Chinesen kopieren jetzt auch Innsbruck

Nach Halstatt

Chinesen kopieren jetzt auch Innsbruck

Das Chinesische Staatsunternehmen Minmetals plant offenbar Nachbauten des Innsbrucker Goldenen Dachls sowie der Festung Hohensalzburg. Dieses Vorhaben habe der Konzern gegenüber einer Tiroler Wirtschaftsdelegation bei einem Besuch im vergangenen Herbst deponiert, sagte ein Verantwortlicher von Innsbruck Tourismus der APA am Freitag und bestätigte damit Medienberichte.

"Damals haben die Chinesen ihr Interesse bekundet. Wir wissen aber bis dato weder wo noch wann das nachgebaut werden soll", erklärte Peter Unsinn, Marktmanager für International Marketing & PR bei Innsbruck Tourismus. Zudem sei auch nicht bekannt, ob nur das Goldene Dachl und die Festung Hohensalzburg "kopiert" werden sollen oder darüber hinaus auch andere Bauten. Man habe seit dem Treffen im Herbst nichts mehr von den Konzern-Verantwortlichen gehört, so Unsinn.

Ein vereinbartes Treffen mit den Vertretern von Minmetals im Jänner in Innsbruck hätten die Chinesen kurzerhand abgesagt, hieß es in der "Tiroler Tageszeitung", die als erstes Medium darüber berichtet hatte. Man sei natürlich bestrebt, zu kooperieren, bekräftige Unsinn, denn dann könne man eventuell auch darauf Einfluss nehmen "wie wir uns sehen wollen". So seien die Innsbrucker Tourismusverantwortlichen etwa bereits dafür eingetreten, dass auch ein Berg dazugebaut werde. Aber die Chinesen würden natürlich auch ohne Zustimmung Innsbrucks oder Salzburgs ihren Plan umsetzen.

Dass wohl eine "Mischung aus Salzburg und Innsbruck" geplant ist, stört die Tiroler nicht. Schließlich habe man etwa in China auch einen gemeinsamem Marketingauftritt mit dem Bundesland-Nachbarn.

Der Salzburger Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) sagte am Freitag zur APA, die Vermischung mit Innsbruck sei zwar ein wenig kurios, außerdem möge ein Festungsnachbau in europäischen Augen etwas eigenartig anmuten. "Ich weiß aber von der Hallstatt-Kopie, die übrigens seitenverkehrt nachgebildet wurde, dass die in China sehr gut angekommen ist." Er könne einem Nachbau auch wegen des Werbewerts durchaus etwas abgewinnen. "Ich freue mich, wenn der an sich schon gute Name Salzburgs in China weiter aufgewertet wird." Dafür sei vor allem der Film "The Sound of Music" verantwortlich, der zu Zeiten des Kommunismus als eine der wenigen westlichen Produktionen in China gezeigt wurde.

Schadens Ehefrau, die gebürtige Chinesin Jianzhen Schaden - sie ist Leiterin des China-Büros des Landes Salzburg - meinte zur APA, dass sich die Festung gut für einen Nachbau eigne. "Viele Chinesen haben keine Gelegenheit, ins Ausland zu reisen und nützen die Möglichkeit, Wahrzeichen im Inland zu sehen." Es sei in China keinesfalls unüblich, europäische Städte und Orte nachzubauen.

Auch Touristiker sehen in dem Bau durchaus Potenzial, Gäste aus China zum Besuch der Originale zu bewegen. Mit dem Mix aus Innsbruck und Salzburg hatte Bert Brugger, Chef der Tourismus Salzburg GmbH, wenig Freude. "Wir wollen wissen, wie das Ganze ausschauen soll, bevor es fertig ist", sagte er im Gespräch mit den "Salzburger Nachrichten." Laut Österreich Werbung nächtigten im Jahr 2015 übrigens 0,96 Millionen Gäste aus China in Österreich - ein kräftiges Plus gegenüber dem Jahr zuvor.
 

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