Prozess um 234.400 Raubkopien in Wien gestartet

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Prozess um 234.400 Raubkopien in Wien gestartet

Der bisher wohl größte Prozess wegen Tonträgerpiraterie in Österreich ist am Freitag im Wiener Straflandesgericht gegen zwei Angeklagte erneut gestartet: Insgesamt geht es um 234.400 illegal produzierte CDs mit Musik verschiedener Künstler, die in die ganze Welt weiterverkauft worden sein sollen. Der 58-jährige Erstangeklagte soll "die Drehscheibe eines europa-, wenn nicht weltweiten Piraterie-Netzwerkes" sein. Der Fall war bereits 2001 zum Untersuchungsrichter zurückgegangen.

Großer Stil
Seit etwa 1996 soll der 58-Jährige - vor Jahren Besitzer eines bekannten Wiener Plattengeschäfts - verschiedene Aufnahmen ohne Erlaubnis kopiert und dann an Endabnehmer oder Wiederverkäufer weiterverkauft haben, darunter z. B. 4.400 Stück CDs mit dem Mitschnitt eines Live-Konzerts von George Michael und Bonustracks des Albums "Older". Bei Hausdurchsuchungen wurden in einem Lager des Mannes 160.000 diverse Raubkopien sichergestellt.

Weiters soll er in den Jahren 1996 und 1997 gemeinsam mit zwei Komplizen - einer bereits verurteilt, der andere konnte mittlerweile in Istanbul ausgeforscht werden - 65.000 illegale Tonträger verbreitet sowie in den Jahren 2000 und 2002 internationale Geschäfte mit einem Briten gemacht haben. Letzterer sei bereits zu einer Haft von viereinhalb Jahren und zur Zahlung von rund 28. Mio. Pfund verurteilt worden.

Wusste nichts von Illegalem
Laut Verteidiger Harald Karl war für den 58-Jährigen nicht ersichtlich, dass er sich an einer illegalen Sache beteiligte: "Er war in die Vervielfältigung gar nicht, in die Verbreitung teilweise involviert." Der Erstangeklagte soll u. a. für einen Mann gearbeitet haben, den er auf einer Plattenbörse in Frankreich kennengelernt hatte. Er habe aber nur bereits fertige CDs bekommen und diese lediglich verpackt und versendet, so Karl.

Der 58-Jährige erklärte, dieser Geschäftsmann habe gesagt, er könne CDs produzieren und wolle den Verkauf "über Österreich machen". "Haben Sie es für möglich gehalten, dass es sich um Raubkopien handelt?", fragte Richterin Helene Gnida. "Manchmal habe ich es gedacht, aber dann habe ich wieder Papiere gesehen. Es ist schwer. Es ist ja bis heute nicht durchschaubar, was legal ist und was nicht." - "Welche Konsequenzen haben Sie gezogen?" - "Ich muss zugeben: Keine."

Vertagt
Die Richterin vertagte den Prozess auf unbestimmte Zeit. Das Verfahren gegen den Zweitangeklagten, der nur bei einer - vergleichsweise - geringen Anzahl an Raubkopien dabei gewesen sein und auch versucht haben soll, Lizenzen zu fälschen, schied die Richterin vorerst aus. Eine Hauptverhandlung in dieser Sache hatte es bereits im Jahr 2001 gegeben - der Fall ging damals aber zu weiterer Beweissicherung zurück an den Untersuchungsrichter.

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