Sonderthema:
Keine Strafen für Licht-Sünder

ÖSTERREICH-Test

© Lisi Niesner

Keine Strafen für Licht-Sünder

ÖSTERREICH berichtete bereits über die Polizei-Kulanz, nachdem SP-Verkehrsminister Faymann und VP-Innenminister Platter gemeinsam Licht am Tag abgedreht haben.

Polizeikulanz
Die Neuregelung soll offiziell mit 1. Jänner 2008 kommen – bis dahin ist es eigentlich noch Pflicht, rund um die Uhr mit Abblendlicht zu fahren. Doch schon jetzt hält sich die Polizei zurück, von Lichtmuffeln abzukassieren. Die Wiener Verkehrsabteilung bestätigte gegenüber ÖSTERREICH, dass es unter tags und bei guter Sicht nur noch Ermahnungen gibt. Während andere Medien noch titeln, dass weiter gestraft wird – machte ÖSTERREICH die Probe aufs Exempel und fuhr mehrere Stunden lang mit einem Redaktionsauto ohne eingeschaltetem Licht durch die Stadt. Das Ergebnis:

  • Der Toyota wurden kein einziges Mal von einem Polizisten aufgehalten, obwohl wir absichtlich langsam an den Beamten vorbei fuhren und uns „verdächtig“ machten.
  • Also machten wir noch deutlicher darauf aufmerksam, dass wir ohne Licht unerwegs waren, bremsten uns ein und fragten, ob wir eine Strafe bekommen. Die ersten Polizisten bei der Stiftskaserne meinten: „Wir sind mit der Schulwegsicherung beschäftigt. Aber auch sonst würden wir nicht strafen.“
  • Das zweite Polizisten-Duo beim Generali-Center auf der Mariahilfer Straße wurde noch deutlicher: „Wir haben eine Dienstanweisung, nur noch abzumahnen. Drehen Sie, solange das alte Gesetz noch gilt, das Abblendlicht auf.“
  • So ging es in einer Tour weiter. „Ihr Verschulden ist geringfügig und die Folgen der Übertretung unbedeutend“, zitierte etwa ein jungen Unifomierter wortwörtlich die Gesetzeslage.
  • Doch Achtung: Bei Dämmerung, Regen oder Nebel werden Lichtmuffeln weiter konsequent gestraft.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Die Eckpunkte im Schnelldurchlauf:

Zuviel Licht
Ausschlaggebend war die Studie des Unfallforschers Ernst Pfleger: Demnach verloren die Autofahrer durch die vielen Lichter im Nahbereich die Übersicht im Straßengeschehen. Außerdem gebe es keine Unterscheidung zu den Einspurigen, was u.a. dazu geführt hat, dass deutlich mehr Verkehrstote bei Mopeds und Motorrädern zu beklagen waren.

Jänner 2008
Die neue Gesetzesnovelle soll spätestens mit 1. Jänner 2008 in Kraft treten - ab dann braucht man das Abblendlicht nur noch bei Dämmerung, im Tunnel oder bei schlechter Sicht einschalten.

Tagfahrlicht kommt
Die Zukunft in Sachen Autobeleuchtung erläutert ÖAMTC-Experte Mario Rohracher: "Fürs Erste wird es ein ausgewogenes Nebeneinander von Lenkern geben, die weiter das Abblendlicht am Tag einschalten und jenen, die darauf verzichten. In den nächsten Jahren wird sukzessive das ‚Tagfahrlicht' ausgebaut." Ziel sind LED-Lampen, die nicht blenden, ein Viertel der Strahlkraft des Abblendlichtes aufweisen und nur einen Zehntel des Energiebedarfes haben.

Kosten
Platter und Faymann erläuterten zwei weitere Gründe für das Ende von Licht am Tag: So wurden jährlich 250.000 Tonnen CO2 verpulvert; außerdem kostete der Lampen- und Energieverbrauch jedem Autofahrer im Jahr 60 Euro.

Positive Reaktionen
Der einzige, der auf Licht am Tag beharrt, ist jener Ex-Minister, der es 2005 eingeführt hat: Hubert Gorbach. Doch selbst sein BZÖ-Parteikollege Westenthaler applaudiert jetzt: "Ich war immer dagegen und begrüße das Aus der Zwangsbeleuchtung ausdrücklich." Die FPÖ ebenso: "Ein dummer Pilotversuch ist zu Ende." Und ARBÖ-Cheftechniker Leo Musil schließt: "Es war höchste Zeit, den Unsinn Licht am Tag wieder abzudrehen."

Nächste Seite: Schluss-Strich für Gorbach-Gesetz

Mit dem Aus für "Licht am Tag" revidieren die Politiker Ex-Ressortchef Hubert Gorbach, der das Gesetz nicht nur ins Leben rief, sondern es auch bis zuletzt vehement verteidigte: Noch im August sagte er in einem Interview mit ÖSTERREICH, "Licht am Tag" mache weiter Sinn, und er erinnerte daran, dass der Nationalrat die Regelung einstimmig beschlossen habe.

Außerdem hätten insgesamt 42 Studien die Wirksamkeit von "Licht am Tag" bestätigt: "Festgesetzt wurde eine Evaluierung nach zwei Jahren. Diese Ergebnisse sind abzuwarten. Keinesfalls darf jedoch nach populistischen Gesichtspunkten entschieden werden, die Verkehrssicherheit ist oberste Prämisse!", so Gorbach. Nachlesen: Gorbach verteidigt "sein" Licht am Tag

Das war "Licht am Tag"
Seit 15. November 2005 mussten in Österreich neben Motorrädern und Co. auch mehrspurige Kraftfahrzeuge ganzjährig mit Licht fahren. Laut ÖAMTC galt das für Freilandstraßen genau so wie für das Ortsgebiet. Dabei durften auch Nebelscheinwerfer alleine als "Licht am Tag"-Beleuchtung eingesetzt werden.

Fünf Monate nach Einführung der Regelung traten Strafaktionen für Lenker, die ohne Licht unterwegs waren, in Kraft. Die Strafen reichten vom einfachen Organmandat in der Höhe von 15 Euro bis zu strengen Geldstrafen von bis zu 5.000 Euro.

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