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Killer-Opa mit Herzinfarkt im Spital Killer-Opa mit Herzinfarkt im Spital

Nach Blutbad

 

© Nesa Stevanovic

Killer-Opa mit Herzinfarkt im Spital

Der 70-jährige Verdächtige, der sich am Donnerstagabend nach einer Schießerei in der Wiener City mit einem Toten und zwei Schwerverletzten gestellt hatte, hat kurz nach seiner Festnahme eine Herzattacke erlitten und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Sein Zustand ist stabil, eine Einvernahme ist bisher aber noch nicht möglich gewesen.

Schauplatz der Bluttat war eine der exklusivsten Ecken Wiens: Weihburggasse 14, direkt hinter dem Stephansdom. Tausende Touristen. Donnerstagnachmittag. Ein Biedermeierhaus, zweiter Stock. Sitz der Firma Cerag. Eine Investmentfirma mit Geschäftsbeziehungen in den Iran, nach Saudi-Arabien, in die Emirate. Das Import- und Export-Unternehmen handelt mit Öl, Gas und Autoersatzteilen.

Geplatzte Investments
Gegen 16 Uhr treffen einander in den Büroräumen vier Männer: Jamal P. (57), Asgher A. (66), Baghaollah W. (75) und Samad A. (70). Sie stammen aus dem Iran, leben schon seit Jahren in Österreich. Worüber diskutiert wird, ist noch nicht klar. Vermutlich geht es um geplatzte Investments. Die Firma mit Sitz in der Weihburggasse, am Wiener Bauernmarkt und am Schwedenplatz verfügt in Österreich über keine Gewerbeberechtigung.

Anrainer war Ohrenzeuge
Es ist 16.30 Uhr, als aus dem Büro Schreiereien zu hören sind. Offensichtlich eskaliert ein Streit. Plötzlich lautes Knallen: „Ich dachte zuerst, Gipsplatten seien umgefallen“, sagt Geschäftsmann Robert Ludl, Anrainer und Ohrenzeuge der Tat.


Robert Ludl, Ohrenzeuge, (c) Johannes Kernmayer/TZ ÖSTERREICH

6 Kugeln, 1 Toter, 2 Verletzte
Es sind keine umgefallenen Gipsplatten. Es ist eine Hinrichtung. Zuerst schießt der mutmaßliche Täter Samad A. mit einer Pistole des Kalibers 7,62 mm auf Baghaollah W. Das Projektil trifft ihn in die Brust. Sterbend bricht der Mann zusammen. Der Killer feuert weiter. Trifft Jamal P., den Cerag-Geschäftsführer. Er überlebt mit einem Schulterdurchschuss. Asgher A. wird von vier Projektilen in die Brust getroffen. Er schwebt in Lebensgefahr.


So spielte sich die Bluttat ab, (c) TZ ÖSTERREICH

Magazin leer gefeuert
Dann stürmt der mutmaßliche Täter aus dem Büro, lässt die Waffe beim Hauseingang fallen. Das Magazin ist leer. Der Mann läuft in die Weihburggasse, taucht in den Touristenmassen um den Stephansplatz unter.

Eine Sekretärin, die in einem Nebenraum Ohrenzeugin der Hinrichtung wurde, alarmiert Polizei und Notarzt. Minuten später treffen die Einsatzwagen ein. Die Schwerverletzten werden von der Weihburggasse die wenigen Hundert Meter zum Stephansplatz gebracht.

Täter stellt sich am Abend
Weiträumig sperrt die Polizei den Platz neben dem Dom ab. Ein ÖAMTC-Notarzthubschrauber landet. Bringt zuerst Asgher A. ins Lorenz-Böhler-Krankenhaus. Kurz darauf landet ein zweiter Helikopter. Jamal P. wird ins Wilhelminenspital geflogen. Währenddessen läuft in der ganzen Innenstadt eine Alarmfahndung nach dem Täter. Er ist der Polizei bekannt, die Sekretärin hat ihn eindeutig identifiziert: Gefahndet wird nach dem vierten Mann, dem 70-jährigen Samad A.

Sechs Stunden später stellt sich der Verdächtige schließlich selbst. Samad A. taucht in der Polizeidienststelle in der Wurmsergasse im 15. Gemeindebezirk auf. Und lässt sich festnehmen. Der Hintergrund der Tat bleibt vorerst unklar: Er wurde im Landeskriminalamt bis spät in die Nacht verhört. Für Samad A. gilt die Unschuldsvermutung.

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