07. Jänner 2008 18:14
Der Rechnungshof startet in dieser Woche mit einer Gesamtprüfung des ORF.
Eingeleitet wird die mehrmonatige Erhebung durch Gespräche mit der
Geschäftsführung sowie einzelnen Vertretern des ORF-Stiftungsrats, der als
oberstes Aufsichtsgremium des öffentlich-rechtlichen Senders Mitteilung über
die Prüfungsergebnisse erhält. Der ORF bestätigte auf Anfrage der APA den
Start der Prüfung. Es handle sich um eine turnusmäßige und nicht um eine
Sonderprüfung, wurde betont. Am Montag fand demnach ein erstes Gespräch mit
ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz statt.
Letzte Prüfung 1995
Die letzte Gebarungsprüfung des ORF
durch das Kontrollorgan der Republik fand 1995 statt. Damals legte der
Rechnungshof eine Änderung des Rundfunkgesetzes sowie die Umwandlung in eine
AG nahe. Der Rechnungshof empfahl dem ORF, einen "scharfen
Rationalisierungskurs mit Straffung der Arbeitsabläufe und
Organisationsstrukturen" einzuschlagen. Mitarbeiterzahl und Personalkosten
sollten erheblich gesenkt werden. Kritik übten die Rechnungshofprüfer damals
auch an den gestiegenen Kosten für das Radio-Symphonieorchester sowie den
"jahrelang aufgeschobenen Rationalisierungen" im Bereich der ORF-Technik.
Belegschaftsvertreter sprachen damals von einem in Auftrag gegebenen
"Wunschzettel" des amtierenden Generalintendanten Gerhard Zeiler. Etliche
der Vorschläge, wie etwa der Übergang zu einem neuen billigeren
Kollektivvertrag wurden in der Folge umgesetzt.
Prüfung der Gagen
Beim erst vor wenigen Tagen
veröffentlichten Gagenbericht des Rechnungshofs, in dem die Spitzenverdiener
in staatseigenen oder teilstaatlichen Firmen aufgelistet werden, spielte der
ORF übrigens eine eher untergeordnete Rolle. Das durchschnittliche
Jahreseinkommen der 16 Direktoren - erhoben wurden nicht nur die Gehälter
der Geschäftsführung, sondern auch jene der Landesdirektoren - betrug 2006
demnach 253.500 Euro und lag damit unter dem Einkommen des Bundeskanzlers,
der 2006 knapp 274.000 Euro verdiente. Der ORF-Stiftungsrat legte das
Brutto-Jahresgehalt (ohne Prämien) von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz
nach dessen Wahl mit 340.000 Euro fest, jene der Direktoren mit 250.000 Euro.
Auch die EU prüft ORF
Neben der Rechnungshofprüfung beginnt
demnächst auch die seit langem erwartete EU-Prüfung des
öffentlich-rechtlichen Senders, dem Anfang des Jahres gleich einige
turbulente Wochen ins Haus stehen. Am 28. Jänner muss sich der
ORF-Publikumsrat mit der vom ORF-Stiftungsrat mit knapper Mehrheit
beschlossenen Erhöhung der Rundfunkgebühren um knapp zehn Prozent
beschäftigen. Die Hörer- und Sehervertreter werden die Erhöhung
voraussichtlich ablehnen, was einen Beharrungsbeschluss des Stiftungsrats
notwendig macht.
Klausur des Stiftungsrates
Erste Gelegenheit für diesen
endgültigen Beschluss auf Gebührenerhöhung gäbe es dann am 2. Februar. Für
diesen Samstag ist eine Klausur des Stiftungsrats geplant, bei der es um die
"langfristige Zukunftssicherung" des ORF geht. Die ORF-Führung plant die
"Erarbeitung einer neuen Gesamtstrategie und eine darauf aufbauende neue
Gesamtstruktur des Unternehmens", wie ORF-Chef Wrabetz bereits im Dezember
erklärte. Die Eckpunkte dieses "Strategie- und Strukturkonzeptes 2015"
sollen bei der Klausur vertieft diskutiert werden. Daraus gleich eine
ordentliche Stiftungsratssitzung zu machen, wäre denkbar, einzelne
Stiftungsratsmitglieder geben freilich zu bedenken, dass es von der Optik
her seltsam wäre, zu einer Stiftungsratssitzung mit Beharrungsbeschluss zur
Gebührenerhöhung einzuladen, so lange noch nicht hundertprozentig klar ist,
ob die Gebührenanpassung vom Publikumsrat auch wirklich abgelehnt wird.
Betriebsversammlung
Möglich ist deshalb auch eine
außerordentliche Stiftungsratssitzung am 11. oder 12. Februar, bei der die
Gebührenerhöhung endgültig abgesegnet wird. Insgesamt gibt es im
ORF-Stiftungsrat das Bestreben, das Thema bis 14. Februar vom Tisch zu
haben. Am 25. Februar läuft nämlich die Funktionsperiode des
ORF-Zentralbetriebsrats aus, der neue Zentralbetriebsrat muss bis dahin
gewählt werden. Den Schlüssel für diese Wahl bildet eine
Betriebsratsversammlung, an der rund 100 Betriebsräte aus dem gesamten
ORF-Konzern teilnehmen. Bei dieser Versammlung, die zumindest eine Woche vor
der Wahl des Zentralbetriebsrats abgehalten werden muss, werden die Weichen
gestellt und die Listen für den Zentralbetriebsrat gewählt.
Fiedler vor Wiederwahl?
Auf Grund der massiven Sparpläne der
ORF-Führung für die kommenden Jahre dürften zuletzt die Chancen auf eine
Wiederwahl des amtierenden Zentralbetriebsratsobmanns Heinz Fiedler, dessen
bürgerliche Liste dank Unterstützung der SP-Betriebsräte zuletzt die
Mehrheit gehalten hatte, wieder gestiegen sein. Der
Langzeit-Belegschaftsvertreter hat ein neuerliches Antreten bisher offen
gelassen.