26. Juli 2010 00:08
Sie ist drei Meter lang, 20 Kilogramm schwer, würgt ihr Beute zu Tode und
ist am Sonntag im Süden von Graz aus einem Terrarium ausgerissen: eine Boa
Constrictor, die von ihrem Besitzer nach einer Biss-Attacke allein in der
Wohnung im ersten Stock eines Mehrparteienhauses zurückgelassen worden war.
Als der 52-jährige Schlangenliebhaber wieder nach Hause kam, war das Reptil
verschwunden. Eine Suchaktion mit mehr als 30 Helfern am Montagvormittag
blieb ohne Erfolg.
Boa entkam durch Balkontür
Die Würgeschlange lebte seit etwa
zehn Jahren bei ihrem Besitzer in einer Siedlung in der Liebenauer
Hauptstraße. Am Sonntag hatte das Tier laut Polizei vermutlich bei der
Fütterung eines Hasen seinen Halter angegriffen und gebissen. Offenbar
überrascht von der Attacke, verließ der Mann gegen 14.00 Uhr seine Wohnung.
Als der Grazer gegen 20.00 Uhr wieder zurück kam, konnte er sein Haustier
nicht mehr finden und alarmierte die Polizei. Es dürfte durch eine gekippte
Balkontür entkommen sein.
Sofort wurde die Suche nach der für Kinder und Haustiere gefährlichen Boa
eingeleitet. Bis Mitternacht wurde auch mit Wärmebildkameras gesucht, jedoch
ohne Ergebnis. Am Montagvormittag organisierte die Einsatzleitung
Polizeischüler und -schülerinnen für eine neuerliche Suche. Diese wurde nach
gut einer Stunde ebenfalls erfolglos eingestellt.
Polizei hofft auf Passanten
"Wir glauben mittlerweile, dass eher
ein Passant das Tier finden wird," so Einsatzleiter Willibald Thaller. Falls
nicht, könne das Tier theoretisch bis in den Herbst mit Beute, die es sich
fängt, überleben. Wenn es kälter wird, müsste sich die Boa ein warmes
Plätzchen suchen, ansonsten stirbt sie bei frostigen Temperaturen, so die
Polizei.
"Die finden die Schlange nie"
Am Schauplatz hatte sich
am Montag auch der eine oder andere Schlangenexperte eingefunden. Während
die Polizeischüler noch den nahe gelegenen Kürbisacker durchkämmten, gab
Klaus Müller vom Reptilien-Notdienst Tipps, klärte Anrainer auf und
kritisierte die Suchaktion der Polizei: "So wie die suchen, finden sie die
Schlange nie, weil sie hätten schon um 5.00 Uhr früh beginnen müssen."
Außerdem wüssten die Beamten nicht einmal, wo sie überall suchen müssten,
denn die Schlange könne auch in Baumwipfel, im Motorraum des Autos am
Parkplatz oder gar in eine andere Wohnung gelangt sein. Eine Suche mit
Wärmebildkameras sei auch sinnlos, da sich die Schlange der
Umgebungstemperatur anpasse und daher mit diesen Kameras auch auf eine
Entfernung von zwei Meter nicht sichtbar sei, so Müller.