Gerhard Bronner 84-jährig gestorben

Kabarett-Legende

© APA/Herbert Pfarrhofer

Gerhard Bronner 84-jährig gestorben

Gerhard Bronner prägte wie kaum ein anderer die heimische Kabarettszene der Nachkriegszeit. Nummern wie "Der g'schupfte Ferdl", "Der Bundesbahnblues" oder "Der Papa wird's schon richten" wurden über Jahrzehnte zu echten Klassikern. Noch zu Silvester war Bronner im Wiener Theater Akzent mit einem Mix aus alten Hits und aktuellen Rückblicken auf das Jahr 2006 aufgetreten. Heute, Freitag, ist Gerhard Bronner in einem Wiener Spital gestorben.

1938 nach Palästina geflohen
Gerhard Bronner wurde am 23. Oktober 1922 in Wien-Favoriten geboren. 1938 musste er aus Wien nach Palästina fliehen. "Ja, ich hatte hier Wurzeln", so Bronner einmal in einem APA-Interview, "aber die wurden mit roher Gewalt herausgerissen und sind eigentlich nie wieder nachgewachsen". Obwohl Bronner 1948 nach Wien zurückkehrte, sei die Stadt "nie so etwas wie eine Heimat geworden".

"Marietta"-Bar im Nachkriegs-Wien
Im Nachkriegs-Wien arbeitete Bronner zunächst als Unterhalter und Pianist in der "Marietta"-Bar in der Spiegelgasse. Mit seinem ersten musikalischen Bühnenwerk "Reigen 51", das im Wiener Konzerthaustheater uraufgeführt wurde, machte Bronner als Komponist von sich reden. Sein herausragendes kabarettistisches Talent bewies er im gleichen Theater, als 1952 mit dem Programm "Brettl vor dem Kopf" der berühmte "g'schupfte Ferdl" große Bekanntheit erreichte.

1955 kaufte Bronner die "Marietta"-Bar und machte aus dem Nachtlokal ein renommiertes Sprungbrett für junge Künstler wie Georg Kreisler, Louise Martini, Peter Alexander, Helmut Qualtinger u.a. Zunehmend an Beliebtheit gewannen Bronners Kabarettprogramme wie "Glasl vor'm Aug", "Marx und Moritz", "Brettl vorm Klavier", "Ich und der Teufel" und "Die Arche Nowak".

Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst
Der mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst und dem Nestroyring der Stadt Wien ausgezeichnete Bronner spielte über 60 Langspielplatten ein, die er meist auch selbst produzierte. Dazu kamen mehr als 120 eigene TV-Programme und gut 2.000 Rundfunkprogramme, darunter die beliebten Serien "Gugelhupf" (die er gemeinsam mit Peter Wehle 1978 erfand) und "Schlager für Fortgeschrittene". Einen Namen machte sich der Vater von vier Kindern (darunter "Standard"-Gründer und -Herausgeber Oscar Bronner) auch als Übersetzer von amerikanischen Musicals wie "Cabaret", "Alexis Sorbas" und "My Fair Lady". Er schuf verschiedene Neubearbeitungen klassischer Operetten (z.B. "Die Fledermaus" für die Covent Garden Opera in London oder "Im Weißen Rößl" für die Wiener Volksoper).

Waldheim-Gegner
Bronner war in den 1980er Jahren einer der schärfsten Gegner der Wahl von Kurt Waldheim zum Bundespräsidenten. Dies - und nicht die Geldstrafe von einer Million Schilling (72.673 Euro), zu der er 1987 wegen Steuerhinterziehung und weiterer kleiner Zusatzdelikte verurteilt worden war - sei auch der Grund für seine Übersiedlung nach Florida 1989 gewesen, sagte Bronner einmal. Er hatte sich geweigert, die Strafe beim Wiener Landesgericht zu bezahlen. Die unbelastete Rückkehr in seine Heimatstadt 1993 ermöglichten Freunde des Künstlers, die in einer Sammelaktion großzügig in die eigene Tasche gegriffen hatten, um die Strafe beim Wiener Landesgericht zu hinterlegen.

Bis zuletzt aktiv
Im Jahr 2000 bewarb sich Bronner um das Theater im Rabenhof, zog seine Bewerbung jedoch wieder zurück. 2002 moderierte er die Eröffnungsveranstaltung der Wiener Festwochen, die unter dem Titel "Vom Winde verweht..." an jene österreichischen und deutschen Emigranten erinnerte, deren Musik zahlreiche Hollywood-Filme mitgeprägt hat. 2004 veröffentlichte er den Memoirenband "Spiegel vorm Gesicht". 2005 setzte er gemeinsam mit Elfriede Ott im Stadttheater Walfischgasse mit dem Programm "Noch immer - schon wieder" dem Wiener Humor alter Schule noch einmal ein wunderbares Denkmal. "Je ernster eine bittere Wahrheit war, die ich dem Publikum näher bringen wollte, desto überzeugender habe ich sie in Humor verpackt", verriet Bronner in seinen Erinnerungen, "Man verließ das Kabarett in guter Laune, aber die Wirkung stellte sich meist später ein."

Für Fischer "ein guter Freund"
Mit großer Bestürzung reagierte Bundespräsident Heinz Fischer auf den Tod von Gerhard Bronner, der "ein guter Freund" gewesen sei. Österreich habe einen großen Künstler und Humanisten und einen Bürger mit einer ganz außerordentlichen und eindrucksvollen Biographie verloren, schreibt Fischer in einem Brief an Bronners Sohn, den "Standard"-Herausgeber Oscar Bronner.

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