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Kein Geld: So krank sind die Spitäler

Scharfe Kritik

Kein Geld: So krank sind die Spitäler

Aufregung im größten Spital Österreichs. Wie ÖSTERREICH berichtete, muss das 2.200-Betten-Haus in den nächsten Jahren um geschätzte 1,5 Milliarden generalsaniert werden. Ob es bei dieser Summe wirklich bleibt, stehe aber erst im Frühjahr 2014 fest, relativiert nun Vize-AKH-Chef Herwig Wetzlinger.

Die AKH-Baustelle hat schon in der Vergangenheit für Negativschlagzeilen gesorgt. Vor allem der Bau selbst des 1994 eröffneten Spitals war von Skandalen begleitet – allein die Kosten explodierten von 600 Millionen auf 3 (!) Milliarden Euro. Mit einer Reihe von Schmiergeldskandalen und Bestechungen versank das einstige Prestigeprojekt im Korruptionssumpf.

Ärzte einstellen! Doch nicht allein die Sanierung lässt die Wogen hochgehen – auch die neue Dienstzeiten-Regelung, die ab 2016 durch weniger Nachtdienste zu einer Verbesserung für die teils völlig überarbeiteten Ärzte führen soll, wird kritisiert. „Wir haben jetzt weniger Ärzte am Vormittag. Entweder man stellt mehr Ärzte ein oder die Patienten leiden“, so Peter Husslein, Vorstand der AKH Frauenklinik.

Dienstrechts-Chaos
Tatsache ist aber, dass sich bei einer Umfrage der Ärztekammer im Frühjahr 2013 mehr als 80 Prozent aller 24.000 Spitalsärzte für eine Reduktion der Arbeitszeit in der Nacht ausgesprochen haben. Aber: Fakt ist auch, dass sich viele Ärzte ihr niedriges Grundgehalt mit vielen Nachtdiensten aufbessern (müssen). Wie viel ein Spitalsarzt wirklich verdient, ist schwer zu sagen, denn in den 130 Spitälern Österreichs gibt es 36 (!) Dienstrechte, auch Zulagen oder Nachtdienstbesoldung sind quasi nicht vergleichbar.

Salzburg & Niederösterreich
Probleme gibt es aber nicht nur in Wien. In Salzburg müssen nach dem Finanzskandal 50 Prozent aller Investitionen gestrichen werden (300 Millionen), in NÖ müssen 13 Kliniken ganz akut thermisch saniert werden, um die Betriebskosten halbwegs im Zaum zu halten.

Dabei ist Österreich ganz vorne beim Geldausgeben. Gesundheitsminister Alois Stöger: „Österreich liegt bei seinen Gesundheitsausgaben im Spitzenfeld. Wir geben jährlich in den öffentlichen Spitälern mehr als 11 Milliarden Euro aus.“
 

Prof. Husslein kritisiert Doppel-System:

"Operationen müssen schon abgesagt werden"

ÖSTERREICH: Herr Professor, was ist denn aus Ihrer Sicht das Hauptproblem des AKH?
Peter Husslein: Es ist das doppelte System der Zuständigkeiten – einmal die Uni, die Spitzenmedizin will, aber am Geld spart. Und einmal die Stadt Wien, die ein Breitenkrankenhaus will – und auch kriegt. Aber das kostet eben Geld – die parallelen Systeme führen dazu, dass das AKH völlig ineffizient arbeitet. Damit geht es vor die Hunde.

ÖSTERREICH: Was genau läuft denn so ineffizient?
Husslein: Wenn nur von Montag bis Freitag operiert wird und hier nur am Vormittag, ist das ineffizient. Wenn OP-Personal so knapp bemessen ist, dass eine OP abgesagt werden muss, wenn sich ein Pfleger den Fuß verstaucht, auch.

ÖSTERREICH: Es gibt den Vorwurf, dass AKH-Ärzte am Nachmittag sowieso nicht operieren, weil sie in ihren Privatpraxen arbeiten. Stimmt das?
Husslein: Dazu sage ich nur: Wenn man will, dass sich ein Spitalsarzt ausschließlich auf seinen Job im Spital konzentriert, muss man ihm das Dreifache zahlen.

ÖSTERREICH: Am AKH arbeiten 1.500 Ärzte. Zu wenig?
Husslein: Ja. Wir bringen im AKH Spitzenleistungen – aber für gute Medizin muss man auch Geld ausgeben.
 

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