Schuss ins Gesicht

"Ich 
wollte 
ihn nicht töten"

Es war ein einziger Moment, der ein Leben beendete und das von Susanne-Marina B. für immer veränderte. Die 22-Jährige hatte am 15. Dezember im Streit mit einem Schrotgewehr auf Freund Gerold A. angelegt – und abgedrückt. Die Ladung zerfetzte den Schädel des 27-Jährigen. Seither sitzt die Frau in Haft. Doch schlimmer als Eingesperrtsein, schlimmer als die drohende Mordanklage sind für Susanne die Gedanken – zu wissen, dass Gerold A. tot ist. „Und dass es ein Versehen war.“ Bis heute beteuert sie, geglaubt zu haben, das Gewehr sei mit Gummimunition geladen gewesen. In ÖSTERREICH erzählt sie erstmals öffentlich, was an jenem verhängnisvollen Nachmittag geschehen ist.

Zu dem Zeitpunkt waren die attraktive Linzer Buchhändlerin und der arbeitslose Werber seit einem Jahr ein Paar. Kennengelernt hatten sie sich in einer Single-Börse, zogen schnell zusammen. Susannes Vater hatte ihnen einen Rohbau in Kirchschlag überlassen.

Schläge statt heiler Welt und Gemeinsamkeit
Doch aus der heilen Zukunft, die sich Susanne nach Scheidung der Eltern und Heimaufenthalten erhofft hatte, wurde nichts. „Er war dubios, erzählte ständig Geschichten“, so Susannes Mutter. Und er ließ sie immer öfter allein, belog sie. „Auch dürfte er sie mehrfach geschlagen haben“, so Staranwalt Andreas Mauhart. Nur auf ihn kann sie noch vertrauen. Denn weder Polizei noch Staatsanwalt schenken der Frau Glauben. „Dabei habe ich ihn nicht einmal verletzen wollen.“

"Waffenhändler sagte, es kann nix passieren"

ÖSTERREICH: Frau B., ein Monat in Haft: Wie verbringen Sie Ihre Tage?
Susanne B.: Schwer, zäh. Ich fühle mich hilflos, die Schuld erdrückt mich.

ÖSTERREICH: Aber Sie sagen doch, Sie sind unschuldig.
Susanne B.: Dennoch ist Gerold tot. Und er war meine einzige große Liebe. Ich habe ihn doch nie wirklich verletzen wollen.

ÖSTERREICH: Was ist dann an jenem Nachmittag passiert?
Susanne B.: Wir haben uns heftig gestritten, er war mehrere Wochen verschwunden und tauchte dann einfach wieder auf, ohne Erklärung. Ich war verletzt, machte ihm Vorwürfe. Er schrie mich an, beleidigte und schlug mich. Da bin ich zum Schrank und habe das Gewehr herausgenommen.

ÖSTERREICH: Warum?
Susanne B.: Ich wollte ihm Angst machen und einfach nur Revanche für die Beleidigungen, ich dachte nur noch, dir brenn’ ich eine auf. Ihn zu verletzen, daran habe ich nie gedacht. Der Waffenverkäufer hatte mir ja auch gesagt, dass da nichts passieren kann. Selbst auf nackter Haut würden Gummigeschosse nur blaue Flecken verursachen.

ÖSTERREICH: Doch das Gewehr war scharf ...
Susanne B.: Ich verstehe bis heute nicht, warum. Es war alles einfach unfassbar. Sofort nach dem Schuss habe ich die Rettung gerufen, dem Sanitäter noch gesagt, ich wäre aber nicht mehr hier, fahre zur Polizei. Dann bin ich ins Auto, nach Linz und in die erste Inspektion.

ÖSTERREICH: Wissen Sie noch, was Sie als Erstes zur Polizei gesagt haben?
Susanne B.: 'Ich wollte ihn nicht töten.'

ÖSTERREICH: Wie soll es weiter gehen?
Susanne B.: Ich würde mich so gerne bei seiner Familie entschuldigen. Und bei der Verhandlung endlich sagen können, wie es wirklich war.

Autor: Mario Born
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