28. Februar 2009 05:56
Langsam bekommt St. Pölten eine Ahnung vom Orkan, der am 16. März über die
Stadt hereinbrechen wird. Denn in 18 Tagen beginnt dort der Mordprozess
gegen den mutmaßlichen Jahrhundertverbrecher Josef Fritzl.
Medienwölfe
200 Medienwölfe aus aller Welt und zwei Dutzend
TV-Teams werden das Landesgericht belagern, um einem Millionenpublikum
Atemberaubendes vom 74-jährigen Inzest-Täter zu liefern. Im Kampf um
Sensationen geht es bis zum Urteil am 20. März täglich darum, unter den
Guten der Schnellste und unter den Schnellen der Beste zu sein. Und bereits
im Vorfeld zeigt sich die drohende Sturmstärke.
Denn mittlerweile wird für ein Exklusiv-Interview mit Verlies-Opfer E. (43)
eine Million Euro geboten. Anfang Februar überfiel der britische Paparazzo
Scott Hornby die sechsfache Mutter mit seiner Kamera in ihrem Versteck – und
das Massenblatt The Sun zeigte die Bilder in einer Auflage von 4,5 Millionen
Exemplaren. Daraufhin meldete sich vergangene Woche der Hobby-Knipser
Heinrich Schmatz (36) mit einem unfassbaren Album bei Österreich: 1.051
Fotos, in der Nervenklinik Mauer-Öhling heimlich von E. und ihren Kindern
aufgenommen. Schmatz über seinen Schatz: „Mir ging es nur darum, gravierende
Mängel in der Bewachung der Familie zu dokumentieren.“
Bombe
Jetzt die nächste Bombe: Weil die Opfer und alle
Angehörigen von „Evil Fritzl“ bereits von Satansreportern belauert werden,
nimmt jetzt einer den Inzest-Vater selbst ins Visier. Der Engländer Allen
Hall, Korrespondent des Daily Telegraph und Autor eines Fritzl-Sellers mit
dem Titel „Monster – ein österreichischer Albtraum“, sagt: „Die ganze Welt
möchte wissen, wie der Mann mit den kalten Augen in seiner Zelle lebt. Ich
biete für jedes Foto, das Fritzl im Gefängnis zeigt, oder für jedes Video
mit ein paar Sätzen von ihm 10.000 Euro.“
Damit ist die Foto-Safari im Zellentrakt von St. Pölten eröffnet. Denn in
jedem Gefängnis werden (Foto-)Handys versteckt. Und beim Hofspaziergang,
beim Austeilen der Mahlzeiten, im Duschraum oder beim Bestellen von Büchern
haben Mitgefangene immer die Chance auf einen Schnappschuss.
Mail-Adresse des Käufers: ahhally@yahoo.com. Allerdings schränkt Allen Hall
ein: „Mein Angebot gilt nur bis zum Prozess.“