Jihadisten-Prozess in Graz fortgesetzt

Weitere Zeugen befragt

Jihadisten-Prozess in Graz fortgesetzt

Im Grazer Straflandesgericht ist am Dienstag der Prozess gegen den islamischen Prediger Mirsad O. und einen mutmaßlichen Kämpfer der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) fortgesetzt worden. O. soll unter anderem junge Männer für den Kampf aufseiten des IS in Syrien angeworben haben; dem Zweitangeklagten wird Mord und Nötigung vorgeworfen. Auf dem Programm standen weitere Zeugenbefragungen.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen

Nach mehreren Wochen Pause ist die Verhandlung unter nach wie vor strengen Sicherheitsvorkehrungen weiter gegangen. Mirsad O., der bis zu seiner Verhaftung in Wien lebte, war als Prediger in verschiedenen Glaubensvereinen tätig. Er hatte laut Staatsanwalt "ein Auftreten wie ein Pop-Star", außerdem einen eigenen YouTube-Kanal, über den er seine Lehren verbreitete. Der 34-Jährige muss sich nicht nur wegen des Verbrechens der terroristischen Vereinigung und der kriminellen Organisation verantworten, sondern er soll der Anstifter für Morde und Nötigungen im Zusammenhang mit terroristischen Taten gewesen sein.

Dem Zweitangeklagten, Mucharbek T., werden Morde und schwere Nötigung vorgeworfen. Er soll die Verbrechen in Syrien begangen haben. Beide Angeklagte bekannten sich nicht schuldig. Mirsad O. beteuerte, nie Männer für den IS angeworben zu haben. Im Laufe des Verfahrens kamen einige Zeugen zu Wort, deren Angehörige - vorwiegend sehr junge Männer - in Syrien für den IS gekämpft haben und teilweise getötet wurden. Mehr als einmal waren Eltern im Zeugenstand, die unter Tränen nach dem Verbleib ihres Sohnes fragten, weil sie offiziell nicht einmal die Nachricht von dessen Tod bekommen hatten.

Zeugen wurden bedroht

Mucharbek T. war auf einem IS-Video in Syrien zu sehen. Ein Belastungszeuge, der maskiert und unter strenger Bewachung ins Gericht gebracht wurde, gab an, er habe T. in Syrien bei Kampfhandlungen aufseiten des IS gesehen. Mittlerweile läuft in Graz auch ein Verfahren gegen einen Mann, der die Familie dieses Zeugen massiv bedroht haben soll.

Am Dienstag waren wieder Zeugen geladen, es sollten die letzten vor dem für Mittwoch geplanten Urteil sein. Einer erklärte, er habe zwar Mirsad O. mehrmals predigen hören, aber nur über das Internet, er kenne ihn nicht näher. Der Staatsanwalt konfrontierte ihn aber damit, dass er die Telefonnummer des Predigers weiter gegeben habe. "Sie sind einer von denjenigen, der die jungen Leute nach Syrien geschickt hat", war der Ankläger überzeugt.
 

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