28. Februar 2010 17:55
Die mutmaßliche
Entführung des neunjährigen Lukas durch seinen Vater Sascha W.
(37) – ÖSTERREICH berichtete – hätte möglicherweise verhindert werden
können.
Mutmaßlicher Entführer ist amtsbekannt
Denn der Mann,
der mit seinem Buben mehr als 24 Stunden lang 80 inländische und 200
ausländische Beamter in Bayern narrte, ist der Polizei nicht zum ersten Mal
aufgefallen – er ist amtsbekannt.
„Gegen Sascha
W. gab es bereits mehrere Anzeigen von Frauen und Männern wegen
Stalkings“, heißt es aus dem Polizeikommissariat Döbling. Die Vorwürfe gegen
W., die sich heuer verdichtet haben und alle aus seinem Bekanntenkreis
gekommen sind, hätten aber nicht dazu ausgereicht, eine Freiheitsstrafe
auszusprechen.
Dabei ist Sascha W. bei der Polizei kein Unbekannter: Vor Jahren schoss er
mit einer Pumpgun in einer Diskothek um sich, musste daraufhin sogar ins
Gefängnis.
Wegen Enttäuschung über seine gescheiterte Ehe und weil ihn Ende Jänner auch
seine neueste Flamme verlassen hat, bombardierte er kurz vor der Entführung
seine Ex und Freunde mit Hass- und Droh-SMS.
Noch schlimmer: Wie einst gute Freunde (siehe Interview rechts) bestätigen,
war die Entführung seines eigenen Sohnes Lukas (9) das „Highlight“ vor einem
unfassbaren Showdown. Der in Konkurs gegangene Kfz-Händler und
Freizeit-Rennsportler wollte den Film „The Game“ nachinszenieren und sich
gestern, Sonntag, vom Hotel Hilton in die Tiefe stürzen. Die Freunde waren
gewarnt und sollten zusehen. Am Dienstag schrieb er per SMS: „Am Samstag und
Sonntag bin ich auf allen Titelseiten.“ Und trotzdem hat die Polizei darauf
nicht reagiert...
Der Verdächtige Sascha W.
Wie berichtet, hat der Vater nach seinem im Kopf ausgeheckten Plan am
vergangenen Freitag den Sohn von der Schule abgeholt und ist mit ihm im Auto
in Richtung Westen geflüchtet. In einer SMS schrieb er an seine Ex-Frau:
„Ich habe eine Glock 17 in der Hand und bin nur durch einen Kopfschuss zu
stoppen.“ Die Polizei hat daraufhin einen Verhaftungsauftrag erzwungen.
Showdown bei Therme in Geinberg (Oberösterreich)
Am
Samstagnachmittag konnte Sascha W. dann bei der Therme Geinberg (OÖ)
gestellt werden. Per BMW-Sicherungsortungung (ein Chip im Auto) konnte die
Polizei ausfindig machen, wo sich der mutmaßliche Entführer befand.
Sascha W. wird heute in die Haftanstalt Josefstadt eingeliefert. Wegen
„gefährlicher Drohung“ und „schwerer Nötigung“ – nicht wegen „Entführung“ –
droht ihm eine Haftstrafe von fünf Jahren. Entgegen seiner SMS war Sascha W.
bei seiner Flucht nicht bewaffnet. Für Sasha W. gilt die Unschuldsvermutung.
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Haftstrafe, Stalking-Vorwürfe, Droh-SMS und Psycho-Terror: So
tickt Sascha W. Sascha W. (37) ist ein gebrochener Mensch:
Vor Jahren hat er erstmals durchgedreht und in einer Diskothek mit
einer Pumpgun herumgeschossen. Er kam dafür ins Gefängnis, prahlt
damit aber vor Freunden. Mit der Damenwelt hatte er immer Pech:
Von seiner Ehefrau, einer FPÖ-Mitarbeiterin, lebt er mittlerweile
geschieden, aber nicht im Streit. Für seinen Sohn Lukas (9) ist er
immer ein guter Vater gewesen. Der Alltag ist Sascha W- zu viel
geworden. Seit fünf bis sechs Jahren ist er deshalb in
psychiatrischer Behandlung. Sein Arzt im 1. Bezirk hat ihm daher
Tabletten verschrieben. In einer SMS schrieb er an Freunde: „Habe
meine Befunde bekommen. Muss jetzt Medikamente schlucken. Bin
ziemlich verzweifelt.“ Endgültig durchgedreht hat Sascha W. dann
Ende Jänner: Seine Freundin hat mit ihm Schluss gemacht, die
Beziehung war vorbei. Bekannte erzählen, dass er alle Tabletten
abgesetzt hat und der Wahnsinn richtig begann. Sascha W. hat
diese Trennung nicht verkraftet. Er wollte sich für alles rächen.
