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Martyrium

Jetzt spricht Opfer von Prügel-Politiker

Es war der bemerkenswerteste Fall der vergangenen Woche: Jahrelang soll Philipp B. (30) auf Jennifer T. (29) eingeschlagen und sie unter Druck gesetzt haben. Sollte sie etwas ausplaudern oder Anzeige erstatten, würde er ihr das Kind wegnehmen. Zudem würde sie die Familie auch finanziell ruinieren, weil er seinen Job als FPÖ-Politiker an den Nagel hängen müsste. Lange hielt sie daher still, ließ seine Aggressionen über sich ergehen. Als er sie am 18. April 2016 wieder einmal schlug – so fest, dass eine als Zeugin geladene Polizistin sich vor Gericht noch ein Jahr später deutlich an den mit Hämatomen übersäten Rücken erinnerte – griff sie zum Messer, um den Prügel-Politiker abzuwehren. Dabei traf sie ihn in der Achselhöhle, verletzte ihn lebensgefährlich.

U-Haft
Als sie realisierte, was passiert war, setzte sie die Rettungskette in Gang und leistete Erste Hilfe. Trotzdem kam Jennifer T. (29) für drei Monate in U-Haft wegen des Verdachts des versuchten Mordes. Vergangenen Freitag wurde sie rechtskräftig freigesprochen, der blaue Prügel-Politiker, für den die Unschuldsvermutung gilt, bekam zehn Monate Haft bedingt auf drei Jahre (nicht rechtskräftig). Er gab einen Teil der Taten zu und befindet sich nun in einer Anti-Aggressions-Therapie. Das Interview mit seinem Opfer:

ÖSTERREICH: Wie geht es Ihnen seit dem Freispruch?

Jennifer T.: Es war, als wäre im letzten Jahr eine schwarze Wolke über mir gehangen. Ich bin jetzt sehr erleichtert.

ÖSTERREICH: Aus dem Prozess ging hervor, dass er Sie mindestens fünf Jahre lang immer wieder verprügelte.

Jennifer T.: Das hat er auch beim Prozess zugegeben und gemeint, er hätte sich dazu hinreißen lassen.

ÖSTERREICH: Derzeit läuft noch ein Obsorgestreit um den gemeinsamen Sohn.

Jennifer T.: Ich bleibe beim geteilten Obsorgerecht, weil unser Sohn, unabhängig davon, ob wir uns verstehen, das Recht auf beide Elternteile hat.

ÖSTERREICH: Wie blicken Sie auf die Zeit in U-Haft zurück?

Jennifer T.: Es war insgesamt eine sehr lehrreiche Zeit. Ich habe Vorurteile, die ich gegenüber Drogenkranken hatte, abgebaut. In der U-Haft hatte ich weniger Angst und habe mich freier gefühlt als in den fünf Jahren Beziehung mit ihm.

ÖSTERREICH: Wie denken Sie heute über Ihren Ex-Partner?

Jennifer T.: Ich bin froh für unser gemeinsames Kind und seine jetzige Verlobte, dass er diese Anti-Gewalttherapie besucht. Ich glaube, dass sein Problem mit seiner Erziehung zu tun hat.

ÖSTERREICH: Was würden Sie anderen Frauen, die in so eine Situation geraten, raten?

Jennifer T.: Dass Sie sich nicht aufgeben sollen, nicht aufhören sollen, sich selbst zu lieben und wertzuschätzen. Niemand hat Gewalt verdient. Betroffene können sich bei mir melden.(lae)

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