Fall Kampusch: ''Es gab Mitwisser''

Neuer Bericht

Fall Kampusch: ''Es gab Mitwisser''

Im Dezember 2008 hatte das Innenministerium eine „Evaluierungs-Kommission“ einberufen. Die Leitung übernahm der renommierte Verfassungsjurist Ludwig Adamovich. Dienstag legte die Kommission ihren ersten, 10 Seiten langen Zwischenbericht vor – und der hat es in sich, wie ÖSTERREICH in Erfahrung bringen konnte.

Erste Ergebnisse
Denn zwei Jahre nach ihrer erfolgreichen Flucht und dem Selbstmord von Entführer Wolfgang Priklopil kommt die SOKO zum Schluss: Bei der achteinhalb Jahre andauernden Entführung hat es Mitwisser gegeben. Ob Priklopil bei seiner Wahnsinnstat auch noch Mittäter hatte, muss erst nach Abschluss der neuerlichen Polizeiarbeit vom Gericht geklärt werden.

In dem am Dienstag an Innenministerin Maria Fekter übergebenen Bericht drängt die Kommission auch vehement darauf, die Ermittlungen der Sonderkommission der Polizei „mit Nachdruck“ fortzuführen. Begründung: „Dies insbesondere deshalb, weil gerade durch den zweiten Zwischenbericht bei der Kommission der nachhaltige Eindruck entstanden ist, dass einige in der Causa Kampusch mittelbar und unmittelbar involvierte Personen offensichtlich einen stärkeren persönlichen Kontakt pflegen, obwohl nach außen hin ein anderes Bild gezeichnet wird.“ Im Klartext: Es gibt einen Kreis von verdächtigen Personen, die von der Tat gewusst haben müssen.

Das heißt, dass die Ermittlungen, die im Vorjahr aufgenommen worden sind, erste Ergebnisse liefern. Unter anderem wurde der Inhaber einer Lebensmittelfirma, die von Priklopil wiederholt beauftragt worden war, näher unter die Lupe genommen. Er war auch dadurch aufgefallen, weil er Materialien einer Lagerhalle entfernt hatte, zu der Priklopil Zugang hatte. Zudem führten die Recherchen zu einem Club im Rotlichtmilieu, wo die Polizei einen Hinweis auf eine versuchte Entführung bekam.

Keine Auskünfte aus dem Innenministerium
Nährboden für weitere Spekulation bildet jedenfalls die zugeknöpfte Haltung im Ressort von Innenministerin Maria Fekter (V): "Inhaltlich kann ich aufgrund der laufenden Ermittlungen keine Aussage machen", kommentierte Fekter-Sprecher Martin Brandstötter den Zeitungsbericht. Mehr könne er nicht sagen, auch nicht zur Dauer der weiteren Erhebungen. Laut der Tageszeitung "Die Presse" könnte es dabei aber sogar um Komplizen von Kampuschs Peiniger Wolfgang Priklopil gehen: "Ob es sich um Mittäter handle, müsste nach Abschluss der neuerlichen Polizeiarbeit das Gericht klären (...)", heißt es in dem Artikel.

"Die Presse" zitiert aus dem Zwischenbericht einen komplexen Satz, bei dem auf weitere Erhebungen gedrängt werde: " (...) weil gerade durch den zweiten Zwischenbericht bei der Kommission der nachhaltige Eindruck entstanden ist, dass einige in der Causa Kampusch mittelbar und unmittelbar involvierte Personen offensichtlich einen viel stärkeren persönlichen und in der Causa abstimmungsorientierten Kontakt pflegen, obwohl nach außen ein völlig anderes Bild transportiert wird." Adamovich dazu: "Das ist aber nur verständlich im Gesamtzusammenhang. Wenn ein Satz aus dem Zusammenhang gerissen wird, klingt er unter Umständen ganz anders."

1998 entführt
Natascha Kampusch war im Alter von zehn Jahren entführt und mehr als acht Jahre von ihrem Peiniger Priklopil gefangen gehalten worden.

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