12. März 2008 14:50
16. November 2006 - Gemeinsam mit seinen vier US-amerikanischen
Arbeitskollegen Jonathan Cote, Josh Munns, Paul Reuben und John Young wird
der Oberösterreicher Bert Nussbaumer im Südirak nahe der Grenze zu Kuwait
entführt. Er war mit einem Konvoi unterwegs den er im Auftrag der
US-Sicherheitsfirma Crescent Security Group bewachen sollte. Auch neun
weitere Einheimische werden gekidnappt.
17. November 2006 - Inmitten größter Konfusion bezüglich der
Nachrichtenlage im Irak erklärt ein hoher Polizeioffizier die zuvor
getätigten Aussagen des Gouverneurs von Basra - wonach zwei der entführten
Geiseln wieder befreit worden seien - für unrichtig: Der Gouverneur habe
verschiedene ähnliche Fälle in der Region verwechselt.
19. November 2006 - Der vom Iran betriebene arabische
Satellitensender "Al-Alam" ("Die Welt") strahlt ein
Video einer Gruppe aus, die behauptet, den Nussbaumer und vier Amerikaner in
ihrer Gewalt zu haben. In dem Video ist ein Mann zu sehen, der sein Gesicht
mit einem Kopftuch verhüllt.
6. Dezember 2006 - Die Polizei in Basra nimmt einen Verdächtigen
fest. Der Chef der Geheimpolizei in Basra, Ali Hammadi Moussawi, berichtet,
der Sohn des Verhafteten habe Autos an die Kidnapper verkauft.
29. Dezember 2006 - Die kalifornische Zeitung "The Tribune"
stellt Audio-Botschaften der fünf Geiseln im Internet online. Wie die
Zeitung berichtet, habe man Reportern des Verlagshauses McClatchy Company
ein Video gezeigt, das die vier Amerikaner und den Österreicher zeige. Die
Reporter hätten das Video zwar sehen, aber davon nur eine Tonaufnahme
anfertigen dürfen. Es sind zunächst zwei der vier amerikanischen Geiseln zu
hören, bevor Nussbaumer zu Wort kommt. Er spricht in englischer Sprache,
erkennbar mit österreichischem Akzent, folgende Worte: "Mein Name
ist Bert Nussbaumer. Ich bin 25 Jahre alt, Wien, österreichischer
Staatsbürger und ich will (... unverständliche Passage ...) mit meinen
Freunden aus dem Irak."
3. Jänner 2007 - Im Internet taucht ein Video von Nussbaumer
und seinen vier amerikanischen Kollegen auf. Die Aufnahme, die der
eingeblendeten Datumsanzeige nach am 21. und 22. Dezember 2006 angefertigt
wurde, zeigt die fünf Entführten, die getrennt voneinander auftreten und
unverletzt zu sein scheinen. Einer von ihnen gibt sich als Nussbaumer zu
erkennen. Auf dem eine Minute und 40 Sekunden langen Video sitzen
nacheinander vier der fünf Männer einzeln und mit überkreuzten Beinen auf
einem Teppich, ein schwarzes Tuch hängt hinter ihnen. Ein mit Handschellen
gefesselter Mann mit dunklem Bart sagt auf Englisch mit deutlichem
österreichischen Akzent: "Mein Name ist Bert Nussbaumer. Ich bin
österreichischer Staatsbürger. Ich arbeite im privaten Sicherheitsgeschäft
für Crescent Security im Irak."
21. März 2007 - Im Irak taucht eine Liste mit Namen von
ausländischen Geiseln auf, auch Nussbaumer wird genannt. Da sich auf der nun
gefundenen Liste auch der Name einer erst Anfang Jänner entführten Person
wiederfindet, wird dies als eventuelles neues Lebenszeichen gedeutet.
15. Juli 2007 - Die Tageszeitung "Österreich"
berichtet, dass Nussbaumer und die vier mit ihm gekidnappten US-Amerikaner
am 18. Juni in der Nähe der südirakischen Stadt Basra gesehen worden seien.
Der Bericht kann allerdings nicht verifiziert werden.
21. November 2007 - Ein Jahr nach der Entführung zeigt die Crescent
Security Group überzeugt davon, dass die Geiseln noch am Leben sind. Franco
Picco erklärt, seine Sicherheitsfirma arbeite mit der US-Bundespolizei FBI
zusammen. "Wir haben eine Ahnung, wo sie sind. Wir werden die Burschen
zurückbringen." Die Suche gestalte sich jedoch schwierig.
18. Dezember 2007 - Von einem gescheiterten Befreiungsversuch
berichtet die Zeitung "Österreich". Bei der Aktion im
Südirak, die bereits vor dem April 2007 durchgeführt worden sei, soll ein
Soldat getötet worden sein.
12. März 2008 - Fast eineinhalb Jahre nach seiner Entführung
gibt es erstmals wieder neue Informationen über Nussbaumer. Wie der
Generalsekretär des Außenministeriums, Johannes Kyrle, und der
Generaldirektor für öffentliche Sicherheit, Erik Buxbaum, berichten, habe
man über die US-Behörden im Irak Informationen über "Fingerabdrücke
beziehungsweise DNA-Spuren" erhalten, die Nussbaumer "positiv
zugeordnet" werden konnten. Einen Bericht der Info-Illustrierten "News",
demzufolge es sich dabei gar um einen abgetrennten Finger des Entführten
handeln soll, wollte man weder dementieren noch bestätigen.
24. März 2008 - Die US-Bundespolizei FBI gibt bekannt, dass die
Leichen von zwei im Irak verschleppten Amerikanern identifiziert wurden.
Einer von ihnen, John Ray Young, wurde gemeinsam mit Nussbaumer entführt,
beim zweiten handelt es sich um den im Jänner 2007 entführten Ronald
Withrow, der für das Logistikunternehmen JPI Worldwide tätig war.
27. März 2008 - Drei weitere Leichen aus Nussbaumers
Geiselgruppe werden gefunden, zwei von ihnen können umgehend als Joshua
Munns und Paul Reuben identifiziert werden. Beim insgesamt fünften Toten ist
die Identität vorerst noch ungeklärt. Die Familie des Entführten Jonathon
Cote erhält Medienberichten zufolge von US-Behörden die Versicherung, dass
es sich bei der Leiche nicht um Cote handle; damit erhöht sich die
Wahrscheinlichkeit, dass es sich um Nussbaumer handeln könnte.