Callgirl-Mord: 10 Tage lang ein Killer

"Albtraum ohne Schlaf"

Callgirl-Mord: 10 Tage lang ein Killer

Keiner hat eine Erklärung, wieso der bisher unbescholtene, unauffällige und einst auch recht gesellige Stefan aus Simmering zuerst zum Außenseiter und dann sogar zum mutmaßlichen Mörder am Internet- und Escort-Callgirl Lucia R. (22) wurde.

Paintballer zog sich von seinen Freunden zurück
Ein Vertrauter, der den hageren Burschen mit dem muskulösen Körper vom Paintball her kannte, berichtet nur, dass der Lehrling vor eineinhalb Jahren eine plötzliche Wandlung durchmachte: Stefan zog sich immer mehr zurück und hörte mit dem Sport – der einst sein Ein und Alles war – ganz auf. Man munkelt von falschen Freunden und Drogen und von schwierigen Familienverhältnissen – ein mongoloider Bruder und Eltern, die damit völlig überfordert sind.

Auf einem seiner diversen Internetprofile deutet er an, was auch die Kripo bei der Pressekonferenz bestätigen: dass der junge Wiener offenbar Beziehungsprobleme hatte: „Manchmal muss man eine Menschen loslassen, damit er glücklich sein kann. Auch wenn man selbst daran zerbricht.“

Mordopfer am Freitag in
 der Slowakei begraben
Stefan K. (für den die Unschuldsvermutung gilt) dürfte, schon bevor er Lucia R. traf, eine heftige und unglückliche Liebe erlebt haben. Und dann verschaute er sich ausgerechnet in eine Prostituierte, die in ihm aber nur den Freier sah, den sie nach Strich und Faden ausnahm. Als er in der Nacht auf den 20. Juni bei der schönen Slowakin in der Wohnung war, wollte sie wieder nur ­gegen Bezahlung mit ihm schlafen – als sie ihn obendrein noch auslachte, griff der Verschmähte zum Messer. Am Donnerstag, einen Tag nach seinem 20. Geburtstag, wurde er verhaftet.

Das Mordopfer wurde am Freitag im engsten Kreis ihrer Familie in Kremnica in der Slowakei beerdigt.

Saša N.: "Albtraum ohne Schlaf"

Weil ein altes Handy von ihm am Tatort gefunden wurde, wurde ein Kreditvermittler verhaftet. Zehn Tage lang war der Hauptverdächtige.

ÖSTERREICH: Sie wurden am Freitag aus der Haft entlassen. Wie geht es ­Ihnen jetzt?

SAŠA N.: Ich hab die zehn Tage lang kein Auge zugebracht, hab immer nur gerechnet, wann ich wieder rauskomme: in 10, 25, 20 Jahren. Dabei bin ich völlig unschuldig. Das hab ich von Anfang an gesagt. Ich hab nix verheimlicht!

ÖSTERREICH: Warum ist die Polizei auf Sie gekommen?

SAŠA N.: Ich kannte Lucia vom Café eines Freundes in der Kranzgasse. Ich wusste nicht, dass sie eine Prostituierte war, aber sie war so lebensfroh und sympathisch, da hab ich sie als Hilfe für meine Geschäfte angestellt. Sie bekam ein Diensthandy von mir, und das lag wohl bei der Leiche.

ÖSTERREICH: Hatte Sie Ihnen nicht auch Geld gestohlen?

SAŠA N.: Das hab ich auch der Polizei gesagt, die mitten in der Nacht die Wohnung gestürmt und auseinandergenommen hat: Nach einem Abendessen mit ihr fehlten aus meinem Sakko zwei Fünfhunderter. Das kann aber auch die Kellnerin gewesen sein oder ich hab das Geld ausgestreut …

ÖSTERREICH: Wie erlebten Sie die Polizeiverhöre.

SAŠA N.: Sie sagten immer wieder: „Du warst es! Gib’s zu! Du bekommst lebenslang!“ Zwei Tage lang fragten sie pausenlos dasselbe. Es war zermürbend. Doch sie haben einen Fehler gemacht!

ÖSTERREICH: Und zwar?

SAŠA N.: Sie hätten mich gar nicht einsperren dürfen. Und die DNA-Gutachten abwarten sollen. So aber saß ich zehn Tage unschuldig in einem Albtraum, dafür will ich einen Entschädigung!

ÖSTERREICH: Welchen Schaden haben Sie erlitten?

SAŠA N.: Mein Ruf als Geschäfts- und Ehrenmann hat stark gelitten. Meine Mutter und meine Frau wurden krank. Meine Frau verlor überdies ihren Job in Frankreich, weil sie hier bei mir blieb und mich unterstützte.

ÖSTERREICH: Wie kamen Sie nach Hause?

SAŠA N.: Der Wärter kam und sagte, er habe eine gute Nachricht. Ich hab nur ein Kreuz geschlagen. Dann bin ich einfach heim und stand in der Tür. Die ganze Familie dachte: Da kommt ein Geist. Dann flossen die Tränen.

Autor: Roland Kopt

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