26. Juli 2010 18:35
Großfahndung nach einer gefährlichen Schlange. In Graz suchen ein ganzer
Bezirk und 50 Polizisten nach einer meterlangen Boa constrictor.
Angst ist derzeit das vorherrschende Gefühl in Graz-Liebenau. Seit Sonntag
ist eine Boa constrictor (drei Meter, 20 Kilo) abgängig. „Die ist
lebensgefährlich“, meint Robert Riener, Reptilien-Experte im Haus des
Meeres. Eine Boa beißt ihre Beute zuerst und würgt sie anschließend mit
ihren starken Muskeln: „Einen kleinen Hund frisst sie sicher“, so Riener.
Lebende Hasen als Futter
Klaus Löschnig (52) ist Besitzer von
Amanda, der Riesen-Schlange. Der Zahnlaborant kam vor 10 Jahren eher
zufällig zur Boa: „Ich wollte mir ein Salzwasser-Aquarium zulegen, doch
meine Ex-Frau hatte Bedenken. Mit einer Boa war sie einverstanden“.
Amanda – den Namen gab Löschnigs Tochter dem Vieh – war beim Kauf 40 cm
lang, bekam lebendes Futter. Anfangs Mäuse und Meerschweinchen. Als
ausgewachsene Würge-Schlange gab es nur mehr Hasen: „Einen alle vier bis
fünf Wochen.“ Sonntag, 14.00 Uhr, wollte Löschnig seine Amanda füttern. Er
packte den zappelnden Hasen am Nacken und senkte ihn in das Terrarium.
Dann begann das Drama:
„Die Schlange hat meine Hand mit dem
Hasen verwechselt und mit voller Kraft gegen mich zugestoßen“, erzählt der
Boa-Vater. Es wurde gefährlich: Plötzlich merkte Löschnig, dass die starken
Kopfstöße das Glas der Tier-Behausung zum Splittern brachten. Vorsichtig
verließ Löschnig den Raum.
Was er dann tat, ist zumindest seltsam: Er ging auf ein Fest! „Ich dachte,
die Schlange wird den Hasen fressen und sich beruhigen. Doch als ich
wiederkam, fand ich Amanda nirgends“, schildert Löschnig, als er ÖSTERREICH
das leere Terrarium zeigt. Die Schlange entwischte durch einen Spalt im
gekippten Fenster.
Die Polizei rückte in voller Stärke aus: 50 Uniformierte durchkämmen die
Umgebung. Wärmebild-Kameras kommen zum Einsatz. Als Verstärkung müssen
Polizei-Schüler mitmachen, die meisten davon weiblich. Mülltonnen,
Regenrinnen und Gebüsche werden durchsucht.
Angst im Kindergarten
Im benachbarten Kindergarten wurde
Ausgeh-Verbot ausgerufen. Viele Eltern nahmen aus Angst ihren Nachwuchs
gleich wieder heim. Die Hundebesitzer im Park halten beim Gassi-Gehen ihre
Lieblinge nervös an der Leine.
Die Suchmannschaft hat übrigens keine Chance, das gefährliche Reptil
anzulocken. Es versteckt sich einfach in Bodennähe, bis es wieder die Chance
auf Beute wittert.