Drogenring gesprengt: Dealerin (16)

Leibnitz

© Ullrich

Drogenring gesprengt: Dealerin (16)

Die monatelange, mühsame Ermittlungsarbeit für die Polizisten in Leibnitz hat sich gelohnt: Wie gestern in einer Pressekonferenz bekannt gegeben wurde, ist es bereits Mitte September gelungen, einen Drogenring zu sprengen, der von Leibnitz aus ganz Österreich beliefert hatte.

Im Mittelpunkt standen dabei große Mengen von Drogenersatzstoffen. Auf die Schliche kamen die Beamten der siebenköpfigen Tätergruppe durch Konsumenten.

Tragisches Detail: Die jüngste Drogenhändlerin ist erst 16 Jahre alt. Sieben Verdächtige sind in Haft.

Perfekte Fälschung
Um an die großen Mengen Drogenersatzstoffe zu kommen, fälschte der 58-jährige Haupttäter Arztbriefe und Rezepte – täuschend echt mit originalen Briefköpfen am Computer. Insgesamt dürfte er 1.300 Rezepte und medizinische Dokumente gefälscht und vorgelegt haben.

Zudem bastelte sich der Verdächtige detailgenaue Ausweise von verschiedenen Pflegeeinrichtungen. Anschließend tauchte er in selbst kreierter Unternehmenskleidung bei Ärzten auf und gab sich als Pfleger krebskranker Patienten aus, die die zum Teil morphinhaltige Medikamente benötigten.

Mit den Rezepten ging er dann als Privatperson zu Apotheken und kaufte die Stoffe. Der Verdächtige führte Arztlisten, wo er verzeichnete, wie oft er bei welchen Medizinern war und bei welchen es keine Probleme mit den vorgelegten Fälschungen gab.

Verteilung
Für den Transport und Vertrieb der Ware war der 59-jährige Komplize zuständig. Er fuhr teilweise mehrmals pro Woche mit dem Auto von Wien nach Graz und nach Oberösterreich zu den Subdealern. In weniger als einem Jahr legte der 59-Jährige rund 50.000 Kilometer für Kurierfahrten zurück. „In dringenden Fällen wurden sogar per UPS Pakete verschickt“, erklärt der Leiter der Leibnitzer Suchtmittelgruppe, Anton Paierl.

Die Beamten konnten den Handel seit Anfang 2009 mit 20.400 Stück Mundidol oder Substitol, 31.800 Stück Somnubene, 200 Stück Praxiten sowie 4,02 Kilogramm Marihuana und 170 Gramm Haschisch nachweisen.

Abnehmer fanden die Täter sogar in der Justizanstalt Karlau, die über Freigänger versorgt wurden. Die Täter konnten einen Reingewinn von etwa 211.000 Euro erwirtschaften. Damit bestritten sie ihren Lebensunterhalt und finanzierten ihre eigene Drogen- bzw. Spielsucht.

Verteilung
Nach Berechnungen der Polizei hatten die Drogen einen Schwarzmarktwerk von 600.000 Euro, die Gruppe dürfte mit den Drogen nachweislich mehr als 100 Konsumenten versorgt haben, die mittlerweile auch angezeigt worden sind.
Allerdings geht die Polizei davon aus, dass es Hunderte weitere Endverbraucher gegeben haben dürfte, die von dem Drogenring beliefert worden sind.

Autor: (uls, lim, APA)
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