Deshalb hat er auch begonnen, seinem Freundeskreis Droh-SMS zu
schreiben. Er hat seine Freunde terrorisiert, ihnen bis zu 80
Mitteilungen pro Tag geschickt. Und er wollte, dass sie in seinem
persönlichen „Film im Kopf“ mitspielen, bei dem das Highlight die
Entführung und sein Sturz vom Hotel sein sollte. Bei der
Polizeiw war Sascha W. jedenfalls kein Unbekannter: Er hat sogar ein
Betretungsverbot bei der Familie V. gehabt. Die Bedrohten haben nun
Angst, dass er nicht eingesperrt wird: „Wir appellieren an die
Behörden, dass endlich etwas passiert.“
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Freund von Sascha W. geschockt: "Er schickte pro tag 80 Droh-SMS"
ÖSTERREICH: War die ganze Entführung wirklich wie ein
Drehbuch geplant?
Billy V.: Ich war ein "Darsteller".
Alle Freunde waren in dem Film integriert. Die Entführung war in seinen
Worten "das Highlight vor dem Showdown". Er hat allen gedroht,
dass er auch sein Kind umbringt und vom Dach des Hiltons springt.
ÖSTERREICH: War Sascha W. schon länger so drauf?
V.:
Er hat sich Ende Jänner versucht mit 150 Tabletten umzubringen. Er war in
psychiatrischer Behandlung, die wieder eingestellt wurde, weil er sich
wieder im Griff hatte. Als seine letzte Freundin mit ihm Schluss gemacht
hat, ist er durchgedreht.
ÖSTERREICH: Inwiefern?
V.: Das hat ihm den
Rest gegeben. Plötzlich wollte er sich für alle Lügen im Leben rächen und
zeigen, dass er mit uns wie auch mit der Polizei einen Film spielen kann. Er
hat uns ausgespielt.
ÖSTERREICH: Haben Sie die Polizei alarmiert?
V.:
Ja, natürlich. Es gab unzählige Anzeigen wegen Stalkings und gefährlicher
Drohung. Wir haben 40 Seiten ausgedruckter SMS überreicht. Doch die Polizei
sagte, ihnen fehlt jede Handhabe, das seien ja nur SMS.
ÖSTERREICH: Wie hat die Polizei sonst noch reagiert?
V.:
Sogenannte Opferschutzmaßnahmen. Die kommen in die Wohnungen und machen
Routinekontrollen. Derweil hat meine Frau 80 SMS pro Tag vom Sascha
bekommen. Wir hatten von ihm derart Schiss, das wir sogar die Kinder ins
Ausland gebracht haben. Schließlich haben wir vom Gericht dann doch eine
einstweilige Verfügung bekommen, dass er nicht mehr in gewisse Gegenden
kommen darf.
ÖSTERREICH: Wie hat Sascha W. darauf reagiert?
V.:
Er sagte: "Ich pfeife auf das Betretungsverbot!"
ÖSTERREICH: Haben Sie jetzt Angst, dass Sascha wieder
schnell frei kommt?
V.: Ich fordere, dass der Staatsanwalt
ihn nicht gehen lässt. Der wird weitermachen. Er hat ja gedroht: "Aus
dem Häf'n wird alles noch schlimmer." Bei der Verhaftung hat er
nur gelacht. Und ich erinnere mich an ein ganz böses SMS: "Ich
kenne Eure Schwächen."
ÖSTERREICH: Ihr wichtigster Appell an die Behörden?
V.:
Die Polizei hätte schon vorher viele Möglichkeiten gehabt, den Sascha aus
dem Verkehr zu ziehen. Aber ihnen sind die Hände gebunden, weil es gegen
solche Menschen keine Gesetze gibt. Es ist schon verrückt: Da rennt ein
Irrer herum und man kann sich nur fragen, wie sicher ist man als Bürger in
diesem Land.
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Der „Entführungsfall“ um den kleinen Lukas sorgte auch in der FPÖ
für bange Stunden. Die Mutter ist tief in der Partei verwurzelt. Bereits
wenige Minuten nachdem der Vater mit dem Kind geflohen war, machte
die Story vom Parlament aus ihre Runde. Denn: Die Mutter von Lukas
und Ex-Frau des „Entführers“ ist Büroleiterin für einen hohen
FPÖ-Politiker. Und sie teilt das Zimmer mit der persönlichen
Referentin von Heinz-Christian Strache. Auch der neue
Lebensgefährte der Wienerin verfolgt dieselbe politische Ideologie wie
seine Freundin. Er ist der Sohn eines FPÖ-Urgesteins. Am Telefon
sagt er zu ÖSTERREICH: „Das Ganze ist eine Privatangelegenheit. Ich
bitte um Diskretion.“ Doch die Partei selbst dürfte die
Causa etwas hochgekocht haben, weil auf den Wiener
Polizeipräsidenten offenbar so viel Druck ausgeübt wurde, dass
dieser persönlich den Führungsstab im sechsten Stock der
Polizeidirektion leitete. Dass tatsächlich interveniert wurde, ist
von allen Seiten heftig abgestritten worden. Ein
FPÖ-Mitarbeiter, der allerdings anonym bleiben möchte, bringt die
Stimmung in der Partei auf den Punkt: „Wir hatten alle sehr große
Sorge, dass der Mann dem Buben etwas antun könnte. Jetzt sind wir
alle extrem erleichtert, dass die Sache glimpflich und ohne
Zwischenfälle ausgegangen ist.“
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