Fritzl bekennt sich voll schuldig

Wende im Prozess

 

Fritzl bekennt sich voll schuldig

Josef Fritzl hat sich heute, gleich zu Beginn des dritten Verhandlungstages im Prozess um den Inzest-Fall von Amstetten, völlig überraschend zu sämtlichen Anklagepunkten schuldig bekannt. Das nunmehrige Geständnis umfasst auch den inkriminierten Mord durch Unterlassung und den Sklavenhandel. Nach dem Geständnis wirkte er erleichtert.

Bisher nur Teilgeständnis
Bisher hatte sich der Angeklagte nur teilweise zur vollendeten Vergewaltigung, der schweren Nötigung, der Freiheitsentziehung und der Blutschande schuldig erklärt.

Grund ist das Video
Seinen Sinneswandel begründete der 73-Jährige mit dem Video mit der kontradiktorischen Einvernahme seiner Tochter E., das gestern den Geschworenen zur Gänze gezeigt worden war.

"Hätte etwas tun müssen"
"Ich weiß nicht, warum ich nicht geholfen habe. Ich war der Hoffnung, dass er's durchsteht." So begründete der Beschuldigte, wieso er dem Neugeborenen keine Hilfe angedeihen hatte lassen. Auf Befragen der Richterin räumte er ein, dass er bei der Zwillingsgeburt dabei war und bemerkt hatte, dass der Säugling schwer atmete. "Ich bekenne mich schuldig. Ich hätte erkennen müssen, dass es dem Baby schlecht geht," sagte Fritzl aus.

"Dachte, der Kleine überlebt"
Und auf Vorhalt der Richterin, dass in jenen 66 Stunden, bis der Säugling starb, Zeit gewesen wäre, ihn ins Spital zu bringen, sagte der Angeklagte noch einmal: "Ich hätte etwas tun müssen. Ich hab's einfach übersehen. Ich war der Meinung, der Kleine wird überleben."

Erleichterung?
Unmittelbar nach dem Geständnis hat der ORF den Angeklagten erwischt, wie er von Justizbeamten abgeführt wird. Während er langsam Stufen hinuntersteigt, bemerkt Fritzl, dass er gefilmt wird. Er wirkt, im Gegensatz zu gestern, erleichtert, ja, fast fröhlich. Nur sehr langsam verdeckt er mit seiner linken Hand sein Gesicht. Dann verschwindet er in einem Gang.

Kastner fordert Einweisung
Nun könnte er für lange Zeit verschwinden. Gerichtspsychiaterin Adelheid Kastner hat für seine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher plädiert - und zwar für unbestimmte Zeit. Der Grund: Fritzl sei nach wie vor gefährlich. Sein Drang zur Dominanz sei weiterhin ungebrochen. Erst im Zug einer Therapie und wenn sich erste Erfolge einstellen, könnte eine Freilassung angedacht werden, findet Kastner.

Mit seinem nunmehrigen Geständnis in vollem Umfang der Anklage nimmt Josef Fritzl eine lebenslange Freiheitsstrafe in Kauf. Sein Schuldbekenntnis, am Tod eines im Keller geborenen Säuglings vorsätzlich mitgewirkt zu haben, indem er es unterließ, dem Buben die nötige ärztliche Hilfe zuteilwerden zu lassen, könnte das Gericht zur Verhängung der Höchststrafe über den 73-Jährigen ermächtigen.

Sollten die Richter Josef Fritzl auch des Sklavenhandels schuldig erkennen, wozu er sich nun ebenfalls geständig gezeigt hat, wäre dies die erste Verurteilung nach diesem Paragrafen in Österreich überhaupt. Der seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts im Strafgesetzbuch enthaltene Straftatbestand hatte bis zum Inzest-Fall von Amstetten als "totes Recht" gegolten.

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