23. Juli 2010 18:53
Donnerstagnachmittag nach 16 Uhr in den Räumlichkeiten der Firma CERAG in
der Weihburggasse: Wie ÖSTERREICH berichtete, fand im Konferenzzimmer im 2.
Stock in bester Wiener Innenstadtlage eine Besprechung statt. Die Sekretärin
war ins Nebenzimmer gegangen, als plötzlich bis zu acht laute Knaller
hintereinander aus dem Meeting-Raum der iranischen Holding donnerten.
Wie die Polizei später rekonstruierte, hatte der 70-jährige Perser Samad A.
eine – nicht registrierte Zastava M 57 – gezogen und als erstes auf Dr.
Baghaollah Wossugh geballert. Die erste Kugel traf den Ex-Uni-Professor
mitten ins Herz, noch zwei weitere Male wurde er getroffen: Der 75-Jährige
starb vor Eintreffen der Rettung.
Schulterdurchschuss.
Als Nächstes trafen drei Kugeln Jamal P.
in den Bauch. Der 57-jährige Geschäftsführer wurde auf die Intensivstation
des Wilhelminenspitals geflogen. Sein Zustand ist kritisch.
Ashgar A. (66), der ebenfalls an der Sitzung teilgenommen hatte, erlitt
einen Schulterdurchschuss aus der 7,62-mm-Waffe des Täters. Der Attentäter
ließ die Pistole fallen, flüchtete durch die belebte Wiener City. Erst spät
am Abend, nachdem Elite-Einheiten der Cobra seine Wohnung in der
Schönbrunner Straße gestürmt hatten, stellte er sich im Wachzimmer
Wurmsergasse in Fünfhaus.
Schwer bewacht.
„Ja, ich bin’s gewesen“, sagte Killer-Opa
Samad A. noch, dann griff er sich so glaubhaft an die Brust, dass er mit
Herzinfarkt-Verdacht ins Krankenhaus gebracht werden musste. Zurzeit liegt
der mutmaßliche Täter schwer bewacht in der gesperrten Abteilung der
Barmherzigen Brüder.
Über Motiv und Hintergründe der Schießerei gab es anfangs viele
Spekulationen – von einem Streit unter Teppichhändlern bis hin zu
politischen Verstrickungen war die Rede; schließlich ist das
CERAG-Handelskonstrukt im Öl-, Gas- und Immobiliengeschäft im Iran und den
arabischen Emiraten aktiv.
Racheakt.
Die Wahrheit indes ist nach ÖSTERREICH-Recherchen
viel simpler: Offenbar war es eine Racheaktion von Samad A. an seinen
einstigen Komplizen, mit denen er die Sprengung seines eigenen Hauses in
Gablitz im Jahr 2005 durchgezogen hatte. Als sich der Gas-Unfall als
Versicherungsbetrug herausstellte, wurde Samad A. von den drei Mitstreitern
bei der Polizei angeschwärzt.
Was steckt dahinter?
Dr. Baghaollah Wossugh (75) starb bei dem
Mafia-Attentat in Wien. Welche Rolle spielte der Autor, der stets mit
Promi-Kontakten prahlte? Was aber war der Auslöser für den Mord? Wodurch ist
der angesehene Universitäts-Professor und Buchautor in die Fänge der
Mafia-Paten geraten?
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Die zwei Welten des angesehenen Experten Offensichtlich
gab es im Leben des gebürtigen Iraners Parallel-Welten. Die
offizielle Seite sah so aus: Baghaollah Wossugh stammt aus Yazd,
Südwestpersien. 1958 kam er nach Österreich, studierte an der
Wirtschaftsuniversität Innsbruck. Schloss 1965 mit dem Doktortitel
ab. Gleich danach heiratete er: Annemarie, eine Tirolerin. Ein Sohn
kam zur Welt. 1966 kehrte die junge Familie nach Persien zurück. Der
Ökonom bekam eine Stelle an der Uni Teheran. Während der Revolution
im Iran flüchtete er zuerst in die USA. 1991 übersiedelte die
Familie nach Wien. Wossugh wird Autor, verfasst mehrere
Sachbücher. Sperrige Werke wie, „Fünf Jahrhunderte Beziehungen
zwischen Österreich und Persien“. Bürgermeister Michael Häupl
schrieb das Vorwort zum Buch. Ebenso Ex-Museums-Direktor Wilfried
Seipel. Wirtschaftskammer, Ex-Vizekanzler Hubert Gorbach, Grüne,
aber auch das Amt der Kärntner Landesregierung unterstützen die
Projekte des Professors. Es gab aber auch eine andere, dunkle
Seite: Wossugh wurde Strohmann diverser Firmen. Verfasste für seinen
späteren Killer und dessen Bruder ein Buch, ein „Auftragswerk“.
