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Monster-Prozess

Amok-Fahrer: Auftritt als Unschulds-Engel

Ein Raunen ging durch den Saal: Gestern um 9.12 Uhr betrat Alen R. (27), der Amok-Lenker von Graz, in einem blütenweißen Anzug, geführt von zwei Justizbeamten, das Gericht in Graz. Für zehn Tage ist der Prozess angesetzt. Drei Personen starben nach seiner Todesfahrt, 36 wurden schwer verletzt.

Strenge Sicherheitsvorkehrungen vor und im Gericht – zwei Sicherheitsschleusen müssen passiert werden. Ausgerechnet die Anwältin des Angeklagten, Liane Hirschbrich, verspätet sich – um 9.15 Uhr geht es dann los. Präzise schildert Staatsanwalt Rudolf Fauler den Tathergang, der zweite Staatsanwalt erörtert für die Geschworenen die Frage, warum es drei psychiatrische Gutachten gibt. R. sitzt währenddessen versunken da, blickt nach links zu den Anklägern – wortlos. Nur die Füße zappeln.

Amok-Lenker wiederholt immer wieder seine Ausrede

Immer wieder fordert der Richter den Angeklagten zu sprechen auf: „Herr R., das ist Ihr Vormittag!“ Alen R. wiederholt seine unglaubliche Aus­rede für die Bluttat: „Ich hörte Schüsse und geriet in Panik.“

Schockierend sind die Videoaufnahmen aus Überwachungskameras, die den Geschworenen vorgespielt werden. Sie zeigen: R. nützt Parklücken auf seiner Wahnsinnsfahrt, umfährt Hydranten, weicht parkenden Pkws aus – nur nicht Menschen: Sie fährt er nieder. Wahllos und doch gezielt. Immer wieder wenden sich Zuschauer von den Bildern ab, die zeigen, wie R. mit 80 Stundenkilometern durch die Stadt rast.

Welchen Kontakt gab es
 zu einem Hassprediger?

Für seine Autohandelsfirma betrieb R. auch eine Homepage – der Richter zitiert aus den Ermittlungsakten ein pikantes Detail. R. hatte Kontakt zu Fikret B., ebenfalls ein Bosnier, der in Graz in einer Moschee predigte und im Frühjahr zu acht Jahren (nicht rechtskräftig) verurteilt worden ist. „Kennen Sie B.?“, fragt der Richter. – „Ja, da war was mit einem Auto“, fällt R. nach einigem Nachdenken ein.

Brisant: In einem Chat fand sich auch die Aussage: „Überfahrt die Ungläubigen in den Einkaufsstraßen.“

Das sagte der Angeklagte Alen R. vor Gericht

Selbstmitleidig, aber auch schnippisch fallen R.s Antworten immer wieder aus.

  • Alen R. über die Tat: „Ich hatte Angst, erschossen zu werden, war in Panik. Ich habe die Kontrolle übers Auto verloren. Ich dachte, die Leute werden schon ausweichen.“
  • … über sein Motiv: Der Richter sagt: „Ich glaube, der 20. Juni war einer der schrecklichsten Tage ihres Lebens. Kein Erfolg im Beruf, die Ehe kaputt, Frau und Kinder im Frauenhaus …“ – R.: „Ich ­hatte ein gutes Leben. Es hat alles gepasst.“
  • … über seine Verfolger: „Ich habe mich verfolgt gefühlt. Ich habe Schüsse gehört.“ – der Richter erwidert: „Ja, aber Sie müssen sich entscheiden. Einmal sind es die Türken, dann die Bosnier und zum Schluss, sagen Sie, jetzt ihr Schwiegervater.“
  • … im Polizei-Video: Eine Polizei-Ärztin fragt: „Wollen Sie wissen, was Sie auf Ihrer Fahrt angestellt haben?“ – „Ich bin wie ein Hund behandelt worden.“ – Der Richter unterbricht: „Hatten Sie an diesem Tag das Gefühl, nichts mehr verlieren zu können?“ – R. schweigt.
  • … über seine Schuld: „Ich bin nicht schuld, schuld sind die, die mich verfolgt haben“, sagt R. – Der Richter: „Das war sozusagen Ihre Entschuldigung an die Opfer. Sie zeigen in keinster Weise Mitgefühl.“ – Die Beisitzerin: „Was empfinden Sie außer Selbstmitleid?“ – R.: „Ich wurde bedroht.“ – Der Richter: „Sie fühlen sich immer als Opfer.“
  • … über sein Fahrtroute: „Ich wollte zur Polizeistation“, antwortet der Betroffene. Und auf die Frage, warum er durch die Herrengasse gefahren sei, sagt er: „Ich ­wollte den kürzesten Weg nehmen.“
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