Rauchen: Bittere Bilanz Rauchen: Bittere Bilanz

Raucher-Gesetz

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Rauchen: Bittere Bilanz

Umsatzeinbrüche, die Gäste bleiben aus: Rund drei Wochen nach Inkrafttreten des neuen Rauchergesetzes ziehen Wirte bittere Bilanz.

Gastwirte kalkulieren meist knapp: Rund drei Wochen sind da schon eine Zeitspanne, wo ausbleibende Einnahmen schmerzen – und die Klagen über das neue Rauchergesetz, das seit 1. Juli gilt, häufen sich: „Wir verzeichnen zwischen 30 und 40 Prozent Einbußen“ meint etwa Wein & Co-Chef Heinz Kammerer (s. auch Interview links). Die fünf Gastrobetriebe Kammerers sind seit 1. Juli rauchfrei. Pech für ihn: Seine Einraum-Gaststätten sind größer als 50 Quadratmeter – darunter könnte geraucht werden.

Lugner: „Regierung pflanzt uns mit Strafen“
Schlechte Geschäfte beklagt auch Baumeister Richard Lugner. Zwei Drittel aller Besucher in der Lugner City sind laut Lugners eigenen Angaben nämlich Raucher – oder besser: waren. „Man zieht den Gastrobesitzern den Boden unter den Füßen weg“, klagt Lugner. Drei der 20 Lokale in der City haben Raucherkammerl eingerichtet: „Die sind immer bummvoll, aber die Bereiche davor sind wie ausgestorben“, schimpft Lugner, „und in den Kammerln sind die Leute wie in Käfigen eingesperrt.“ Dabei, sagt er, gebe es so eine tolle Lüftung in der Lugner City. „Aber die Regierung pflanzt uns ja mit Strafen.“

Seit 1. Juli um 80 Prozent weniger Gäste
Einen Kampf gegen die leere Bonierkasse führt auch Doris Mannheim. Die Wirtin vom renommierten Café Reinerhof am Fuße des Grazer Schlossbergs hat seit Anfang Juli mit einem enormen Kundenschwund zu kämpfen. Rund 80 Prozent weniger Gäste als zuvor würden ihr Lokal besuchen, so Mannheim. „Um halb 12 ist Sperrstunde für den Gastgarten, dann kommen die Gäste ins Lokal und dürfen nicht rauchen“, klagt die Café-Chefin.

Der heiße Juli hat die bittere Bilanz bislang noch versüßt – zumindest für Schanigarten-Besitzer. Doch was im Herbst und Winter sein wird, wagt jetzt noch niemand vorherzusagen.

Dabei sind viele Wirte nicht von vorneherein gegen schärfere Raucher-Regeln. Allerdings müssten diese für alle Gastrobetriebe gelten, nicht nur für solche über 50 Quadratmeter Nutzfläche. Denn Besitzer kleiner Lokale können ja wie berichtet entscheiden, ob generell geraucht wird, oder nicht. Und dorthin, meint Wein & Co-Chef Kammerer, würden derzeit die Raucher abwandern. Und das sei wettbewerbsverzerrend. Oder eben schlicht „dämlich“.

Widerstand gegen Stögers Gesetz wächst
Im Visier ist dabei SP-Gesundheitsminister Alois Stöger, der das Gesetz seiner VP-Vorgängerin Kdolsky jetzt exekutiert – bzw. nicht exekutiert. Denn eigene Kontrolleure gibt es ja keine. Stöger setzt auf Anzeigen von Privaten. SP-Fraktionsführer in Brüssel, Jörg Leichtfried nennt jetzt als erster Roter Stögers Gesetz „Pfusch“. Fortsetzung folgt.

Der SPÖ-Delegationsleiter im EU-Parlament Jörg Leichtfried fordert in ÖSTERREICH (Montag-Ausgabe) härtere Maßnahmen gegen Raucher. Leichtfried unterstützt das Anti-Raucher-Volksbegehren und will jetzt gar eine rechtlich verbindliche Volksabstimmung im Parlament erwirken: "Das jetzige Rauchergesetz ist ein Pfusch. Ich bin daher für eine verbindliche Volksabstimmung zum Rauchverbot."

Der SP-Mann richtet sich damit gegen den Gesundheitsminister der eigenen Partei. Denn Alois Stöger hat das seit 1. Juli wirksame Rauchergesetz gezimmert. Es sei allerdings eine Erblast aus der Ära von VP-Vorgängerin Andrea Kdolsky, so Leichtfried.

Leichtfried: "Ich werde meiner Partei dringend empfehlen, zumindest darüber nachzudenken," sagt er in ÖSTERREICH.

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