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Alotas Mutter

Zwangsheirat

© Ullrich

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Alotas Mutter

Das Drama bewegt das Land: Alota wollte keine Zwangsehe eingehen, ihr Vater drohte ihr daraufhin mit Mord. ÖSTERREICH sprach mit der Mutter.

Seit 18. Januar ist Alota L. (Name v. d. Red. geändert) für ihre Familie nicht mehr erreichbar. An diesem Tag beendete sie mit dem Gang zur Polizei in Leibnitz ein stilles und monatelanges Leiden. Wenn auch mit der schrecklichen Konsequenz, ihre ganze Familie mit diesem Schritt verloren zu haben. Sie zeigte ihren Vater an, weil er ihr mit Mord gedroht hatte, wenn sie von zu Hause ausziehen und den für sie vorgesehenen Mann aus dem Kosovo nicht heiraten würde. Das Schicksal der jungen Frau berührte und verstörte das ganze Land.

Ihr Verlobter ist 21 Jahre 
alt und lebt im Kosovo
ÖSTERREICH hat Alotas Mutter besucht. Und bringt damit ein weiteres, etwas anderes Stück der Wahrheit ans Licht. Alota war nämlich verlobt. Ihr zukünftiger Ehemann ist Valon (21) aus dem Kosovo. Sie kannte also den Mann, der bald ihr Ehemann hätte werden sollen – und sie war einverstanden, ihn zu heiraten.

Erst die Hochzeit, dann die Staatsbürgerschaft
Doch der Grund dafür dürfte wohl weniger wahre Liebe als eher der Gehorsam ihrer Familie gegenüber gewesen sein. „Sie hat ihn bei einer Hochzeit im Kosovo kennen gelernt“, erzählt ihre Mutter Shkurte L. (48). Alota war damals erst 16 Jahre alt, Valon der erste Mann, für den sie von ihrer Familie das Einverständnis bekam. Die beiden Väter gaben einander die Hand auf diese Beziehung – eine Frage der Ehre. Und Alota wusste, was sie zu tun hatte. „Sie hat selbst gesagt, sie werde ihn noch im April heiraten, damit er schnell nach Österreich könne“, so die Mutter. Der Plan: erst die Hochzeit, dann die Staatsbürgerschaft für Valon.

Doch im Herbst 2010 passierte etwas mit der früher so folgsamen ältesten Tochter der Familie, die seit 19 Jahren in der Steiermark lebt. Sie ging in die Schule in Leibnitz, hatte Freundinnen aus Österreich, wollte wie diese auch flirten und weggehen – und verliebte sich schließlich. „Sie wollte jeden Tag weggehen, und sie hat uns nichts mehr erzählt – sie hatte einfach zu viele Freiheiten“, ist sich ihre Mutter sicher.

Dass es im Dezember 2010 zu einem Eklat zwischen Alota und ihrem Vater gekommen sein soll, daran kann sich die Mutter nicht mehr erinnern. Dass er sie zwei Nächte in ihr Zimmer gesperrt habe und schon damals das Wort „Mord“ gefallen sei? Davon wisse sie nichts (siehe Interview unten). Für sie ist ihre Tochter von bösen Geistern besessen und ihr Ehemann, der in U-Haft sitzt, nur ein liebender Vater.

Anklage gegen Vater wegen schwerer Nötigung ist fertig
Die Staatsanwaltschaft Graz sieht das ganz anders. Die Anklage gegen Haxhi L. ist fertig, am 1. März steht er vor Gericht. Wegen schwerer Nötigung und Freiheitsentzug.

"Ein böser Geist ist jetzt in ihr"
ÖSTERREICH: Alota hat am 18. Jänner ihren Vater angezeigt, weil er ihr wegen einer Zwangsheirat mit Mord gedroht hatte. Haben Sie als Mutter denn nicht bemerkt, dass sie diesen Mann nicht heiraten wollte?
Shkurte L.: Das war keine Zwangsheirat, sie und der junge Mann, er heißt Valon, kennen sich seit eineinhalb Jahren. Sie selbst wollte ihn heiraten, es gab ja auch eine Verlobungsfeier. Ich verstehe nicht, was in sie gefahren ist. Sie hat wohl schlechte Freundinnen um sich, die keinen guten Einfluss haben. Sie ist meine Tochter, und es bricht mir das Herz – aber sie lügt. Irgendein böser Geist sitzt in ihr.

ÖSTERREICH: Alotas Vater hat sie bedroht – dafür gibt es sogar Zeugen. Und bereits im Dezember soll er sie für zwei Nächte eingesperrt haben, auch dafür gibt es Zeugen. Stimmt das?
Shkurte L.: Davon weiß ich nichts, und das stimmt ganz sicher nicht. Mein Mann hat niemals so etwas gesagt, und er hat sie nie eingesperrt. Er liebt sie.

ÖSTERREICH: Alotas ‚Verlobter‘ lebt im Kosovo. Wäre er bei einer Heirat nach Österreich gekommen?
Shkurte L.: Ja, natürlich, denn mit einer Heirat hätte er auch eine Staatsbürgerschaft beantragen können. So war es geplant.

ÖSTERREICH: Haben Sie mit Alota seit ihrem Verschwinden gesprochen?
Shkurte L.: Nein, sie spricht nicht mit mir. Das verstehe ich auch nicht, ich bin doch ihre Mutter.
 

Autor: Barbara Haas
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