So besiegte ich den Killer-Berg

Rekord am K2

So besiegte ich den Killer-Berg

Es war ein Krimi bis zum Schluss. Elf Stunden brauchte Gerlinde Kaltenbrunner (40), bis sie den K2 endlich bezwungen hatte. Um 1.30 Uhr in der Nacht (Ortszeit) startete die Oberösterreicherin am Dienstag vom Lager aus (8.300 m) den ersten Versuch. Doch es war zu kalt. Minus 25 Grad machten die Füße gefühllos und eisig. Die Durchblutung klappte nicht mehr.

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Zitterpartie
Kaltenbrunner und ihre drei Kollegen Vassiliy, Maxut und Darek aus Polen kehrten um und warteten bis 7.30 Uhr. Dann der zweite Versuch. Dieses Mal ging es besser. Um 11.15 Uhr meldete sich Kaltenbrunner via Funk bei ­ihrem Mann aus rund 8.400 Metern Höhe: „Alle vier leiden sehr stark unter der Kälte. Es ist aber abzusehen, dass die Sonne das Team in einer Dreiviertelstunde erreichen wird“, beschreibt Dujmovits. Gegen 16 Uhr die erste positive Meldung: Kaltenbrunner und ihre drei polnischen Begleiter erreichen den Gipfelgrat. „Da waren es nur mehr 100 Höhenmeter, aber noch 400 Entfernungsmeter.“ Die Zeit lief, bald ging die Sonne unter.

Am Ziel: Kaltenbrunner stellte Weltrekord auf
Um 18.18 Uhr stand Kaltenbrunner am Gipfel der Träume. „Sie brachte kein Wort vor Glück heraus, sondern weinte nur“, beschreibt Ehemann Ralf Dujmovits den ersten Funkspruch vom K2-Gipfel.

Das Wetter: traumhaft. Keine Wolke, kein Wind. Kaltenbrunner kostete die Minuten des Glücks voll aus. Sie war am hart erkämpften Ziel. Als erste Frau hat sie ohne Sauerstoff alle 14 Achttausender ­bestiegen. Damit schreibt die ehemalige Krankenschwester Bergsteiger-Geschichte.

Im Glück
Auch Ehemann Dujmovits kämpft während des ÖSTERREICH-Interviews am Satellitentelefon immer wieder mit den Tränen. Die letzten vier Jahre hatten Kaltenbrunner und ihr Mann der Besteigung des K2 geopfert. Mehrmals hatte Kaltenbrunner ihr Leben riskiert. „Die Gefühle gehen jetzt mit mir durch. Jedes Training war auf den K2 ausgerichtet“, beschreibt Dujmovits die Emotionen.

Gleich fünf Mal wurde Kaltenbrunner vom gefährlichsten Berg der Welt abgeworfen. Im Vorjahr schaffte es Kaltenbrunner bis 8.300 Meter. Dann stürzte vor ihren Augen ihr Kollege Fredrik Ericsson ab, Kaltenbrunner kehrte um. Jetzt darf endlich gefeiert werden.

In Lager IV
Inzwischen hat Kaltenbrunner bereits wieder Lager IV erreicht. Kurz nach mitternacht hat die Rekord-Frau, wenig später auch der Pole Darius Zaluski das Lager auf 8.000 Metern Meereshöhe erreicht. "Die Vier werden heute voraussichtlich bis Lager I auf 5.300 Meter absteigen, dort eine letzte Nacht am Fuße des Nordpfeilers verbringen und Donnerstag früh über den inzwischen extrem spaltigen Gletscher zu unserem Depot absteigen. Wo ich sie hoffentlich gesund und munter in Empfang nehmen kann", so Dujmovits.

"Gerlinde hat mich angefunkt und geweint"

ÖSTERREICH: Mit welchen Worten hat Ihnen Ihre Frau den Gipfelsieg durchgefunkt?
Ralf Dujmovits: Gerlinde hat mich gleich angefunkt. Sie brachte vor Glück kein Wort heraus, hat nur geweint. Daraus habe ich geschlossen, dass sie am Gipfel steht. Alle vier haben den Aufstieg geschafft und den Ausblick genossen. Sie standen am zweithöchsten Berg der Welt. Der Himmel ist wolkenlos, es ist windstill. Der Panoramablick muss unheimlich schön gewesen sein.
ÖSTERREICH: Wie lange konnten sie das Gefühl auskosten? Mussten sie nicht schnell zurück, weil es finster wurde?
Dujmovits: Am Berg wird es nicht so schnell finster. Sie hatten noch zwei Stunden Licht. Gerlinde und ihre Kollegen sind alle mit Stirnlampen ausgerüstet, und sie hatten schon alle Strickseile an den wichtigen Punkten angebracht, um sich schnell abseilen zu können.
ÖSTERREICH: Sie wollten eigentlich auch bei diesem Augenblick dabei sein, mussten aber umkehren. Welche Gefühle hatten Sie?
Dujmovits: Es ist ein großes Geschenk, auf dem K2 stehen zu dürfen. Deswegen habe auch ich geweint. Vier Jahre haben wir uns im Geist nur auf den K2 konzentriert. Jedes Training war auf den K2 abgestimmt. Jetzt hat sie den höchsten Punkt erreicht. Das Gefühl ist einfach irre. Gerlinde ist die erste Frau, die alle 14 Achttausender ohne Sauerstoff bestiegen hat. Das ist für eine Frau eine sensationelle Leistung.
ÖSTERREICH: Wie viele Stunden brauchte Ihre Frau, um den K2 zu bezwingen?
Dujmovits: Gerlinde und ich bezwingen keine Berge, wir besteigen sie. Sie ist um 7.30 Uhr losgestartet und war um 18.18 Uhr am Gipfel. Also 11 Stunden. Und morgen im Laufe des Tages erwarte ich sie im Basislager zurück.
ÖSTERREICH: Wie wird dann gefeiert?
Dujmovits: Ich habe dieses Mal sechs Prosecco-Döschen vorsichtshalber auf die Reise mitgenommen. Damit werden wir anstoßen. Aber das wird nicht die einzige Feier sein …

Interview: Ida Metzger

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