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Campino:

"Die Toten Hosen"

Campino: "Es hat ganz schön gekracht"

Es gab viele Erfolge in der Geschichte der Toten Hosen, mit "Tage wie diese" durfte die Band nach 30 Jahren auch noch ihren größten Hit feiern. Das am Freitag erscheinende Buch "Am Anfang war der Lärm", eine spannende, etwas andere Biografie, behandelt aber auch dunkle Stunden. "Es hat ganz schön gekracht", bilanzierte Sänger Campino im Interview mit der APA in Wien.

Vom Rebellischen Teenager zur Mega-Rockband
"Aber wir hatten Gustav-Gans-mäßig sehr viel Glück, dass wir durch all diese Dinge durchgekommen sind. Andere hat es aus der Bahn geworfen", betonte der 52-Jährige. Der Journalist Philipp Oehmke erzählt auf rund 380 Seiten nicht nur, wie ein paar rebellische Teenager aus Düsseldorf zur einer der größten Rockbands in Deutschland wurden. "Am Anfang war der Lärm" zeigt, wie eine neue Generation gegen die Nachkriegsgesellschaft aufbegehrte, erklärt, wie das Gefüge in der Band funktioniert, wie sie mit etwas umzugehen lernen musste, das im Punk eigentlich nicht vorgesehen ist: mit Erfolg.

Harte Geschichten
Die Herausforderung laut Campino: "Das Buch durfte auf keinen Fall eine chronologische Ansammlung von Anekdoten werden. Das kennt eh jeder, das langweilt fürchterlich. Wir haben schnell gespürt, dass die einzige Möglichkeit, dieses ganze Projekt interessant werden zu lassen, darin besteht, dass man loslässt und auf reine Hofberichterstattung verzichtet."

Toter Fan
Auf dem Weg zur abgelaufenen Rekordtournee mit 1,1 Millionen Besuchern war es "nicht immer nur lustig", so Campino. "Wir haben viel lernen müssen." Ein Tiefpunkt, an dem alles in der Schwebe hing, war das 1.000ste Konzert, bei dem eine junge Frau aus Holland zu Tode kam. "Das Kapitel ist für mich der schwerste Abschnitt im Buch", meinte Campino nachdenklich. "Aber es war ja aber auch der schwerste Moment unseres Bestehens. Da mussten wir durch eine harte Geschichte durch. Das war nicht einfach."

Drogen, Alkohol, Musik
Sehr sachlich behandelt Oehmke den jahrelangen Drogen- und Alkoholkonsum der Musiker. Über manche Begebenheiten muss man schmunzeln, andere sind mit menschlichem Leid verbunden. "Es wäre Unsinn, das zu verschweigen", sagte Campino zu diesem Thema. "Alkohol und Drogen gehören zu unserer Geschichte dazu. Aber es wäre auch völliger Blödsinn, das zu glorifizieren. Es ist ja dadurch reichlich kaputt gegangen."

Die Toten Hosen lassen in ihrer Biografie auch andere Meinungen gelten, was "Am Anfang war der Lärm" deutlich von herkömmlichen Rockstarleben-Nacherzählungen unterscheidet. "Das Buch ist immer dann am stärksten, wenn andere über uns reden", fand Campino. "Man muss akzeptieren, dass sich die Sichtweise der anderen nicht immer mit deiner eigenen deckt. Wenn man das ignoriert, malt man sich eine Welt, die nicht stimmt."

Das Fazit nach der Lektüren: Es kommt auf die Haltung an. "Das ist auf jeden Fall unser Credo", nickte Campino. "Als Fans von Fortuna Düsseldorf können wir gar nicht anders. Damit spreche ich für alle, die nicht das Glück oder Pech haben, Fans von ewigen Siegervereinen zu sein. Diese Leute machen sich Sorgen auf einem anderen Niveau. Wie ein Schulstreber, der Nasenbluten bekommt, weil er eine Drei plus geschrieben hat. Im Gegensatz dazu gibt es die Fans von Dorfklubs, die sich einer Sache verschrieben haben, die nicht so gut läuft. So ist das auch im Leben: An den Niederlagen kannst du groß werden. Gewinnen oder verlieren ist zunächst egal, du musst auf der richtigen Seite stehen."

Hohe Erwartungen
Und um beim Fußball zu bleiben: "Es gibt keine leichten Gegner mehr", sagte Campino, auf die Erwartungen an die nächste Platte der Toten Hosen angesprochen. "Die Messlatte ist wirklich hoch, aber wir wollen auch gar nicht schwächer werden." Bevor es aber ins Studio geht, stehen 2015 "eine Handvoll von Konzerten" auf dem Plan, in Österreich werden die Toten Hosen ausschließlich am Nova Rock (12. bis 14. Juni in Nickelsdorf) zu erleben sein.


"Die Toten Hosen" live beim Nova Rock Festival 2015 vom 12.-14. Juni 2015.

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