25. Juli 2008 21:32
Es ist ein unscheinbares Gründerzeit-Eckhaus mitten in Wien. Adresse:
Märzstraße 148, im 14. Bezirk. Hier wohnte und „ordinierte“ als sogenannter
Wunderheiler „Pera“ von Juni 2006 bis Ende 2007 der weltweit gesuchte
serbische Massenmörder Radovan Karadzic.
Am Freitag meldete sich ein halbes Dutzend „Patienten“, die sich von dem
Alternativmediziner gegen Erektionsstörungen, Unfruchtbarkeit,
Schwangerschaftsprobleme und sogar Rheuma und Depressionen behandeln ließen.
Ein Kunde: „Ich zahlte pro Behandlung 100 Euro, er arbeitete mit
Körperwärme, legte Magneten auf, massierte mich sanft und lange...“
Bestätigung durch Inneministerium
Doch nicht nur zahlreiche
Zeugen wollen ihn gesehen haben, nun bestätigte auch das Innenministerium am
Freitagabend, dass der ehemalige Ex-Präsident unter falschem Namen in Wien
gewesen war. Nur wußte damals natürlich niemand, um wen es sich bei dem
weisbärtigen Mann handelte.
Kroaten-Pass
Recherchen von ÖSTERREICH ergaben gestern, dass
Karadzic nicht als serbischer Wunderheiler Dr. Dragan Dabic (als der er in
Belgrad verhaftet wurde) sondern als „kroatischer Staatsbürger“ nach
Österreich eingereist war.
Das hatte für den Massenmörder, der offenbar vom serbischen Geheimdienst
gedeckt wurde, viele Vorteile: Er brauchte nicht wie Serben ein Visum für
Österreich, sondern konnte ganz legal - als „Kroate“ - nur mit dem Pass
einreisen.
Er hieß „Petar Glumac“
Mit einem gefälschten
Pass lautend auf „Petar Glumac“ (geboren am 16. März 1930 in Litova Poldje)
reiste Karadzic im Juni 2006, also vor zwei Jahren, erstmals in Österreich
ein und quartierte sich gleich in der Wohnung einer serbischen Freundin in
der Märzstraße 148 als „Untermieter“ ein. Welches Verhältnis Karadzic zu
dieser Frau hatte, wird derzeit geprüft.
Ebenso wird überprüft, ob Karadzic nur wochenweise in Wien war – oder
durchgehend in Österreich lebte.
Ende 2007 flog er raus
Der Wirt des Restaurants „Lara“ im Haus,
in dem Karadzic in Wien lebte, behauptet jedenfalls, der serbische
Massenmörder sei – unerkannt – bis „Ende 2007“ zwei- bis dreimal pro Woche
in seinem Restaurant zu Gast gewesen.
Erst mit Jahresende 2007 habe er dem „Guru“ mit dem weißen Rauschebart, der
sich immer lautstärker und emotioneller politisch engagiert habe,
„Lokalverbot“ erteilt. „Ab dann war er weg.“
Die unfassbare Pointe an der Karadzic-Posse: Wiens Polizei hätte den
weltweit Gesuchten am 4. Mai 2007 fast verhaftet. Doch Karadzic bluffte
alle...
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Wirt gab Karadzic Lokalverbot
Der erste Wiener, der sich tatsächlich an den Wunderheiler als Gast
erinnern kann, sprach am Freitag mit ÖSTERREICH. Es ist der Wirt des
Restaurants „Lara“, das sich im Haus in dem Karadzic in Wien wohnte,
befindet. "Karadzic kam zwei- bis dreimal pro Woche zum Essen,
bestellte immer türkische Hühnergerichte mit Salat.“ Der „Guru“ sei
das ganze Jahr 2007 bei ihm Stammgast gewesen, bis er Ende des
Jahres Lokalverbot erhielt.
Der Wirt: „Ich habe dem Mann, der immer schwarz gekleidet war,
Lokalverbot erteilt, weil er von Woche zu Woche immer heftiger
politische Debatten angezettelt hat. Er hat immer öfter lautstark
gestänkert und versucht, die Kurden gegen die Türken aufzuhetzen. Ich
will keinen politischen Streit – und habe ihm Lokalverbot erteilt.“
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