Sonderthema:
 Heeres-Befragung steht 50:50

Umfrage: Befürworter und Gegner gleichauf

Heeres-Befragung steht 50:50

Am 20. Jänner stimmen die Österreicher über das Heer ab – und die aktuelle ÖSTERREICH-Umfrage zeigt: Die Volksbefragung wird zum Kopf-an-Kopf-Rennen. Bei der Frage: „Wollen die Österreicher die allgemeine Wehrpflicht plus Zivildienst erhalten oder sind sie künftig für ein Berufsheer plus freiwilligem Sozialdienst?“, steht es 50:50. (Gallup, 400 Befragte, Zeitraum: 6./7. 9.; Unentschlossene hochgerechnet.)
In der Vorwoche waren die Befürworter eines Berufsheers noch mit 51 % zu 49 % vorne gelegen.  
- Während der überwiegende Teil der Älteren (55 % bei den über 50-Jährigen) für die Beibehaltung der Wehrpflicht ist, sprechen sich die Jungen (57 % der unter 30-Jährigen) für das Berufsheer aus.
- Bei den Anhängern der Regierungskoalition teilen die meisten die Meinung ihrer Parteien: 66 % der SP-Wähler für das Berufsheer, 77 Prozent der VP-Wähler für die Wehrpflicht. Nur bei den FPÖ-Sympathisanten hat sich die neue Parteilinie noch nicht herumgesprochen: Hier steht es nur 49 % zu 45 % für die Wehrpflicht.
- Bei den Frauen hat die Stimmung gedreht: Seitdem die Abschaffung des Zivildienstes diskutiert wird, sind sie mehrheitlich für die Wehrpflicht (46 : 43 %)
Dennoch glaubt die Mehrheit der Österreicher nicht an Probleme, wenn der Zivildienst wegfällt: 66 % glauben, dass sich genügend Freiwillige finden werden, die für 1.300 Euro im Monat einen einjährigen Sozialdienst ablegen wollen. Sogar 58 % der ÖVP-Wähler teilen hier nicht die Befürchtungen ihrer Partei.
Mehr Skepsis gibt es beim Katastrophenschutz: Nur eine knappe Mehrheit von 47 Prozent glaubt, dass der Katastrophenschutz auch ohne Wehrpflicht so gut funktioniert wie bisher, 45 Prozent ­sagen Nein.

Diashow Umfrage zur Volksbefragung

Heeresfrage spaltet das Land

Genug Freiwillige für den Zivildienst? Die große Mehrheit geht davon aus, dass sich viele Freiwillige finden werden.

Heeresfrage spaltet das Land

Katastrophenschutz ohne Wehrpflicht? Nur eine knappe Mehrheit glaubt, dass das funktionieren kann.

Heeresfrage spaltet das Land

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Darabos: »Keiner wird mehr zum Heer gezwungen«

ÖSTERREICH: Die genauen Fragen für die Volksbefragung stehen fest. Zufrieden?
Norbert Darabos: Sehr zufrieden, wir haben uns rasch auf die richtige Frage geeinigt. Jetzt ist klar: Es geht um die Alternative – alter Wehrdienst gegen neues Profiheer, so wie es 21 von 27 EU-Staaten schon haben und wie es in Deutschland und Schweden bereits bestens funktioniert. Unser Modell ist eine Mischung aus den ­positiven Erfahrungen in Schweden und Deutschland, wo es keine Probleme gibt. Deshalb ist es völliger Schwachsinn, so wie Erwin Pröll zu behaupten, dass eine Professionalisierung von Heer und Zivildienst dazu führen würde, dass die Rettung nicht mehr kommt. Und es ist eine glatte Lüge zu sagen, dass der Katastrophenschutz nicht mehr gewährleistet ist.
ÖSTERREICH: Aber keiner weiß, wie Ihr Modell wirklich aussieht und wie stark das Heer in Zukunft wirklich ist.
Darabos: Das wird jetzt klar kommuniziert. Festgelegt ist bei beiden Modellen eine Mobilmachungsstärke von 55.000 Mann. Und beide kosten gleich viel – alles in allem 2 Milliarden im Jahr. Beim Profi-Heer haben wir 8.500 Berufssoldaten, dazu 7.000 auf drei, vier Jahre verpflichtete freiwillige Zeitsoldaten sowie weitere 9.300 Profi-Milizsoldaten mit einer 6-monatigen Ausbildung. Dazu weitere 23.000 Milizsoldaten, die die Mobilmachungsstärke im Ernstfall garantieren. Das funktioniert. Wir wissen, dass sich bis zehnmal so viele Freiwillige melden, wie wir brauchen. Keiner muss mehr zwangsweise zum Heer.
ÖSTERREICH: Treten Sie zurück, wenn bei der Abstimmung die Wehrpflicht, die Sie ablehnen, gewinnt.
Darabos: Das ist der Wunschtraum der ÖVP, dass die Abstimmung über meinen Rücktritt läuft – und nicht über das überlegene Thema „Profi-Heer“. Aber das spielt’s nicht.
ÖSTERREICH: Auch am 21. Jänner nicht?
Darabos: Die Frage des Rücktritts stellt sich insgesamt nicht.
ÖSTERREICH: Ist neben der Heeresreform nach dem Olympiadebakel nicht auch eine dringende Sportreform fällig?
Darabos: Unbedingt. Wie viel wir leisten könnten, zeigen gerade die Medaillen unserer Behinderten-Sportler in London. Aber beim Spitzensport blockieren die Verbände jede Reform. Deshalb ist mir in London die Geduld gerissen. Ein neues Sportförderungsgesetz muss her. Wir müssen die Prime-Sportarten, die für Olympia wichtig sind – wie Leichtathletik, Rudern, Schwimmen etc. – viel stärker fördern. Es muss mehr Geld geben. Es wird einen Sportgipfel geben, auch mit Top-Sportlern, die eingebunden werden. Wir werden das Komitee „Sportler für den Sport“ aktivieren, wo Leute wie Alex Antonitsch führend sein sollen. Ich werde einen Sport-Ombudsman einführen, der künftig für alle Anliegen von Sportlern da ist. Und wir werden das „Team Rot-Weiß-Rot“ schlagkräftiger machen – da sollen bereits jetzt unsere Medaillenhoffnungen für Rio gefördert werden.
ÖSTERREICH: Wird es einen Chef für dieses Team geben? Alle wünschen sich Toni Innauer.
Darabos: Toni Innauer wäre für mich die Idealbesetzung für eine Leitung im „Team Rot-Weiß-Rot“, weil er nicht nur erfolgreicher Sportler, sondern auch erfolgreicher Trainer und Manager war. Innauer wäre mein Wunschkandidat. Ich habe ihn schon mal angesprochen, da hat er noch um Zeit gebeten – wenn er jetzt bereit wäre, wäre das der richtige Neustart für unseren Sport.

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