Das Protokoll der Baby-Entführung Das Protokoll der Baby-Entführung

Drama in Salzburg

© Fürweger /TZ ÖSTERREICH

 

Das Protokoll der Baby-Entführung

9 Uhr: Mittwochvormittag im Einkaufszentrum Europark. 3.000 Menschen drängen sich durch die Gänge – darunter die Salzburgerin Nina Z. (34) mit zwei ihrer drei Kinder.

9.41 Uhr: Die Frau steht mit ihrem zweijährigen Sohn und ihrem Baby Nora (drei Monate alt) im Erdgeschoss. Plötzlich kommt eine Frau auf sie zu: Sie ist mollig, trägt eine blaue Bluse und hat kurze schwarze Haare. Sie sagt: „Ich habe vor vier Wochen selbst entbunden. Die Geburt war schwierig.“ Smalltalk unter jungen Müttern.

Plötzlich ist das Baby weg – Großalarm, Schock

9.43 Uhr: Minuten später beginnt das Drama. Die 34-jährige fährt mit ihren Kindern in den ersten Stock, geht in eine H&M-Filiale und probiert mehrere Kleider. Die kleine Nora liegt in einem Maxi-Cosi vor der Kabine. Durch einen Schlitz beobachtet die Mutter ihr Baby alle paar Sekunden.

Plötzlich wackelt der Kindersitz ein wenig – die 34-jährige stutzt kurz, öffnet wenige Augenblicke später den Vorhang.

9.45 Uhr: Der Schock: Das Maxi-Cosi ist leer. Die Mutter ringt um Fassung, sieht sich panisch um – keine Spur. Als Erstes schlägt sie beim Verkaufspersonal Alarm. Dieses informiert die Center-Leitung – und die die Polizei. Großalarm wird ausgelöst – alle Hebel in Bewegung gesetzt.

10.25 Uhr: Die Polizei rückt mit 200 Beamten an. Zufahrtsstraßen zum Europark werden gesperrt, das gesamte Center evakuiert. Jedes Auto wird überprüft, Verkehrschaos ist die Folge. Die Stadt ist im Ausnahmezustand. Im Inneren des Gebäudes suchen Polizisten mit Suchhunden jeden Zentimeter ab.

10.55 Uhr: Radiostationen im ganzen Land melden erste Details, ganz Österreich zittert mit der jungen Mutter. Die 34-Jährige ist unter Schock, wird von einem Kriseninterventionsteam betreut. „Sie wirkt gefasst, ist kooperativ“, erzählen die Betreuer über die tapfere Mama.

11.15 Uhr: Die Täterin bekommt ein Gesicht: Sie wurde von einer Kamera gefilmt, als sie aus dem Lift in die Tiefgarage ging – in der Hand der Kindersitz mit der kleinen Nora.

13.00 Uhr: Dutzende Hinweise gehen ein. Die Polizei hat eine erste heiße Spur: Die Frau soll Tirolerin sein. Mögliches Tatmotiv: Kurzschlusshandlung nach einem Trauma.

14.25 Uhr: Die Täterin wird identifiziert: Es handelt sich um die 32-jährige Elisabeth S. aus Kitzbühel. Für sie wird die Lage immer enger: In Bayern, Salzburg und Tirol sind Beamte auf der Jagd.

14.55 Uhr: Deutsche Beamte erkennen das Kennzeichen, verfolgen den Wagen. Elisabeth S. gerät in Panik, legt das Baby auf einer Wiese bei einem Supermarkt in Unterwössen im Landkreis Traunstein ab. Minuten später nimmt die Polizei die Frau fest, Nora ist in Sicherheit. Nach fünf Stunden ist das Drama vorbei.

Lesen Sie auf der nächsten Seite alles über die Hintergründe der Tat!

Happy End wenige Stunden nach der Entführung eines drei Monate alten Mädchens aus dem Einkaufszentrum Europark in der Stadt Salzburg: Die Entführerin wurde am Nachmittag im benachbarten Bayern, und zwar in Reit im Winkl im Chiemgau, gefasst. Das Baby ist wohlauf, bestätigte ein Mitarbeiter der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd in Rosenheim. Bei der mutmaßlichen Täterin handelt es sich um eine Tirolerin. Die Hintergründe der Tat waren vorerst noch nicht bekannt.

