Karadzic lebte 18 Monate mitten in Wien

Als Wunderheiler

Karadzic lebte 18 Monate mitten in Wien

Es ist ein unscheinbares Gründerzeit-Eckhaus mitten in Wien. Adresse: Märzstraße 148, im 14. Bezirk. Hier wohnte und „ordinierte“ als sogenannter Wunderheiler „Pera“ von Juni 2006 bis Ende 2007 der weltweit gesuchte serbische Massenmörder Radovan Karadzic.

Am Freitag meldete sich ein halbes Dutzend „Patienten“, die sich von dem Alternativmediziner gegen Erektionsstörungen, Unfruchtbarkeit, Schwangerschaftsprobleme und sogar Rheuma und Depressionen behandeln ließen.

Ein Kunde: „Ich zahlte pro Behandlung 100 Euro, er arbeitete mit Körperwärme, legte Magneten auf, massierte mich sanft und lange...“

Bestätigung durch Inneministerium
Doch nicht nur zahlreiche Zeugen wollen ihn gesehen haben, nun bestätigte auch das Innenministerium am Freitagabend, dass der ehemalige Ex-Präsident unter falschem Namen in Wien gewesen war. Nur wußte damals natürlich niemand, um wen es sich bei dem weisbärtigen Mann handelte.

Kroaten-Pass
Recherchen von ÖSTERREICH ergaben gestern, dass Karadzic nicht als serbischer Wunderheiler Dr. Dragan Dabic (als der er in Belgrad verhaftet wurde) sondern als „kroatischer Staatsbürger“ nach Österreich eingereist war.

Das hatte für den Massenmörder, der offenbar vom serbischen Geheimdienst gedeckt wurde, viele Vorteile: Er brauchte nicht wie Serben ein Visum für Österreich, sondern konnte ganz legal - als „Kroate“ - nur mit dem Pass einreisen.

Er hieß „Petar Glumac“
Mit einem gefälschten Pass lautend auf „Petar Glumac“ (geboren am 16. März 1930 in Litova Poldje) reiste Karadzic im Juni 2006, also vor zwei Jahren, erstmals in Österreich ein und quartierte sich gleich in der Wohnung einer serbischen Freundin in der Märzstraße 148 als „Untermieter“ ein. Welches Verhält­nis Karadzic zu dieser Frau hatte, wird derzeit geprüft.

Ebenso wird überprüft, ob Karadzic nur wochenweise in Wien war – oder durch­gehend in Österreich lebte.

Ende 2007 flog er raus
Der Wirt des Restaurants „Lara“ im Haus, in dem Karadzic in Wien lebte, behauptet jedenfalls, der serbische Massenmörder sei – unerkannt – bis „Ende 2007“ zwei- bis dreimal pro Woche in seinem Restaurant zu Gast gewesen.

Erst mit Jahresende 2007 habe er dem „Guru“ mit dem weißen Rauschebart, der sich immer lautstärker und emotioneller politisch engagiert habe, „Lokalverbot“ erteilt. „Ab dann war er weg.“

Die unfassbare Pointe an der Karadzic-Posse: Wiens Polizei hätte den weltweit Gesuchten am 4. Mai 2007 fast verhaftet. Doch Kara­dzic bluffte alle...

Wirt gab Karadzic Lokalverbot

Der erste Wiener, der sich tatsächlich an den Wunderheiler als Gast erinnern kann, sprach am Freitag mit ÖSTERREICH. Es ist der Wirt des Restaurants „Lara“, das sich im Haus in dem Karadzic in Wien wohnte, befindet. "Karadzic kam zwei- bis dreimal pro Woche zum Essen, bestellte immer türkische Hühnergerichte mit Salat.“ Der „Guru“ sei das ganze Jahr 2007 bei ihm Stammgast gewesen, bis er Ende des Jahres Lokalverbot erhielt.

Der Wirt: „Ich habe dem Mann, der immer schwarz gekleidet war, Lokalverbot erteilt, weil er von Woche zu Woche immer heftiger politische Debatten angezettelt hat. Er hat immer öfter lautstark gestänkert und versucht, die Kurden gegen die Türken aufzuhetzen. Ich will keinen politischen Streit – und habe ihm Lokalverbot erteilt.“

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