7 Österreichern misslang Flucht aus Gaza

ÖSTERREICH in Nahost

© Lems

7 Österreichern misslang Flucht aus Gaza

Das israelische Militär bombardiert weiter mit voller Kraft den Gazastreifen am Mittelmeer. Allein gestern starben dort 13 Menschen, darunter sieben Kinder.

Das Rote Kreuz organisierte eine groß angelegte Evakuierung – darunter zwei österreichische Familien. Doch 500 Meter von der Grenze entfernt musste der Bus mit Dutzenden Ausländern umkehren. ÖSTERREICH war auf israelischer Seite direkt an der Grenze.

gaza

  • „Gefährlicher Weg.“
    "Es war ein Wahnsinn, wir haben einen langen, gefährlichen Weg auf uns genommen – und dann ist es plötzlich unmöglich, einen Sandhügel auf der Straße wegzuräumen“, ärgert sich Mahmoud Al-Amassi. Der 37-Jährige lebte bis vor einem Jahr in Wien-Favoriten. Schon um 6.30 Uhr stand er mit seiner Frau Suha (33) und seinen drei Kindern am Treffpunkt, dem Hauptquartier des Roten Kreuzes in Gaza-Stadt. „Ich wollte Palästina schon vor zwei Monaten verlassen, doch die Grenzen waren dicht“, sagt Al-Amassi in perfektem Deutsch.

Auch ein älteres Ehepaar - insgesamt 33 Personen- mit österreichischem Pass wollte mit dem Bus raus aus dem Gazastreifen.

  • Schüsse bei Grenze.
    Der Bus samt Rotkreuz-Eskorte setzte sich gegen 10 Uhr in Bewegung. „Kurz vor Erez hielten wir dann an“, so Al-Amassi – mehrere Hügel aus Sand und Steinen blockierten die Straße. „Wir sind dort gestanden, während rund um uns heftig geschossen wurde.“ Auch auf der israelischen Seite der Grenze mussten Wartende in Deckung gehen.
  • Hamas-Feuer.
    Auf israelischer Seite in Ashkleton heulten um 13.19 Uhr die Sirenen auf. Nur 12 Sekunden später war ein Zischen zu hören – schon kam die Detonation. Eine schwarze Rauchsäule stieg auf. Im Dan Hotel keine 100 m entfernt, wo ausländische Journalisten untergebracht sind, vibrierten Fensterscheiben: Eine Kassam-Rakete, die aus dem nördlichen Gazastreifen abgefeuert wurde, hatte einen Krater von einem Meter Durchmesser geschlagen.
  • Checkpoint in Erez.
    Am Erez-Checkpoint in Gaza warteten Vertreter zahlreicher Länder auf ihre Schützlinge. Für Österreich war Botschafter Michael Rendi vor Ort. In einem 72-Stunden-Marathon hatten sie die Ausreise von sieben Doppelstaatsbürgern organisiert. Dann der Schlag: „Wir sind enttäuscht, kurz vor dem Ziel zur Kenntnis nehmen zu müssen, dass die Evakuierung abgebrochen wurde“, so Rendi.
  • Panzer versperrten den Weg in die Sicherheit.
    Warum, schildert Al-Amassi wie folgt: Ein etwa einen Meter hoher Sandhügel, den die israelische Armee wohl für ihre Panzer angelegt hatte, versperrte dem Bus den Weg. Mehrere Reisende berichten, dass die Armee sich weigerte, den Hügel – für den Bus eine unüberwindbare Sperre – wegzuräumen. „Sie wollten schon, doch wegen der Gefechte konnten sie in der Eile keinen Pioniertrupp dafür organisieren“, meint ein Diplomat.
  • Lage war zu gefährlich.
    Die Optionen: Die Israelis empfahlen ihnen, das letzte Stück, etwa 500 Meter, zu Fuß zu gehen. Mit Gepäck durch eine Zone, in der gerade heftige Kämpfe stattfanden. Einige Reisende überlegten ernsthaft, den Marsch zur Grenze zu wagen, darunter auch Al-Amassi. Doch das Rote Kreuz entschied sich – angesichts der Sicherheitslage – für die zweite Möglichkeit: Der Bus kehrte zurück nach Gaza-Stadt.
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