Schub wieder zum Einsatz zu kommen.

Apropos Wohn- und Lebensraum: Wie nicht anders zu erwarten, ist auch im Nexenhof die große Küche der geschätzte Lieblingsplatz für alle Hausbewohner und Gäste. „Hier haben wir auch die schönsten und ältesten Stücke versammelt“, berichtet Renata Mörth und verweist zum Beispiel auf den über 200 Jahre alten, großzügig dimensionierten Esstisch. Die braune Holzvertäfelung an den Wänden sorgt genauso für Gemütlichkeit wie die ländlich-bäuerliche Dekoration. An diesem Tisch sitzen dann die Nexenhof-Bewohner gern am Abend bei einem Glaserl Wein zusammen – und genießen die Vertrautheit ihrer Wohngemeinschaft im altehrwürdigen Ambiente.

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