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Die glücklich Eltern Nora und Mike mit ihrer Tochter Nora (c) APA/Neumayr/MMV/Neumayr/MMV

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32-jährige Tirolerin ist die Täterin
Aufgrund der raschen Veröffentlichung der Bilder aus der Überwachungskamera erhielt die Polizei bereits zwischen 12.00 und 13.00 Uhr Hinweise auf die Frau in Tirol, sagte Oberst Josef Holzberger vom Landeskriminalamt Salzburg. Daher wurde danach gezielt nach dem Fahrzeug der Frau gefahndet. Gegen 14.30 Uhr wurde der Wagen dann von der bayerischen Polizei entdeckt, und wenig später hielt sie die Frau in der Nähe eines Supermarktes in Unterwössen an und konfrontierte sie mit den Vorwürfen. Kurz darauf führte die 32-Jährige die Ermittler zum Parkplatz des Supermarktes, wo sie unmittelbar davor das Baby in seinem Auto-Sicherheitssitz abgestellt hatte. Das Mädchen wurde danach von einem Arzt untersucht und inzwischen den überglücklichen Eltern wieder übergeben.

Tirolerin in haft
Die Tirolerin befindet sich derzeit in Bayern in Haft und soll von den Kriminalisten aus Traunstein befragt werden. Bernhard Resch, der Leiter der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, sagte, es sei möglich, dass sie nach Österreich ausgeliefert werde, der Kontakt mit der Staatsanwaltschaft Salzburg sei bereits hergestellt. Über das Motiv der Frau konnte die Polizei mit dem Hinweis auf die erst zu erfolgende Vernehmung noch keine Angaben machen.

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Die mutmaßliche Täterin (c) APA/LPK Salzburg

Einkaufstour wurde zum Horror-Tag
Die 34-jährige Salzburgerin war mit ihrem zweijährigen Kind und dem Baby im Europark shoppen. In einem Bekleidungsgeschäft wurde sie um etwa 9.45 Uhr von einer Frau angesprochen, die ihr erzählte, vor vier Wochen in Tirol selbst ein Baby entbunden zu haben. Das Kind sei erst drei Wochen nach dem errechneten Termin gekommen und die Geburt sei sehr schwierig verlaufen.

Danach fuhr die Mutter in den ersten Stock und stieß dort erneut auf diese Frau. Während sie dann mehrere Kleidungsstücke anprobierte, verschwand das Baby plötzlich. Kurz nach Bekanntwerden wurden die Ausgänge und Ausfahrten des Einkaufszentrums geschlossen, alle Kunden wurden beim Verlassen des Gebäudes durch die beiden einzigen offen gelassenen Ausgänge von der Polizei kontrolliert. Die Täterin war aber schon draußen. Fünf Stunden später wurde die Festnahme gar nicht weit weg in Bayern gemeldet.

Auf Seite 2 Nachlesen: Der Entführungs-Krimi minutenaktuell im Ticker.

16:15 Uhr:
An dieser Stelle beenden wir unsere Live-Berichterstattung. Lesen Sie im Folgenden den Tag nach - so überstürzten sich die Ereignisse in Salzburg und in Bayern.

16:08 Uhr:
Bei den Besuchern des Europarks in Salzburg herrschte ob der Tat Fassungslosigkeit und Bestürzung. Die Reaktionen der Zeugen lesen Sie hier!

15:53 Uhr:
Die Frau wurde im Zuge der Fahndung von der bayerischen Polizei angehalten und anhand der übermittelten Fotos als mutmaßliche Täterin identifiziert. Sie stammt aus Tirol, ist 32 Jahre alt und lenkte einen Wagen mit Tiroler Kennzeichen. ++ Die Hintergründe der Tat sind noch völlig unbekannt +++

15:52 Uhr:
Die Entführerin konnte in Reit im Winkl gefasst werden.

15:22 Uhr:
Das drei Monate alte Baby ist wohlauf, so die bayerische Polizei. Das Mädchen wurde im Chiemgau entdeckt, also nicht recht weit von der Landesgrenze und Salzburg entfernt.

