Frankfurt-Messerstecher in Wr. Neustadt verurteilt

Drei Jahre Haft

Frankfurt-Messerstecher in Wr. Neustadt verurteilt

Am Landesgericht Wiener Neustadt ist am Dienstag ein Prozess um eine Messerstecherei in Frankfurt am Main (Deutschland) mit einem Schuldspruch zu Ende gegangen. Ein 70-jähriger gebürtiger Wiener, der vor einem Jahr in einem Lokal im Bahnhofsviertel der hessischen Finanzmetropole einen anderen Gast nach einem Streit niedergestochen hatte, wurde zu 36 Monaten Haft, davon elf unbedingt, verurteilt.

Die Geschworenen entschieden auf absichtlich schwere Körperverletzung. Der Staatsanwalt, der versuchten Mord angeklagt hatte, gab keine Erklärung ab. Damit ist das Urteil nicht rechtskräftig.

Zu Verhandlungsbeginn Ende November 2016 hatte sich der Angeklagte der Körperverletzung schuldig bekannt, bestritt aber bis zuletzt jegliche Tötungsabsicht. Der Beschuldigte, nach eigenen Angaben seit 50 Jahren "im Milieu" unter anderem als Kellner und Security beschäftigt und in der Frankfurter Nachtszene "respektiert", sprach zum Auftakt unter Hinweis auf lediglich "leichte Muskelstiche" von einem "Denkzettel".

Er habe dem ihn anstänkernden Mitglied einer "Albaner-Bande", die einen Teil des Bahnhofsviertels terrorisiere, klar machen wollen, dass er sich nichts gefallen lasse. Der Mann habe ihn und seine Familie "schwerst" - mit dem Umbringen - bedroht, bekräftigte der 70-Jährige heute. Er war zwei Wochen nach der Tat in seinem Elternhaus in Laxenburg festgenommen worden - daher war das Wiener Neustädter Gericht zuständig.

Beim ersten Termin waren Zeugen nicht erschienen bzw. nicht auffindbar. Einige wurden nun am Dienstag via Videokonferenz befragt, was die damalige Situation in dem Bistro zu nächtlicher Stunde allerdings wenig erhellte. Der Türsteher kam seiner Zeugenladung nicht nach. Auch das Opfer selbst, das zwei Tage im Spital verbracht hatte, tauchte bei der Behörde in Frankfurt nicht auf, ein Bekannter und Augenzeuge konnte sich unter Hinweis auf seinen Alkoholkonsum an gar nichts erinnern.

Ein weiterer, unbeteiligter Lokalgast wollte nur eine Streiterei mitbekommen haben, wie sie dort öfter auf der Tagesordnung sei. In seiner ersten Befragung hatte der 49-Jährige erklärt, dass eine Person andere Gäste angepöbelt habe. Die damalige Begleiterin des Österreichers erzählte, dieser sei am Rückweg von der Toilette angestänkert und geschlagen worden. Wann er das Messer zog, wollte die 35-Jährige nicht gesehen haben. Alle seien betrunken gewesen.

Der Staatsanwalt sah die Tötungsabsicht in seinem Schlussvortrag durch ein vorhandenes Video der Szenen dokumentiert: Der Angeklagte sei auf den Mann zugegangen und habe ihm mit voller Wucht in die Brust gestochen. Er habe nur zwei Zentimeter der Klinge benutzt, widersprach der 70-Jährige, sein Verteidiger sah eine Notwehrsituation.

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