Besonders viele Ansteckungen im Juli

Schweinegrippe

Besonders viele Ansteckungen im Juli

Vor etwas mehr als drei Monaten meldete Mexiko die ersten Fälle der neue A(H1N1)-Influenza, wenige Tage danach trat in Österreich die erste Schweinegrippe-Infektion auf. 153 Ansteckungen im Inland wurden seither registriert, 138 davon durch den massiven Einfluss des Urlauberreiseverkehrs im Juli, so die Statistik des Gesundheitsministeriums. Des bisherigen Höhepunkt an neuen bestätigten Fällen gab es am Freitag (31. Juli) mit 13 positiven Tests innerhalb eines Tages.

Alle Erkrankungen verliefen mild, meist wurden die Patienten nach wenigen Tagen aus dem Spital entlassen bzw. teilweise auch zu Hause behandelt. Resistenzen gegen die antiviralen Medikamente (Oseltamivir/"Tamiflu" bzw. Zanamivir/"Relenza") wurden nicht beobachtet.

Die internationale Geschichte: Am 24. April schloss Mexiko vorübergehend sämtliche Schulen, fast 1.000 Schweinegrippe-Kranke lagen zu diesem Zeitpunkt im Spital und der Erreger wurde für sieben Todesfälle verantwortlich gemacht. Bereits vier Tage später steckte sich eine Österreicherin an: Die 28-Jährige infizierte sich nach einem Aufenthalt in Guatemala bei der Rückreise über die USA und litt bereits während des Fluges von Mexico-Stadt über Miami an akuten Grippesymptomen und über 40 Grad Fieber. Nach einer Behandlung mit dem Influenza-Medikament "Tamiflu" in einer isolierten Spitals-Station konnte die junge Frau nach fünf Tagen am 2. Mai gesund entlassen werden.

Nach dieser ersten Infektion verschonte die Schweinegrippe Österreich für mehr als ein Monat: Erst am 2. Juni wurde bei einem New York-Urlauber aus der Steiermark erneut eine Ansteckung nachgewiesen. Einen Tag später erkrankte ein dritter Österreicher, der Mann aus dem Raum St. Pölten hatte sich zuvor ebenfalls in den USA aufgehalten.

Deutlich mehr Ansteckungen im Juli
Bemerkbar machte sich die neue Grippe in Österreich vor allem aufgrund des sommerlichen Urlauberverkehrs, besonders nach Spanien. Während im Mai im Inland gar niemand erkrankte und sich im Juni "nur" 14 Menschen ansteckten, schnellten die Zahlen im Juli nach oben: So gut wie jeden Tag wurden neue Fälle registriert, ab Mitte des Monats stiegen die Neu-Infektionen auf bis zu zehn Stück täglich.

Bei den jüngsten 13 Infektionen waren zum wiederholten Mal ausnahmslos Reisende betroffen. Acht der jungen Männer und Frauen unter 40 Jahren kehrten aus Spanien heim, drei weitere hielten sich in Großbritannien, Brasilien und Malaysia auf. Sechs der Patienten werden in Wien ihrem Gesundheitszustand entsprechend im Spital oder zu Hause behandelt. Je zwei Erkrankte kommen aus Tirol und Salzburg, die restlichen aus der Steiermark, Ober- und Niederösterreich.

In vier bis fünf Fällen gab es bisher Infektionen im Inland, kranke Heimkehrer steckten nur vereinzelt Menschen aus ihrer Umgebung an. Betroffen waren zum Teil auch ausländische Urlauber in Österreich: Der zehnte Schweinegrippe-Fall in Österreich trat am 20. Juni auf, ein 14-jähriges Mädchen aus Hongkong erkrankte während eines Besuchs mit ihren Eltern im südlichen Niederösterreich. Die 100er-Grenze wurde erst am vergangenen Wochenende rund um den 26. Juli überschritten. Der 50. Fall trat Mitte Juli auf.

Über 24.000 Schweinegrippe-Fälle in der EU
Verglichen mit anderen Staaten im europäischen Raum ist die Zahl der Fälle in Österreich eher gering. Das EU-Seuchenkontrollzentrum ECDC meldete aus der Schweiz bis Freitag beispielsweise 423 Erkrankungen. In der EU und der Europäischen Freihandelszone (EFTA) gab es seit April 24.021 Schweinegrippe-Fälle, die meisten davon in Großbritannien (11.159). Dort, in Spanien und Ungarn starben bisher 37 Patienten. In Belgien gab es am Donnerstag den ersten Todesfall. Einen starken Anstieg verzeichnete zuletzt Deutschland mit 879 Erkrankungen in 24 Stunden und einer Gesamtzahl von 5.324 Betroffenen. Weltweit nahm die Zahl der Ansteckungen zuletzt auf 177.650 zu, insgesamt gab es 1.127 Todesfälle.

Das "WorstCase"-Szenario
Das europäische Zentrum für Krankheitskontrolle hat am Donnerstag unter anderem ein "WorstCase"-Szenario für die erste Welle der A(H1N1) Pandemie veröffentlicht, das natürlich nicht eintreten muss:

- 30 Prozent der Bevölkerung könnten insgesamt krank werden (Symptome zeigen).
- Am Höhepunkt der Krankheitswelle könnten 6,5 Prozent der Bevölkerung eines betroffenen Landes krank sein.
- 15 Prozent der Patienten könnten irgendwelche Komplikationen entwickeln.
- Zwei Prozent der Erkrankten könnten ins Spital aufgenommen werden müssen.
- Die Mortalitätsrate könnte 0,1 bis 0,2 Prozent betragen.
- Am Höhepunkt der Krankheitswelle könnten zwölf Prozent der Beschäftigten im Krankenstand sein.

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