04. Jänner 2007 18:55
Jede Regierung versucht ja das Leben ihrer Staatsbürger zu retten. Das
zweite Video kann ein Signal der Entführer sein. Zum Beispiel, dass seit dem
ersten Video die Verhandlungen ins Stocken geraten sind und die Regierung
einen weiteren Lebensbeweis der Geisel verlangte.
Normalerweise werden diese Videos von professionellen Kameramännern
aufgenommen, die fast ausschließlich für solche Terrorbanden arbeiten.
Danach werden Medien angerufen, es wird ihnen erklärt, dass es ein Video von
Geiseln gibt, und es wird ihnen erklärt an welcher Straße, in welchem
Mistkübel diese Bänder zu finden sind.
Im Film erkennt man, dass die Geiseln an verschiedenen Orten aufgenommen
worden sind. Das muss nicht bedeuten, dass sie getrennt wurden. Es kann ein
einfaches Täuschungsmanöver sein. Die Geiseln bleiben aber sicherlich nicht
die ganze Zeit an einem Ort. Aus Angst vor Razzien fahren die Entführer mit
ihren Geiseln regelmäßig von ort zu Ort um unentdeckt zu bleiben.
Die Verhandlungen
Es sprechen Unterhändler von Unterhändlern mit
Unterhändlern von Unterhändlern. Der Grund: Weil die amerikanischen und die
britischen Besatzungstruppen solche Verhandlungen verbieten. Wer also im
Irak solche Verhandlungen führt hat nicht nur die Kidnapper als Gegner,
sondern dann auch die Briten und Amerikaner. Deswegen muss man mit
Unterhändlern arbeiten, damit die Besatzer nichts davon mitbekommen. Der
Dialog läuft zum Beispiel über Exil-Iraker in Österreich oder, da es sich um
den Südirak handelt auch über Iraner
Lösegeld
Bei den Verhandlungen wird das Thema Geld sehr
schnell angesprochen. Wir sprechen hier von Summen im bereich 10. Millionen
bis 20 Millionen Euro. Manchmal werden sogar noch Kosten für Kost und Logis
dazugerechnet. Ausbezahlt wird dann eine Summe die hoch ist aber weit
darunter liegt. Im Regelfall beläuft es sich dann auf zirka 5 Millionen Euro
pro Geisel. Das ist fast ein europäischer Standard.
Ausschließen kann man politische Motive bei einer solchen Geiselnahme nie.
Aber für politische Forderungen wäre eine Geiselnahme wahrscheinlich das
falsche Instrument. Vor allem: Was soll denn Österreich an der Lage im Irak
ändern können? Es geht fast sicher alleine um das Geld.
Die Kidnapper brauchen das Geld um ihre Infrastruktur aufrecht zu halten.
Sie bezahlen damit ihre Leute: Ihre Killer, ihre Informanten, ihre Fahrer.
Man besticht damit Polizisten - Krieg kostet eben viel Geld. Wenn sich der
österreichische Staat entscheidet auf die Forderungen einzugehen, ist es
schon bald Zeit für die Übergabe. Nach zwei Videos hat die Regierung sicher
bereits die Information wie viel Geld wohin gebracht werden soll.