Applaus für

1. Schultag

© TZ Österreich (Schöndorfer)

Applaus für "Herr Lehrerin"

Es war ein trüber, verregneter erster Schultag für Andrea S. Und ein besonderer: Denn vor den Ferien war sie noch ein Mann – und hieß Walter.
Doch trotz des miesen Wetters strahlt die Dame über das ganze Gesicht, als sie nach den ersten Stunden als "Frau Lehrerin" aus dem Eingangsportal der Höheren Technischen Lehranstalt (HTL) Spengergasse tritt. Bekleidet mit einer fröhlichen lila Bluse und einem hellen Blazer antwortet die mutige Lehrkraft freundlich und sympathisch, als man sie um eine erste Bilanz bittet: "Es war wunderbar. Alle waren sehr nett zu mir. Ich bekam viele aufmunternde Worte und rührende E-Mails von Kollegen und Schülern", erzählt sie im Interview.


Offiziell wurde in Schule aus Walter bereits Andrea

Um Andrea S. herum stehen Schüler älteren Semesters, manche mit Zigaretten im Mund. Ein paar von ihnen werfen neugierige Blicke auf die Frau Lehrerin, doch niemand spottet oder lacht sie aus. Sie erzählt weiter: "Man hat mir gratuliert, dass ich mich getraut habe, mich zu verändern und auch darüber zu sprechen. Viele haben gesagt, dass ich damit ein Vorbild bin für Minderheiten. Für Lesben und Schwule, oder solche, die anders denken als der Mainstream."
Im Personalregister HTL Spengergasse ist die Wandlung vom Mann zur Frau bereits offiziell vollzogen: Aus dem Informatiklehrer Walter S. wurde im EDV-System bereits Andrea S.
Schon am Dienstag hat es ein klärendes Gespräch mit Wolfgang Hickel, dem Direktor der Schule, gegeben. Dabei wurde Andrea S. über ein Maßnahmenpaket informiert, das die Schule gemeinsam mit dem Unterrichtsministerium erarbeitet hat: Für Schüler und Lehrer stehen Psychologen für Gespräche zur Verfügung, um mit der Situation besser umgehen zu können. Andrea S. erzählt: "Es wurde auch der Wunsch geäußert, dass in der Schule so schnell wie möglich wieder Normalität einkehrt."


Schüler cool

Die Schüler beim Eingang sind ebenfalls dieser Meinung. "Wenn sie so unterrichtet wie im Vorjahr, ist mir völlig wurscht, wie sie aussieht", sagt Michael B. So denken fast alle hier. Kein Wunder, dass sich Andrea S. schon auf die ersten Unterrichtsstunden mit ihren Schülern freut: "Trotzdem schließe ich mich der Meinung des Direktors an. Ich finde, man sollte das Thema nicht überstrapazieren. Immerhin unterrichte ich ja technische Fächer und nicht Sexualkunde."

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