++++15:05 Uhr: Das entführte Baby wurde in Bayern gefunden+++Die Täterin ist gefasst

++++14:37 Uhr: Gerüchten zufolge ist die Entführerin identifziert+++

14:31 Uhr:
Die Entführung ist auch international ein Thema, mehrere Übertragungswägen verschiedener Sender rücken an.

14:23 Uhr:
Das entführte Mädchen heißt Nora. Die Fahndung läuft immer noch auf Hochtouren. Inzwischen wurde der Europark wieder für Besucher freigegeben, in Kürze sperrt auch der H&M wieder auf.

14:17 Uhr:
Derzeit werden sämtliche Überwachungsvideos aus dem Europark ausgewertet: So erhofft sich die Polizei Hinweise auf die Identität der Entführerin und auf ihren Fluchtweg.

14:02 Uhr:
Die Polizei vermutet, dass die Entführerin das Einkaufszentrum über die Tiefgarage verlassen hat.

fahndung (c) APA: Die Polizei kontrolliert die Autos.

13:58 Uhr:
Zum Zeitpunkt der Entführung waren etwa 3.000 Kunden im Europark.

13:54 Uhr:
Ein nicht unwichtiges Detail sei hier angemerkt: Das entführte drei Monate alte Baby hatte einen rosa farbenen Strampler an.

13:45 Uhr:
Die Polizei konzentriert nun ihre Suche auch auf Tirol: Die Täterin soll dort vor einigen Wochen entbunden haben. Vermutet wird, dass sie ihr Kind verloren hat - und nun in einer Kurzschluss-Reaktion ein Baby entführte.

13:33 Uhr: Das Einkaufszentrum ist nun für Besucher wieder geöffnet. Einzig der H&M bleibt geschlossen - dort werden Spuren gesichert.

h_m(c) TZ ÖSTERREICH

++++13:18 Uhr: Die Entführerin hat es gezielt auf das Baby abgesehen: Sie kam mit einem eigenen leeren Maxi-Cosi in die Babyabteilung von H&M. Dann nahm sie das Baby aus dem fremden Maxi-Cosi, und steckte es in ihres. Mit einer Stoffwindel bedeckt floh sie aus dem Einkaufszentrum+++

13:04 Uhr:
Tathergang: Die 34-jährige Mutter hat in der Umkleidekabine etwas anprobiert. Vor der Kabine stand das Einkaufswagerl mit dem Maxi-Cosi. In einem kurzen Moment, als sich die Mutter umdrehte, geschah es: Die jetzt zur Fahndung ausgeschriebene Frau entführte das drei Monate alte Baby. Detail am Rande: Die Mutter war mit ihrem zweiten Kind, einem Bub, in der Umkleidekabine.

13:01 Uhr:
Die Fahndung konzentriert sich nun gezielt auf die verdächtige Frau. Sie soll in der Babyabteilung weniger die Ausstellungsstücke angeschaut haben als vielmehr gezielt nach Kindern Ausschau gehalten haben.

12:49 Uhr:
Derzeit durchkämmen etwa noch 60 Polizisten und Einsatzkräfte den Europark um zu schauen, ob die verdächtige Frau doch noch im Gebäude ist.

12:35 Uhr:
Das ist die mutmaßliche Täterin (in rotem Kreis): In der Hand trägt sie entführte Baby:

mutter

12:30 Uhr:
Die Täterin hat es offenbar gezielt auf die Mutter abgesehen: Sie hat mehrmals versucht die Mutter in ein Gespräch zu verwickeln. Trotz des Schocks ist der Zustand der Mutter relativ stabil. Sie kooperiert gut mit der Polizei.

12:28 Uhr: Ersten Erkenntnissen zufolge hat die Frau, nach der gefahndet wird, österreichisch gesprochen.

12:21 Uhr: Spezialkräfte des Roten Kreuzes betreuen die unter Schock stehende Mutter.

12:20 Uhr: Jetzt treffen mehrere Hundeführer der Polizei ein, die das Gebäude systematisch durchsuchen.

12:18 Uhr: Blick ins Einkaufszentrum via webcam: So schauts derzeit im geräumten Europark aus: Hier geht`s zur Live-Webcam.

12:13 Uhr: Die Fahndung wurde inzwischen auch auf Deutschland ausgedehnt, die bayerische Polizei ist informiert.

