Fall Silke:

Genugtuung für Mutter

Fall Silke: "Täter kommt nicht mehr frei"

„Es ist für mich eine Genugtuung, wenn ein Mann, der dringend des Mordes und der Vergewaltigung verdächtigt ist, nicht mehr die Luft der Freiheit genießen kann“, sagt Stefan Rieder.

Der Salzburger Anwalt hat dafür gesorgt, dass der mehrfach vorbestrafte Sex-Täter Anton W. (52) seit Freitag als Mordverdächtiger in Haft sitzt. Er soll laut alter Indizien, neuem Gutachten und neuer Zeugin vor 18 Jahren die damals 17-jährige Salzburgerin Silke Schnabel ermordet haben – ÖSTERREICH hat berichtet. Für W. gilt die Unschuldsvermutung.

Im Auftrag der Opferschutz-Organisation Weißer Ring und im Namen der Mutter der Ermordeten setzte Rieder vor einem Jahr durch, dass der „Cold Case Silke“ nach 17 Jahren wieder geöffnet wurde.

Badegäste fanden die Leiche des Mädchens
Zur Vorgeschichte: Am 17. Juli 1992 wurde die Leiche der 17-jährigen Silke Schnabel im Inn bei Ranshofen (OÖ) angeschwemmt. Das Mädchen war vergewaltigt und erwürgt worden. Silke war am 11. Juli zuletzt gesehen worden, als sie Hand in Hand mit W. das Lokal Max & Moritz verließ – ein Salzburger Szenelokal, in dem auch Huren, Zuhälter und Freier verkehrten.

Am nächsten Morgen wurde der Hilfsarbeiter mit runtergelassener Hose schlafend an der Salzach gefunden. Der Boden rund herum war zertrampelt. In seiner Wohnung fand die Kripo die blutbefleckte Bluse des Mädchens samt Gürtel. W. kam in U-Haft, vier Monate später war er wieder frei.

Der zuständige Staatsanwalt Karl Rene Fürlinger – heute Fachmann für Neonazi-Prozesse – erhob aus Mangel an Beweisen keine Anklage.

Bei Prostituierten wurde schlampiger ermittelt
Dann verschwanden wichtige Indizien. „Bei der ersten Durchsicht der Akten war ich entsetzt, dass das Verfahren eingestellt wurde“, erzählt Rieder. Nun sei die „falsche Entscheidung“ revidiert worden. Mit dieser Ansicht steht der Anwalt nicht alleine da: „Das ist eine Katastrophe, was damals passiert ist“, so ein ranghoher Polizei-Offizier zu ÖSTERREICH.

Eine mögliche Erklärung für den Justizskandal: Schnabel hatte Kontakt zur Rotlichtszene, man glaubte damals irrtümlich, sie sei selbst ein Callgirl. Und bei Prostituierten wurde oft nachlässig ermittelt. Rieder: „Silke war aber keine Prostituierte, sondern wie viele Jugendliche damals vom Max & Moritz fasziniert.“ Der Anwalt wird die Mutter als Privatklägerin im Prozess vertreten – der Termin ist noch nicht fix.

Autor: Wolfgang Fürweger

Diesen Artikel teilen:

Posten Sie Ihre Meinung

Kommentare ausblenden

Anzeigen

Werbung

Jetzt Live
Diese Videos könnten Sie auch interessieren
Wiederholen
Jetzt NEU

oe24.TV im Livestream: 24 Stunden News!

Live auf oe24.TV 1 / 8

Top Gelesen 1 / 5

  Diese Website verwendet Cookies. Durch die Verwendung dieser Website stimmen Sie dem damit verbundenen Einsatz von Cookies zu.

Es gibt neue Nachrichten
auf oe24.at
Jetzt Startseite laden
Abbrechen