23. Juli 2010 07:19
Der 70-jährige Verdächtige, der sich am Donnerstagabend nach einer
Schießerei in der Wiener City mit einem Toten und zwei Schwerverletzten
gestellt hatte, hat kurz nach seiner Festnahme eine Herzattacke erlitten und
musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Sein Zustand ist stabil, eine
Einvernahme ist bisher aber noch nicht möglich gewesen.
Schauplatz der Bluttat war eine der exklusivsten Ecken Wiens: Weihburggasse
14, direkt hinter dem Stephansdom. Tausende Touristen. Donnerstagnachmittag.
Ein Biedermeierhaus, zweiter Stock. Sitz der Firma Cerag. Eine
Investmentfirma mit Geschäftsbeziehungen in den Iran, nach Saudi-Arabien, in
die Emirate. Das Import- und Export-Unternehmen handelt mit Öl, Gas und
Autoersatzteilen.
Geplatzte Investments
Gegen 16 Uhr treffen einander in den
Büroräumen vier Männer: Jamal P. (57), Asgher A. (66), Baghaollah W. (75)
und Samad A. (70). Sie stammen aus dem Iran, leben schon seit Jahren in
Österreich. Worüber diskutiert wird, ist noch nicht klar. Vermutlich geht es
um geplatzte Investments. Die Firma mit Sitz in der Weihburggasse, am Wiener
Bauernmarkt und am Schwedenplatz verfügt in Österreich über keine
Gewerbeberechtigung.
Anrainer war Ohrenzeuge
Es ist 16.30 Uhr, als aus dem Büro
Schreiereien zu hören sind. Offensichtlich eskaliert ein Streit. Plötzlich
lautes Knallen: „Ich dachte zuerst, Gipsplatten seien umgefallen“, sagt
Geschäftsmann Robert Ludl, Anrainer und Ohrenzeuge der Tat.
Robert
Ludl, Ohrenzeuge, (c) Johannes Kernmayer/TZ ÖSTERREICH
6 Kugeln, 1 Toter, 2 Verletzte
Es sind keine umgefallenen
Gipsplatten. Es ist eine Hinrichtung. Zuerst schießt der mutmaßliche Täter
Samad A. mit einer Pistole des Kalibers 7,62 mm auf Baghaollah W. Das
Projektil trifft ihn in die Brust. Sterbend bricht der Mann zusammen. Der
Killer feuert weiter. Trifft Jamal P., den Cerag-Geschäftsführer. Er
überlebt mit einem Schulterdurchschuss. Asgher A. wird von vier Projektilen
in die Brust getroffen. Er schwebt in Lebensgefahr.
So
spielte sich die Bluttat ab, (c) TZ ÖSTERREICH
Magazin leer gefeuert
Dann stürmt der mutmaßliche Täter aus dem
Büro, lässt die Waffe beim Hauseingang fallen. Das Magazin ist leer. Der
Mann läuft in die Weihburggasse, taucht in den Touristenmassen um den
Stephansplatz unter.
Eine Sekretärin, die in einem Nebenraum Ohrenzeugin der Hinrichtung wurde,
alarmiert Polizei und Notarzt. Minuten später treffen die Einsatzwagen ein.
Die Schwerverletzten werden von der Weihburggasse die wenigen Hundert Meter
zum Stephansplatz gebracht.
Täter stellt sich am Abend
Weiträumig sperrt die Polizei
den Platz neben dem Dom ab. Ein ÖAMTC-Notarzthubschrauber landet. Bringt
zuerst Asgher A. ins Lorenz-Böhler-Krankenhaus. Kurz darauf landet ein
zweiter Helikopter. Jamal P. wird ins Wilhelminenspital geflogen.
Währenddessen läuft in der ganzen Innenstadt eine Alarmfahndung nach dem
Täter. Er ist der Polizei bekannt, die Sekretärin hat ihn eindeutig
identifiziert: Gefahndet wird nach dem vierten Mann, dem 70-jährigen Samad
A.
Sechs Stunden später stellt sich der Verdächtige schließlich selbst. Samad
A. taucht in der Polizeidienststelle in der Wurmsergasse im 15.
Gemeindebezirk auf. Und lässt sich festnehmen. Der Hintergrund der Tat
bleibt vorerst unklar: Er wurde im Landeskriminalamt bis spät in die Nacht
verhört. Für Samad A. gilt die Unschuldsvermutung.