2,8 Mio. Euro veruntreut: Prozess

Luxuspärchen am Sand

2,8 Mio. Euro veruntreut: Prozess

Der sichtlich abgemagerte Ex-Anwalt nahm in seiner Einvernahme am Vormittag alle Schuld auf sich und damit seine zweitangeklagte Freundin in Schutz. Die Idee zur Flucht und mit den veruntreuten Geldern ein neues Leben aufzubauen habe von ihm gestammt. "Ich habe ihr was vorgegaukelt. Wenn sie gewusst hätte, dass es sich um Treuhandgelder handelt, wäre sie nicht mitgegangen." Seine Lebensgefährtin bekannte sich auch nur der Hehlerei schuldig, als Beitragstäterin sieht sie sich nicht.

"Wollte die Realität nicht sehen"
Selbstkritisch schilderte der Jurist, warum es mit seiner Kanzlei stetig finanziell bergab gegangen war. "Mein größter Fehler war, ich konnte nicht wirtschaften. Ich hätte kein Anwalt werden sollen, habe in den Tag hinein gelebt und wie ein Vogelstrauß gearbeitet: Ich habe den Kopf in den Sand gesteckt, wollte Dinge der Realität nicht sehen." Die rund 15 Mio. Schilling (knapp 1,1 Mio. Euro) Schulden hätten sich wegen fehlgeschlagener Geldanlagen, Fehlüberweisungen und eines Hausumbaues angehäuft. Dann seien noch zwei große Klienten weggebrochen. "Ende 1999 ist eine Schere aufgegangen, die war nicht mehr zu schließen."

Flucht ins Ausland
Friedrich L. überlegte, sich entweder zu stellen oder sich im Ausland abzusetzen. Als er sich im Juni 2001 in die Bürokauffrau Brigitte H. bei einem Golfturnier verliebte, entschied er sich für letzteres. Er sei dann schon überrascht gewesen, dass die Banken ihm trotz der hohen Verschuldung Millionenbeträge in bar ausbezahlt hätten - ohne nachzufragen. Wie die gebürtige Niederösterreicherin schilderte, habe sie spontan zugesagt, mit ihm ein neues Leben zu beginnen. Den Entschluss unterzutauchen fassten die beiden laut Staatsanwalt Oliver Schoßwohl am 14. September 2001 bei einem Heurigen. "Er hat es mir schmackhaft gemacht. Er zeigte mir ein Foto von einem Haus mit Meeresblick. Von seinen finanziellen Schwierigkeiten erzählte er nichts", sagte die 40-Jährige." L. habe sich ja als gut situiert dargestellt. Als sie bei einer Kontoeröffnung in London doch misstrauisch geworden sei, habe er ihr erklärt, bei den Geldern handle es sich um Aktienerlöse und Schwarzgeld.

Anwalt missbraucht vertrauen
Auf seine Bitte hin habe sie ihm beim Transfer der Gelder geholfen. In Bozen eröffneten sie beispielsweise 40 Sparbücher, zur späteren Gründung einer Stiftung in Liechtenstein, wo sie dann alleine hinfuhr. In Südtirol unterschrieb sie einen Vertrag zur Gründung einer Kapitalgesellschaft. Sozusagen als Gefälligkeit. "Ich war die Handlangerin." Obwohl Brigitte H. Ende Oktober 2001 von der Polizei und im Dezember darauf aus der TV-Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" von der Fahndung erfuhr, "war mir nicht wirklich klar, dass nach mir gesucht wurde." Und sie vertraute weiterhin ihrem Freund. "Er hat immer wieder gesagt, ich habe damit nichts zu tun. Er erklärte, man sucht mich, damit man ihn findet. Mit den Tathandlungen hätte ich nichts zu tun."

Luxuspaar erwartet Urteil
Dass sie rund 6.500 Euro von Dezember 2000 bis 26. September 2001 aus der Handkasse ihres Arbeitgebers abgezweigt hat, war ihr heute "sehr peinlich". Das tue ihr leid. Zurückbezahlt habe sie es noch nicht. Der Advokat zeigte sich zuversichtlich, dass die Liegenschaft in Reggello, die 800.000 Euro wert sei, veräußert und das Geld zur Schadenswiedergutmachung beitragen könnte. Auf Nachfragen des Staatsanwaltes, ob sie noch liiert seien, antworteten die Angeklagten mit "ja". Ein Urteil wird gegen Abend erwartet.

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