Gasexplosion: Lichtermeer für Opfer

Große Anteilnahme

© Reuters

Gasexplosion: Lichtermeer für Opfer

Die Anteilnahme ist gewaltig: Schon am Unglückstag entstand die Idee eines Lichtermeers für die Opfer: Am Sonntag wird am Rathausplatz der Opfer gedacht. Bischof Klaus Küng zelebriert in der Pfarre St. Josef eine Gedenkmesse (9 Uhr). Die Stadt hat für die Opfer ein Spendenkonto eingerichtet: Sparkasse NÖ Mitte-West, BLZ 20256, KtoNr. 918755.

Knapp dem Tod entronnen
Die Nachbarn stehen auch zwei Tage nach der Katastrophe unter Schock. Thomas Kainrath wohnt gegenüber des Unglückshauses. Er, seine Frau und die Söhne Niklas (3) und Paul (5) entgingen knapp dem Tod. Die heftige Druckwelle riss die Fenster aus der Mauer. Sie donnerten wie Geschosse direkt über ihre Köpfe hinweg und schlugen in der Zimmerwand ein. Johanna Kantor ist fast blind, sie erlebte das Unglück als Hörspiel: „Ich erlebe in Gedanken alles immer wieder neu.“

Seit zwei Jahren waren der Müllmann Kelly I. und die Lehrerin Uschi W. ein Paar. Beide starben im Todeshaus. Kellys bester Freund im Interview.

ÖSTERREICH: Sie waren der beste Freund von Kelly, der zu den fünf Todesopfern der Gasexplosion gehört. Er ist nicht im Todeshaus gemeldet. Wieso war er dort?

Charles Bode: Weil er sich mit seinen 53 Jahren noch einmal unsterblich verliebt hat – in diese Lehrerin, die Uschi. Er hat oft bei ihr geschlafen; leider auch in der Nacht auf Donnerstag.

ÖSTERREICH: Die 52-jährige Pädagogin und ihr Freund, der als Straßenkehrer gearbeitet hat, waren ein glückliches Paar?

Bode: Kennen Sie die Liebesformel: 1+1=1? Kelly und Uschi haben sie gelebt.

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Charles Bode im Gespräch mit ÖSTERREICH-Reporter Wolfgang Höllrigl / Foto:Fally

ÖSTERREICH: Wann und wo haben sich die beiden kennengelernt?

Bode: Vor etwa zwei Jahren, im Jugendzentrum von St. Pölten. Da haben Kelly und ich einer Trommelklasse was gezeigt. Wir spielten ja in der Band African Cultural Club, und beim Kurs damals war die Frau Lehrerin dabei. Vom ersten Moment an hatten beide ein Leuchten in den Augen. Die haben sich wortlos verstanden.

ÖSTERREICH: Und vielleicht auch beide aus gescheiterten Beziehungen gelernt?

Bode: So sah es aus. Kelly ist vor 20 Jahren aus Nigeria weggegangen und hat hier eine Österreicherin geheiratet. Mit ihr hat er zwei Kinder, die 17-jährige Melonny und den zehnjährigen Uyi. Aber vor sechs Jahren hat ihn die Frau mit den Kindern verlassen, die leben jetzt in London. Kelly war ein Familienmensch und am Boden zerstört – bis zu dem Tag, als er Uschi traf.

ÖSTERREICH: Wurde er auch von ihren Töchtern akzeptiert?

Bode: Vor einem Monat hatte er Geburtstag. Kurz davor rief mich die 16-jährige Alexandra, die jetzt auch gestorben ist, an und fragte, mit welchem Geschenk sie Papa überraschen könnte. Sie sagte „Papa“. Ist das die Antwort auf Ihre Frage?

ÖSTERREICH: Wie werden Sie Kelly in Erinnerung behalten?

Bode: Unsere Beziehung war besonders, weil wir beide aus Edo State in Nigeria stammen. Aber er hat wie eine Vaterfigur immer allen Nigerianern hier geholfen. Mir riet er zu einer Ausbildung als Krankenpfleger. Das Diplom werde ich seinem Andenken widmen.

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