27. Mai 2010 19:31
Vor zwölf Jahren wurde Natascha Kampusch auf ihrem Schulweg in Wien von
Wolfgang Priklopil entführt. Rund achteinhalb Jahre wurde sie im Keller
ihres Peinigers in einem Haus im niederösterreichischen Strasshof gefangen
gehalten, bevor sie als junge Frau in einem unbeobachteten Moment flüchten
konnte. Ihr Verschwinden zählt zu den spektakulärsten Fällen der
Kriminalgeschichte in Europas. Im Folgenden eine Chronologie des Falls:
- 2. März 1998: Natascha Kampusch verschwindet in ihrem
Heimatbezirk Donaustadt auf dem Weg zur Schule. Gegen 7.45 Uhr verlässt sie
die elterliche Wohnung am Rennbahnweg Richtung Volksschule Brioschiweg. Dort
kommt sie jedoch nie an. Ihre Eltern alarmieren die Polizei, als das Mädchen
am Abend nicht nach Hause kommt. Groß angelegte Suchaktionen bleiben
ohne Erfolg.
- 3. März 1998: Eine Schülerin erzählt der Polizei, dass sie beobachtet
hat, dass Kampusch in einen weißen Bus mit Gänserndorfer Kennzeichen
gezerrt worden ist. Später stellt sich heraus, dass Priklopil so ein
Fahrzeug besaß.
- Juli 2002 - Der Fall wird einer neuen "SOKO Kampusch", geleitet von der
burgenländischen Kriminalabteilung, übergeben.
- Juli 2004: Das Bundeskriminalamt lässt auf dem Amtshilfeweg überprüfen,
ob es beim Verschwinden Nataschas einen Zusammenhang mit den Taten des
französischen Serienmörders Michel Fourniret gibt.
- 23. August 2006: In Strasshof taucht eine Frau auf, die behauptet, Natascha
Kampusch zu sein. Die Eltern der Verschwundenen identifizieren die junge
Frau eindeutig als ihr Kind. Der 44-jährige Priklopil wirft sich in
Wien vor einen Zug und stirbt.
- 24. August 2006: Die Ermittler geben bekannt, dass es sich bei der jungen
Frau tatsächlich um Natascha Kampusch handelt. Dafür sprechen eine
Narbe sowie der Fund ihres Reisepasses im Verlies in Straßhof. Am Tag
der Flucht sollte Kampusch das Auto Priklopils reinigen. Wegen des Lärms
entfernte er sich einige Meter, um zu telefonieren. Diesen Moment nützte die
junge Frau für ihre Flucht.
- 25. August 2006: Ein DNA-Gutachten bestätigt endgültig, dass es sich
bei der Frau um Natascha Kampusch handelt.
- 6. September 2006: Natascha Kampusch stellt sich erstmals seit ihrem
Entkommen den Medien. In Interviews mit "News", "Kronen Zeitung"
und dem ORF sagt sie unter anderem: "Ich dachte nur an Flucht."
- 7. August 2007: Natascha Kampuschs Mutter Brigitta Sirny präsentiert
ihr Buch "Verzweifelte Jahre", indem sie die Jahre ohne ihre
Tochter schildert.
- 23. Oktober 2008: Der Fall Kampusch wird neu aufgerollt. Ermittler sollen
sich noch einmal mit dem Fall auseinandersetzten.
- 8. Jänner 2010: Der Akt wird wieder geschlossen: Polizei und Staatsanwaltschaft
sind überzeugt, dass Priklopil keine Komplizen bzw. Mitwisser hatte.
Der Freund des Entführers Ernst H. wird allerdings wegen Begünstigung
angeklagt. Er soll unmittelbar nach Natascha Kampuschs Flucht von der
Entführung erfahren haben und Priklopil bei der Flucht geholfen haben.