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Dubai-Arzt: »Ich bin richtig optimistisch«

Gerichts-Protokoll

Dubai-Arzt: »Ich bin richtig optimistisch«

Ganz Österreich blickte geschockt nach Dubai, als dort ein österreichischer Arzt wegen „Mordes“ an einem Patienten vor Gericht stand – mit Aussicht auf die Todesstrafe. Und ebenso geschockt war das Land, als Eugen Adelsmayr (52) nach aufwendigsten diplomatischen Verhandlungen zwar zu seiner krebskranken Frau nach Österreich ausreisen durfte – aber unbedingt wieder in Dubai vor den Richter treten wollte. Diese Verhandlung war gestern und Adelsmayr kann erstmals Hoffnung schöpfen – Das ÖSTERREICH-Protokoll des Tages:

  • Sonntag, 9.45 Uhr. Gerichtsgebäude Dubai, draußen hat es 33 Grad, drinnen kühlt die Klimaanlage den großen Saal auf unter 15 Grad. Eugen Adelsmayr wartet mit seiner Anwältin, einer Dolmetscherin (der Prozess ist auf Arabisch) und Elisabeth Ellison-Kramer von der österreichischen Botschaft.
  • 10.37 Uhr. Die Befragung des ersten Zeugen beginnt. Es ist jener syrische Arzt, der Adelsmayr anklagt. „Welche Punkte führten zum Tod des Patienten?“, fragt der Richter. Der Mediziner antwortet, wird aber immer wieder vom Richter unterbrochen. Vier Punkte führt der Arzt an, darunter die Erhöhung der Morphium-Dosis. „Das ist in Europa eine Droge zur Sterbehilfe“, so der Arzt. „Aber“, fragt der Richter, „haben nicht Sie selbst bei demselben Patienten einige Tage vorher die Morphium-Dosis erhöht?“ Stille, die Vernehmung ist beendet.
  • 11.44 Uhr. Die zweite Zeugin wird aufgerufen. Sie soll bestätigen, dass Adelsmayr den „Befehl“ gegeben hat, bei dem Patienten keine Wiederbelebungsmaßnahmen zu machen. Doch die Schwester, eine schüchterne Frau, stottert leise: „Ich hab nichts gehört, ich habe keinen Befehl erhalten.“ Der Richter ist genervt: „Warum sind Sie dann eine Zeugin der Anklage?“ „Ich wurde dazu bestimmt, Sir“, sagt sie scheu. Die Anklage ist damit abgeschlossen.
  • 12.11 Uhr. die Verhandlung ist beendet, nächster Termin: 30. Oktober. Dann werden die Zeugen von Adelsmayr einvernommen. Aber der oberösterreichische Arzt hat ein gutes Gefühl. Denn erstmals nach dem Todesfall des Patienten im Februar 2009 hat er die Hoffnung, doch noch fair behandelt zu werden.
     

 

ÖSTERREICH: Herr Adelsmayr, die Gerichtsverhandlung ist vorbei, die Zeugin der Anklage hat Sie eigentlich sogar entlastet. Wie geht es Ihnen nun?
Eugen Adelsmayr: Tatsächlich muss ich sagen: Es geht mir gut, ich bin wirklich optimistisch. Die Zeugin, eine junge indische Krankenschwester, konnte ja nichts sagen, weil sie nie wo dabei war. Der Richter befragte sie und die Frau konnte immer nur mit „das weiß ich nicht“, „ich war nicht dabei“ oder „das war nicht in meiner Schicht“ antworten. Das war eigentlich peinlich für die ganze Anklage.

ÖSTERREICH: Sie sind am Sonntag auch nach Langem wieder jenem Arzt gegenübergestanden, der Ihnen den ganzen Prozess eingebrockt hat. Was haben Sie empfunden?
Adelsmayr: Ich war völlig emotionslos, das hat mich selbst überrascht. Denn am Anfang hatte ich schon Rachegedanken, hab mir ausgemalt, was ich alles sage, wenn ich ihn wieder sehe. Aber jetzt war es soweit und – nichts. Ich dachte nur: Armer Wurm.

ÖSTERREICH: Der Arzt hat seine Anklagepunkt untermauert. Wie lief die Vernehmung durch den Richter?
Adelsmayr: Der Richter hat sich offenbar gut vorbereitet, er hat bei jedem Punkt gefragt, warum er findet, dass diese Maßnahme zum Tod führen könnte – er hat sich neutral verhalten. Wenn er weiter so bleibt, ist das optimal.

ÖSTERREICH: Jetzt sind Sie an der Reihe, am 30. Oktober dürfen die ersten Zeugen der Verteidigung vor den Richter. Wer wird das sein?
Adelsmayr: Das darf ich nicht sagen, es ist geheim, aber es werden Ärzte sein und Experten, die medizinisch bewerten, was vorgefallen ist.

ÖSTERREICH: Nur Ärzte aus Dubai oder auch Kollegen aus Ihrem früheren medizinischen Leben?
Adelsmayr: Alle sind aus Dubai. Es ist besser, wenn wir Mediziner haben, die von dort sind und vielleicht sogar Arabisch sprechen. Einem Europäer traut man ohnehin keine Objektivität zu, weil ich auch ein Europäer bin.

ÖSTERREICH: Heute fliegen Sie wieder nach Österreich. Wie hat Ihre Frau auf die frohe Botschaft reagiert?
Adelsmayr: Ich hab ihr nur ganz kurz am Telefon gesagt, dass es gut gelaufen ist und sie hat sich gefreut. Genaueres gibt es dann „live“.

ÖSTERREICH: Jetzt müssen Sie sich mit Ihren Zeugen vorbereiten, wer kümmert sich dann um Ihre Frau?
Adelsmayr: Wir haben das organisiert, meine Söhne, eine Freundin und ich werden das gemeinsam machen. Wir schaffen das, da bin ich sicher. 


Autor: B. Haas, Ch. Bruna
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