Der Airbag war ihr Schutzengel

Patricia Kaiser

© privat

Der Airbag war ihr Schutzengel

Vergangenen Sonntag um 0.45 Uhr: Gustav Kral (26) biegt mit seinem 333 PS starken schwarzen Audi S4 von Neudörfl aus auf die B 53 und beschleunigt. Neben dem Ex-Admira-Torwart – er gewann mit seinem neuen Verein, UFC Purbach, noch am Nachmittag 2:1 – sitzt seine Freundin Patricia Kaiser (25).

Es schüttet in Strömen, es ist sehr dunkel, die Sicht schlecht. Bei Kilometer 5,8 verliert der Goalie auf der schnurgeraden Straße die Kontrolle übers Auto. Aquaplaning? Zu starke Beschleunigung? Der Wagen kommt ins Schleudern, dreht sich, schießt mit vollem Tempo links über eine fünf Meter hohe Böschung und einen Wildzaun, überschlägt sich mehrmals, bleibt auf dem Dach liegen. Kral (angegurtet) ist sofort tot: Kopfverletzungen.

Patricia Kaiser überlebt wie durch ein Wunder, klettert ohne Schrammen aus dem Wagen und versucht zunächst vergeblich, Hilfe zu holen. Erst das sechste Auto bleibt stehen.

Zu spät für Kral
In einer berührenden E-Mail schreibt sie: „Ich kann es nicht wahrhaben, dass ich ihn nie mehr wieder sehen werde, dass er mich alleine gelassen hat. Wieso kann sich der Schutzengel nicht teilen und uns beide beschützen...?“

Ermittlungen
Jetzt steht fest: Der Schutzengel – das war ihr Seiten-Airbag. Er löste aus, bei Gustav Kral blieb er stecken. Warum, kann niemand erklären.

Fakt ist: Das Wrack wurde nun von der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt beschlagnahmt. „Es wird die Funktionstüchtigkeit der Airbags geprüft“, bestätigt Erich Habitzl, Sprecher der Behörde.

ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl zu ÖSTERREICH: „Uns hat es erstaunt, dass nur der Beifahrerairbag ausgelöst wurde. Im Wagen sind mehrere und voneinander unabhängige Sensoren verteilt, die in verschiedenen Richtungen Stöße aufzeichnen und innerhalb von Bruchteilen von Sekunden den passenden Airbag auslösen.“

Die beiden Frontairbags (die beide nicht auslösten) verfügen über dieselbe Sensorik, gehen bei einem Aufprall ab 30 km/h los.

Doch der Wagen kollidierte nicht frontal mit einem Hindernis, er überschlug sich. Und hier kommen die Seitenairbags zum Einsatz. „In diesem Fall gibt es auf Fahrer- und Beifahrerseite eine unterschiedliche Sensorik“, erläutert Techniker Kerbl.

Auch Audi recherchiert emsig. In ganz Österreich wurden alle Werkstätten kontaktiert, in denen der Unfallwagen zum Service war. Bisher ohne Erfolg. Auch der Händler, der den Wagen verkaufte, konnte noch nicht ermittelt werden. Rätselhaft: Auch hier bisher kein Ergebnis.

„Irrsinnig schlecht.“
Die traumatisierte Patricia Kaiser verbringt die meiste Zeit bei ihren Eltern in Eberschwang im Bezirk Ried im Innkreis (OÖ), in die gemeinsame Wohnung mit Gustav Kral in Mödling will sie nicht mehr. „Sie hat einen Lebensmenschen verloren. Ihr geht’s irrsinnig schlecht“, sagt ihr Betreuer Christian Kuda zu ÖSTERREICH. In aller Stille bereitet sie das Begräbnis für ihren Gustl vor (s. r.).

Kondolenzbuch
Ins Kondolenzbuch von Gustav Kral auf Facebook haben sich inzwischen Hunderte eingetragen. Initiator Michael Speckmann sagt zu ÖSTERREICH: „Das spricht für die Sympathie von Gustav. Er war ein unglaublich ehrgeiziger und dynamischer Mann mit vielen Plänen. Er wollte zu einem Fußballklub ins Ausland wechseln, hat hart darauf hingearbeitet.“

Mit Patricia Kaiser ist Speckmann auch jetzt nach dem tragischen Unfall in Kontakt, sie wird die Internet-Seite weiterführen, „wenn es ihr wieder besser geht“. Das Model trauert still um ihren Gusti. In ihrem E-Mail schreibt sie: „Wir hatten unser Glück – und dieses Glück wurde mir jetzt genommen...“

Die Beerdigung von Gustav Kral (26) findet 17 Tage nach dem tragischen Unfall statt – am 28. Oktober, der Ort ist noch unbekannt. „Es laufen gerade die Vorbereitungen“, sagt der Pressebetreuer von Patricia Kaiser, Christian Kuda, zu ÖSTERREICH. Per SMS wurden Freunde von Kral gebeten, sich den Termin freizuhalten. Details würden folgen. Klar ist: Krals bester Freund, Salzburg-Star Marc Janko, 26, kommt zum Begräbnis.

Trauerflor
Janko spielte am Mittwoch in Paris beim 1:3 gegen Frankreich mit Trauerflor (Sondergenehmigung der FIFA). Der sonst so fröhliche Fußballer kapselte sich in Paris total ab, gab keine Interviews. Berührend die Szene, als er den Anschlusstreffer erzielte. Er zog sich die Trauerschleife vom Arm, küsste sie und hielt sie in den Himmel. „Dieses Tor war nur für den Gusti,“ sagte Janko nach der Rückkehr nach Wien. „Ich bin sehr froh, dass ich getroffen habe. Es war wichtig. Das habe ich mir fest vorgenommen.“

Gustav Kral und Janko spielten ein Jahr bei der Admira in NÖ, im Vorjahr waren sie gemeinsam in Ägypten auf Urlaub.

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