EU-Atomtest wird zur Frotzelei

Stresstest

EU-Atomtest wird zur Frotzelei

Die EU knickt ein, will jetzt der Atomlobby nachgegeben. Gleich nach der Katastrophe von Fukushima hat die EU strenge Stresstests für die 146 Atomkraftwerke (in 27 Ländern) angekündigt. Der erste Entwurf dazu sieht aber ganz anders aus.

Menschliches Versagen soll nicht geprüft werden
Der "Faserschmeichler-Vorschlag", der am Dienstag von den EU-Energieministern im ungarischen Gödöllö diskutiert wurde, ist ein Schlag ins Gesicht der Atomgegner:

  • Atommeiler werden nur auf Naturkatastrophen wie Erdbeben, Flutwellen oder hohe Temperaturschwankungen geprüft.
     
  • Ob Stromversorgung, Kühlung und Aggregate pannenanfällig sind, wird nicht gecheckt.
     
  • Ob die AKWs Terrorangriffen, menschlichem Versagen oder Notsituationen wie Flugzeugabstürzen standhalten, wird ebenfalls nicht überprüft.
     
  • Der Witz: Die Betreiber der AKWs sollen ihre Kraftwerke selbst überprüfen. Unabhängige EU-Fachleute hätten demnach keinen Zutritt zu den Meilern.

Laut Infos aus der EU-Kommission pochten beim Energieministertreffen vor allem Frankreich (58 AKWs) und Großbritannien (19 AKWs) auf abgeschwächte Tests.

Beide Staaten betreiben die meisten AKWs in der EU. "Länder, die strengere Tests wollen, können diese freiwillig durchführen", beschwichtigte Energiekommissar Günther Öttinger zunächst. Am Tag danach ruderte er zurück und gab sich wieder hart: "Ich halte daran fest, dass die AKWs auch auf menschliches Versagen getestet werden."

Die Botschaft von den schwachen Stresstests löste Kopfschütteln in ganz Europa aus. Allen voran kämpft Österreichs Umweltminister Niki Berlakovich (ÖVP) gegen die EU-Lachnummer. Im Interview mit ÖSTERREICH sagt er: "Das dürfen keine Schmähtests werden." Berlakovich sucht jetzt die Anti-Atom-Allianz mit anderen Ländern.

Alle Parteien: Scharfe Kritik an Stresstests
Kritik kommt von allen Parteien: SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas spricht von einer "Verhöhnung der europäischen Bevölkerung". Grüne: "Solche Tests richten mehr Schaden an, als sie nützen." Die FPÖ spricht von einer Farce.

Die EU will bis nächste Woche entscheiden.
 

Umweltminister: "Bitte keine Schmähtests"

ÖSTERREICH: Wie beurteilen Sie den ersten Entwurf für die Stresstests?
Niki Berlakovich: Die Stresstests dürfen keine Schmähtests werden. Ich kritisiere am ersten Entwurf, dass die menschlichen Einflüsse nicht berücksichtigt werden. Das ist ein großer Mangel.

ÖSTERREICH: Was müssen die Tests beinhalten?
Berlakovich: Die Stresstests haben nur Sinn, wenn sie streng und tabulos sind. Sie dürfen kein Persilschein für die Atomlobby sein. Alle AKWs müssen sich einem einheitlichen Stresstests unterziehen. Als Lehre aus Japan muss geprüft werden, wie Kühlsysteme und Notstromaggregate funktionieren und wie der Restmüll gelagert wird. Die Tests müssen in Zukunft auch regelmäßig stattfinden. Auch unabhängige Experten müssen dabei sein, damit die Tests streng sind.

ÖSTERREICH: Was machen Sie, wenn der Entwurf nicht geändert wird?
Berlakovich: Ich setze auf Kommissar Öttinger und kämpfe weiter für strenge Stresstests. Ich gründe eine Anti-Atom-Allianz jener Staaten, die in Europa nicht auf Atomkraft setzen, damit wir gemeinsam auftreten.

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