23. Oktober 2008 16:32
Knapp zwei Wochen nach Jörg Haiders Unfalltod entwickelt sich Jörg Haiders
Ableben immer mehr zum Krimi: Wie ÖSTERREICH-Recherchen ergaben, ließ die
Familie den Leichnam noch nicht einäschern und bestatten. Hintergrund sind
Zweifel an der bisherigen Version des Unfallhergangs.
Eines steht fest: Der tödliche Mix aus 1,8 Promille Alkohol im Blut und weit
überhöhte Geschwindigkeit kostete Jörg Haider in den frühen Morgenstunden
des 11. Oktober das Leben. Gab es daneben noch weitere Gründe dafür, dass
der VW Phaeton auf der relativ geraden Strecke bei Tempo 170 von der Straße
abkam?
Stimmt Unfall-Theorie doch nicht?
Aus dem Umkreis der Familie
ist zu vernehmen, Claudia Haider misstraue den Angaben, dass ihr Mann in so
kurzer Zeit so viel Alkohol getrunken hätte (bis zu seinem Abgang aus dem
Lokal "Le Cabaret" hat er Zeugenaussagen zufolge nichts
getrunken). Sie hält daran fest, dass ihm das überhaupt nicht ähnlich sehe,
völlig untypisch für sein Verhalten sei. Das bestätigen auch viele
Weggefährten, die Haider gut kannten. Zudem gibt es den Verdacht, Haider
seien vor seinem Unfall K.o.-Tropfen verabreicht worden.
Familie stoppt Einäscherung
Die Familie zweifelt an den
Behörden-Ergebnissen. Sie will endlich Klarheit und stellt jetzt auf eigene
Faust Untersuchungen an. Bei der bisherigen Obduktion seien lediglich Urin-
und Gewebeproben entnommen worden, aber möglicherweise kein Bluttest. Wie
ÖSTERREICH erfuhr, wurde Haiders Leiche nach der Trauerfeier nicht wie
geplant im Krematorium in Villach eingeäschert. „Vorige Woche schon wurde
dieser Vorgang gestoppt. Seitdem haben wir in dieser Sache keinen neuen
Auftrag bekommen“, bestätigt Dietmar Umele vom Krematorium Villach.
Und auch Ex-Justizminister Dieter Böhmdorfer bestätigt gegenüber ÖSTERREICH:
„Die Familie ist jetzt um Aufklärung zur Unfallnacht bemüht“. Er steht mit
der Familie in engem Kontakt, vertritt Claudia Haider als Anwalt in
Rechtsfragen.
Unterdessen trat Claudia Haider Gerüchten entgegen, dass ihr Mann im Ausland
ein zweites Mal obduziert worden sei. "Das ist völliger Unsinn", sagte sie.
Eine zweite Obduktion könne sie zum derzeitigen Zeitpunkt aber nicht völlig
ausschließen, es sei aber äußerst unwahrscheinlich, dass sie sich zu diesem
Schritt entschließe. Darüber hinaus wolle sie zu all den Spekulationen und
Gerüchten, die derzeit kursieren, keinerlei Stellungnahme abgeben.
Keine K.o.-Tropfen im ersten Obduktionsbericht
Wie berichtet,
wurde Haider nach seinem Unfalltod in die Gerichtsmedizin Graz überstellt.
Dort wurde sein Leichnam sowohl auf Alkoholkonsum, als auch auf Drogenkonsum
oder K.o.-Tropfen untersucht. Die Ergebnisse wurden bereits an die
Staatsanwaltschaft Klagenfurt weitergeleitet. Dort trat man am vergangenen
Donnerstag schon Spekulationen entgegen, der verunglückte Kärntner
Landeshauptmann Jörg Haider könnte bei seinem Unfall unter Drogeneinfluss
gestanden sein. "Im Vortestverfahren ist alles negativ, keine Drogen",
sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft Klagenfurt, Gottfried Kranz.
Dort wurden die Ermittlungen auch bereits eingestellt. Angehörige haben
jedoch das Recht, Verstorbene nochmals untersuchen zu lassen - auf eigene
Kosten allerdings, und, nach Absprache mit dem Bestattungsinstitut, auch im
Ausland.