10.000 Euro sollte er für dieses biografische Machtwerk erhalten.
Doch die Mafiosi haben das Honorar nie bezahlt. Offiziell hat ihnen
das Werk nicht gefallen. Als Revanche hat der Professor der Polizei
Informationen über die „ehrenwerte Familie“ weitergeleitet.
Insbesondere über eine mysteriöse Gasexplosion in Niederösterreich.
War das sein Todesurteil?
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Der Täter: Drogen-Boss – im Iran zum Tod verurteilt
Jeder
Landsmann von Samad A., den man in Wien auf den Namen des 70-Jährigen
anspricht, antwortet empört: „Ein anständiger Iraner will mit dieser Familie
nichts zu tun haben. Der und sein Bruder sind echte Mafiosi.“
Und zwar schwere Kaliber. (Es gilt die Unschuldsvermutung). Bereits 1986
wurde ihnen wegen Drogen-Delikten der Prozess gemacht. Mehr noch: Samad und
sein Bruder Akbar waren in Österreich die Ersten, die wegen eines
Suchtgiftdeliktes vor einem Geschworenengericht standen. Sie sollen 60 Kilo
Heroin ins Land geschmuggelt haben. Die Brüder wanderten für Jahre hinter
Gitter – ihre Drogengeschäfte liefen aber weiter. Sie wickelten die Deals
aus den Zellen in Stein ab.
Betrug um Bypass-OP
im Wiener AKH
Kaum aus der Haft, war
der Teppichhandel, den sie aufnahmen, wieder bloß Tarnung – diesmal für eine
Haschisch-Connection, die sie 1999 erneut vor Gericht und anschließend in
Haft brachte. Samad und Akbar A. sollten damals in den Iran abgeschoben
werden. Da in Persien auf Suchtgiftdelikte die Todesstrafe steht, wurde von
der Auslieferung abgesehen.
Für die Barmherzigkeit bedankten sich die Brüder auf ihre Art – mit Betrug.
So soll sich Samad A. im Juni 2002 im AKH Wien einer Bypass-Operation
unterzogen haben und die Privatversicherung seines Bruders dafür in Anspruch
genommen haben.
Alle vier waren in Gas-Explosion involviert
Der Höhepunkt dann
am Ostersonntag 2005. Da flog ein Haus der Brüder in Gablitz (NÖ) in die
Luft. Das Ganze stellte sich als Versicherungsbetrug heraus – es ging um bis
zu eine Million Euro. NÖ-Brandermittler durchschauten den Anschlag schnell.
Das Attentat mit Benzin und einem aufgeschraubten Gashahn war stümperhaft
durchgeführt.
Ausgeheckt hat den Plan damals ein gewisser Asghar A. (66) – er bekam am
Mittwoch in der Weihburggasse vom Killer Samad eine Kugel in die Schulter
verpasst.
Jamal P., der mit zwei Kugeln in der Brust auf der Intensivstation liegt,
sollte damals die Sprengung vorbereiten – dürfte dabei auch Mist gebaut
haben.
Und Professor Wossugh, der bei dem Blutbad starb, wusste offenbar zu viel
über die Hintergründe – und verriet sie der Polizei. Erst 2010 kam Samad
nach vier Jahren wieder frei – als er am Mittwoch die anderen drei traf,
zückte der Mafia-Boss die Waffe.