12:06 Uhr:
Die Pressekonferenz wurde auf 12:30 Uhr verschoben. Die Anspannung steigt bei allen Beteiligten, teilweise liegen die Nerven blank.

12:01 Uhr: Rund um das Einkaufszentrum bilden sich Mega-Staus. Die Polizei kontrolliert jedes Fahrzeug.

11:49 Uhr: In wenigen Minuten wird es von der Polizei eine Pressekonferenz geben.

11:47 Uhr: Alle Autos, die das Einkaufszentrum verlassen haben, wurden kontrolliert. Auch die Parkdecks wurden geräumt.

++++11:54 Uhr: Jetzt ist klar: Das entführte Baby ist ein Mädchen+++

11:45 Uhr:
Der Europark ist geräumt. Im Gebäude befinden sich nur noch Angestellte und Polizei.

11:35 Uhr:
Selbst Polizeischüler werden zur Suche herangezogen.

11:27 Uhr:
Jetzt sperrt Polizei sperrt alle Zufahrtsstraßen zum Europark. 150 Beamte sind im Einsatz.

11:25 Uhr:
Die Mutter steht unter Schock und wird von einem Kriseninterventionsteam psychologisch betreut.

11:24 Uhr:
Als Tatzeit gibt die Polizei 09:45 Uhr an. Die Mutter (34) sah sich gerade Babykleidung an, als sie in ein Gespräch verwickelt wurde.

11:21 Uhr: Gefahndet wird nach einer einer ca 35 bis 40--Jährigen Frau mit schwarzem Zopf und blauer Jacke und Jeans. Sie soll die Mutter vor dem H&M in ein Gespräch verwickelt haben. Dabei stellte die Mutter das Baby-Tragerl ab. Offenbar wurde der Säugling daraus entwendet. Ein Mann südländischen Typs mit Drei-Tages-Bart soll dabei zugegen gewesen sein, auch nach ihm wird gefahndet.

++++11:18 Uhr: Die Polizei räumt den Salzburger Europark+++

10:45 Uhr:
In einem unbemerkten Augenblick hat dann jemand das Baby aus dem Sitz herausgenommen und ist damit verschwunden, sagte der Journalbeamte der Polizei, Christian Eichinger. Ob es sich um eine Entführung oder einen Irrtum handelt, könne man noch nicht sagen.

10:25 Uhr:
Im Salzburger Einkaufszentrum Europark ist heute ein drei Monate altes Baby verschwunden. Die Mutter des Kindes war von einer Frau in ein Gespräch verwickelt worden. Dabei stellte sie den Maxi Cosi kurz auf den Boden.

Hintergrund-Info: Das ist der Europark


Das Salzburger Einkaufszentrum Europark ist das größte des Bundeslandes und liegt im Stadtteil Taxham unmittelbar neben der Westautobahn A1. Es wurde am 24. September 1997 eröffnet, das Gesamtkonzept für das Gebäude erstellte der römischen Architekt Massimiliano Fuksas.

Das Shopping-Center war von Beginn an die Nummer eins in Österreich, was den Umsatz pro Quadratmeter betrifft. Für die einzigartige Architektur, den Innovationsgeist und das soziale Engagement gewann es 2007 den Branchen-Oskar "ICSC European Shopping Center Award".

Begonnen wurde mit einer vermieteten Fläche von 30.500 Quadratmetern, im Jahr 2005 wurde diese auf insgesamt 50.700 Quadratmeter (davon 36.000 Quadratmeter reine Verkaufsfläche) erweitert. Über 130 Shops und Restaurants haben sich im Europark eingemietet, im Jahr 2008 wurde ein Umsatz von 310 Millionen Euro erwirtschaftet, auf jedem Quadratmeter wurden somit im Jahr 8.650 Euro umgesetzt.

In der Tiefgarage und auf den Parkdecks stehen in Summe 4.200 Gratis-Parkplätze zur Verfügung. Im Jahr 2007 wurde insgesamt 9,6 Millionen Kunden gezählt, pro Einkaufstag tummeln sich als mehr als 30.000 Menschen im Center, etwa 20 Prozent davon kommen aus Bayern. Eigentümer des "Konsumtempels" ist die Spar European Shopping Centers GmbH.

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