Hinrichtung auf Party-Meile

Streit um 500 Euro

© APA/Andreas Pessenlehner

Hinrichtung auf Party-Meile

Drei Schüsse in die Brust und einer in den Hals nach einem Streit um 500 Euro. So starb der türkische Aushilfskoch Fuat K. (47) am Donnerstag um 23.28 Uhr in der Fußgängerzone von Wiener Neustadt. Es war eine unfassbar blutige Hinrichtung.

Mutter beleidigt
Fuats Mörder soll Landsmann Ali S. (36) sein, umtriebiger Lokalbesitzer und „Ehrenmann“. Wer ihn beleidigt, muss mit Konsequenzen rechnen.

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Bevor die vier tödlichen Schüsse fielen, war die Stimmung im „Star Kebap Home“ von Ali S. in der Herrengasse über Stunden geladen. Fuat K. arbeitete erst seit der Neueröffnung des Imbiss-Lokals vor wenigen Wochen für den Gastronom. Am Donnerstag beschuldigte Fuat seinen Chef, ihm den Lohn nicht ausbezahlt zu haben. „Du schuldest mir 500 Euro“, brüllte er durchs Lokal. „Und dann kamen viele, sehr schlimme Beleidigungen“, sagt Chefermittler Leopold Etz zu ÖSTERREICH.

Als Fuat auch noch Alis Mutter mit Schimpfworten bedachte, brannten bei dem 36-Jährigen die Sicherungen durch. Und niemand der 15 Gäste im Lokal brachte die Rasenden zur Besinnung.

Im ÖSTERREICH-Gespräch beteuert ein Augenzeuge, dass der mutmaßliche Täter Helfer hatte. Doch die sind verschwunden.
Augenzeuge: „Das war eine echte Hinrichtung. Mitten auf der Straße!“, ist Karl Precker am Tag nach der Wahnsinnstat geschockt. Der Bewohner der Herrengasse verfolgte die Szenen am Donnerstag kurz vor Mitternacht. Precker kennt Ali S. und konnte zuerst nicht glauben, was er da sah. „Zwei Männer haben ihn gehalten. Dann hat der Chef drei Mal auf ihn geschossen. In die Brust. Dann haben sie das Opfer auf den Boden gedrückt und festgehalten. Der Ali hat ihm in den Hals geschossen. Der hat ihn niedergemetzelt“, erinnert sich der Nachbar. Obwohl für das Opfer Fuat K. jede Hilfe zu spät gekommen wäre, kritisiert Precker, dass die Rettung sehr lange gebraucht habe: „Der ist da eine halbe Stunde gelegen. Bis endlich jemand gekommen ist und eine Plane über das Opfer gelegt hat.“

Im Gegenteil: Zwei Bulgaren sollen den Aushilfskoch vor die Tür gezerrt haben, Ali lief mit gezogener Pistole hinterher auf die Straße. Unter wildem Gebrüll, erzählen Augenzeugen, feuerte der „Ehrenmann“ auf seine Küchenhilfe. Die zwei Handlanger standen daneben, hielten das Opfer fest. Fuat geht zu Boden, die beiden halten ihn fest – Ali schießt noch ein letztes Mal in den Hals seines Opfers. Und dann ist überall nur noch Blut. Ali flüchtet.

Geständnis
Augenzeugen aus den angrenzenden Lokalen sehen die schrecklichen Szenen. Ein Security-Mann verständigt die Polizei. Die fasst den mutmaßlichen Täter kurze Zeit später in der City von Wiener Neustadt. Der zuvor noch Fuchsteufelswilde ergibt sich den Beamten ohne Gegenwehr und gesteht den Mord an ­Fuat K. Für Ermittler Etz und sein Team eine klare Sache. Beinahe.

Peinliche Panne
Denn die Rolle der beiden Bulgaren konnte auch nach der Befragung von 15 Zeugen nicht eindeutig geklärt werden. Gefahndet wird jedenfalls nicht nach ihnen. Noch nicht. Denn Nachbarn bezeugen, dass Ali S. Schergen hatte, die das Opfer auf den Boden gedrückt haben sollen.

Die Sache wäre leicht zu klären. Denn die beliebte Lokalmeile Herrengasse in Wiener Neustadt ist kameraüberwacht, weil es immer wieder zu Ausschreitungen kommt. Peinlich: Die Kamera war falsch eingestellt und filmte über die Hinrichtung hinweg. „Ob der Täter Helfer hatte, ist aus dem Filmmaterial nicht deutlich erkennbar“, formuliert Etz den Fauxpas diplomatisch.

Lebenslang
Familienvater Ali S. sitzt in U-Haft. Ihm droht lebenslang. „Und das alles wegen 500 Euro. Dämlich“, sagt der Verkäufer im Kebap-Lokal um die Ecke. Er war einmal Alis Freund.

Bild: (c) APA/Andreas Pessenlehner

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