Einbruch bei Wiener Ehepaar

"Home Invasion": Zwei Männer vor Gericht

Zwei Männer mussten sich am Dienstag wegen des brutalen Überfalls auf einen Arzt und seine Ehefrau vor dem Wiener Straflandesgericht verantworten. Die Beschuldigten drangen im Februar gemeinsam mit zwei Komplizen, ein Dritter stand Schmiere, in die Villa in Döbling ein und attackierten das ältere Ehepaar. Die Opfer erlitten bei der "Home Invasion" Prellungen und Abschürfungen.

Die Bande plante bereits einen Monat vor dem Überfall den Coup. Warum gerade der Mediziner und seine Frau als Opfer ausgesucht wurden, konnte der 27-jährige Hauptangeklagte - ein gebürtiger Serbe, der seit über zehn Jahren in Wien lebt - nicht sagen. Seine Komplizen hätten den Mann "einmal verfolgt, weil er einen Porsche fährt", mutmaßte der Beschuldigte gegenüber der Schöffensenatsvorsitzen Gerda Krausam. Er selbst sei im Jänner von seinem serbischen Cousin über Facebook kontaktiert worden. Bei einem Treffen in einem Wiener Kaffeehaus wurde er in die Pläne eingeweiht.

Dolmetscher bei "Home Invasion"

Da der 27-Jährige zu dieser Zeit keiner Beschäftigung nachging, willigte er ein, als Dolmetscher bei der "Home Invasion" dabei zu sein. Weil er der deutschen Sprachen mächtig ist, sollte er bei dem Überfall mit den Opfern kommunizieren und sie fragen, wo Geld und Schmuck in dem Haus versteckt sei. Die Bande mietete zwei BMW an, am 16. Februar fuhren sie zu der Villa in der Kahlenberger Straße in Döbling. Sie läuteten an, und weil die 70-jährige Frau ihren Mann erwartete, öffnete sie arglos die Wohnungstür.

Der 31-jährige Zweitangeklagte und zwei weitere Komplizen drangen sofort in das Haus und attackierten die Frau mit Schlägen, während der 27-Jährige vor der Tür wartete und ein weiterer in unmittelbarer Nähe Schmiere stand. "Sobald jemand die Tür öffnet, wird Gewalt angewendet", berichtete der Angeklagte über den vorgegebenen Plan. Die Arztgattin wurde mit Klebebändern gefesselt, auch ihre Augen wurden verklebt. Als die Frau bereits hilflos am Boden lag, betrat der 27-Jährige das Haus. "Ich habe gesagt, sie soll still sein, es ist alles in Ordnung", meinte der Beschuldigte. Die Frau berichtete, dass bald ihr Mann nach Hause käme, worauf die Räuber die Frau in die Toilette sperrten und sich auf die Lauer legten.

"Höflich kommuniziert"

Als dann der Ehemann wenige Minuten später zu Hause eintraf, malträtierten sie auch den Mediziner mit Schlägen und würgten den Mann. Auch er wurde mit einer Vorhangkordel gefesselt und die Augen mit Klebebänder verschlossen. "Ich hab gesagt, er soll ruhig bleiben. Und ich hab ihm gesagt, dass es seiner Frau und seinem Hund gut geht", schilderte der 27-Jährige. "Da hat er sich bedankt." Er habe mit dem Opfern "höflich kommuniziert", und gesagt, "das ist das erste Mal, dass ich so etwas mache."

"Können Sie sich vorstellen, wie den Opfern gegangen ist? Sie sagen der Frau, alles ist gut. Sie war gefesselt. Nichts war gut", sagte Richterin Krausam. "Nichts war gut und ich bereue es", meinte der 27-Jährige mit gesenktem Kopf. Tage später habe er Online-Zeitungen durchforstet, um zu sehen, ob es den Opfern gut geht. "Die anderen haben gesagt, die (die Opfer, Anm.) werden sich schon selbst befreien", sagte der Angeklagte. "Und wäre das gegangen", fragte die Richterin. "Schwer."

Serbe wegen DNA-Spur identifiziert

Mit einer Beute in Höhe von 98.000 Euro flüchtete die Bande vom Tatort. Das Bargeld wurde mitgenommen, der Schmuck bei einem Hehler versetzt. Der 27-Jährige, der sich wegen Raubes, Freiheitsentziehung und in einem anderen Fall wegen versuchten Einbruchsdiebstahls verantworten musste, erhielt 2.000 Euro für seine Dienste.

Vier Monate nach dem Coup wurde der 27-jähriger Serbe, der bereits einschlägig vorbestraft ist, dank einer DNA-Spur auf einem der Klebebänder identifiziert. Nach einem unfangreichen Geständnis wurde kurze Zeit später sein 31-jähriger Cousin festgenommen. Nach drei weiteren Komplizen - teilweise weitere Familienmitglieder - wird noch gefahndet.
 

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