Entführter Nora geht es gut Entführter Nora geht es gut

Familie glücklich

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Entführter Nora geht es gut

Einen Tag nach der Entführung der drei Monate alten Nora aus einem Salzburger Einkaufszentrum gab es am Donnerstag erste Hinweise auf ein Motiv, das die in Bayern festgenommene 32-jährige Frau aus dem Bezirk Kitzbühel zu dieser Tat bewogen haben könnte. Zeugen haben der Polizei berichtet, dass die mutmaßliche Täterin in den vergangenen Wochen schon mehrmals in ihrer Umgebung mit einem leeren Kinderwagen spazieren gegangen sei, sagte Josef Holzberger vom Landeskriminalamt Salzburg.

Entführerin stellte Freundin Baby vor
Die Tirolerin war am Mittwoch nach der Entführung mit dem Baby zunächst in ihre Heimat gefahren. Sie besuchte dort eine Freundin und stellte ihr das Baby als eigenes Kind vor, so der Kriminalist. Danach dürfte sie von Bekannten erfahren haben, dass mit Fotos aus der Überwachungskamera nach ihr gefahndet wird, und sie machte sich wieder auf den Weg nach Bayern. Neben dem Parkplatz eines Supermarktes setzte die Frau die kleine Nora in ihrem Maxi Cosi ab, wenige Minuten später wurde sie ganz in der Nähe von der Polizei angehalten.

Verfahren in Bayern oder in Salzburg?
Noch nicht geklärt ist, ob das weitere Verfahren in Bayern oder Salzburg durchgeführt wird. "Die Zuständigkeit wird noch geprüft", so Marcus Neher, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Salzburg. "Meiner Einschätzung nach ist eine deutsche Gerichtsbarkeit gegeben, weil es sich um ein Dauerdelikt handelt, und die Entziehung auch in Bayern erfolgt ist." Sollten sich die deutschen Behörden allerdings nicht zuständig fühlen, werde man die Auslieferung der mutmaßlichen Täterin beantragen.

Die Staatsanwaltschaft Salzburg ermittelt jedenfalls in Richtung Kindesentziehung und nicht Entführung. "Dem Tatbild entspricht eine Entziehung. Es gibt keinerlei Anhaltspunkte, dass die Tatverdächtige Lösegeld fordern oder das Kind etwa missbrauchen wollte. Das Kind wurde der Obhut der Eltern entzogen", so Neher.

Die kleine Nora war am Mittwochvormittag aus einem Salzburger Einkaufszentrum entführt worden, während die Mutter gerade Kleidung in einer Umkleidekabine anprobierte. Das Gebäude wurde zwar nach dem Alarm abgeriegelt, die Täterin war aber mit dem Baby bereits entkommen. Dank der veröffentlichten Bilder aus der Überwachungskamera gingen bald Hinweise ein, so dass die Polizei ganz gezielt nach der Tirolerin fahnden und sie fünf Stunden nach der Entführung auch festnehmen konnte. Das Baby wurde noch am Nachmittag den überglücklichen Eltern übergeben und ist wohlauf.

Nora und der Familie geht es gut
"Es geht uns sehr gut. Wir wollen diesen Tag in Ruhe mit den Kindern genießen." Mike Zwilling, dem Vater der kleinen Nora, war am Donnerstag schon an der Stimme anzuhören, wie froh er und seine Frau Nina über den glücklichen Ausgang der gestrigen Entführung sind.

"Alles in Ordnung"
Eigentlich wollte die Familie Zwilling - Noras Vater Mike ist der Sohn des Salzburger Skiweltmeisters David Zwilling - den heutigen Tag abseits des Medienrummels verbringen. Doch bis zum späten Vormittag seien bereits 60 bis 70 Anfragen eingelangt, erzählte der Salzburger. "Gestern haben wir uns entschieden, dass wir keine Interviews geben wollen." Aber für ein paar Worte blieb doch noch Zeit. Nora ist wie die ganze Familie "gesund und munter, alles ist in Ordnung".

Dank an die Polizei
Der Donnrstag sollte für die Eltern des drei Monate alten Babys und dessen zwei Geschwister ganz normal ablaufen, was nach der gestrigen Aufregung und des Medienansturms wohl doch kaum möglich ist. Die Familie bedankte sich bei den Polizisten für ihren großartigen Einsatz.

Experten-Gespräch:
"Natürlich haben Baby-Entführungen sehr häufig etwas mit eigenem unerfülltem Kinderwunsch zu tun. Es kann sich aber auch eine psychische Erkrankung handeln", erklärte Anita Holzinger von der Universitätsklinik für Psychiatrie am Wiener AKH im Gespräch.

Außergewöhnliche Situation
Doch es müsse sich schon um eine außergewöhnliche Situation handeln, in die eine Person als Täter gerate, um daraus auch Entführung zu machen. Die Expertin: "Oft kommt da noch ein traumatisierendes Ereignis in der Vergangenheit hinzu: Ein Kinderwunsch, den der Partner ablehnt oder nicht erfüllen kann. Manchmal ist es ein Schwangerschaftsabbruch."

Die Hemmschwellen lägen hoch: "Grundsätzlich ist es so, dass die handelnde Person selbst ein einer Form sehr 'angegriffen' sein muss, damit so etwas in die Tat umgesetzt wird. Der Kinderwunsch steht im Vordergrund. Das kann auch Krankheitscharakter bekommen."

Solche Affären würden zumeist gut ausgehen. Anita Holzinger: "Eigentlich werden die Frauen (mit den entführten Kindern, Anm.) immer gefunden. Sie sind eher sehr kooperativ, wenn nicht eine psychische Erkrankung im Vordergrund steht. Aber grundsätzlich halten sie das eh nicht durch."

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