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Kirche rüstet gegen Vandalen

Anschläge auf Gotteshäuser

Kirche rüstet gegen Vandalen

Ein Barock-Engel, überzogen mit einer gelbgrünen Lackschicht. Anarchie-Zeichen an den Außenwänden. Eine Jesus-Statue, der die Beine abgeschlagen wurden. Eine Muttergottes, der ein Arm fehlt – seit Wochen schon fegt eine Welle der Gewalt über Österreichs Gotteshäuser hinweg, und noch immer ist kein Ende in Sicht.

  • Erst am Wochenende wurde die berühmte Wiener Karlskirche von Vandalen mit Graffiti übersät und mit Farbbomben beworfen. Schaden: mehr als 10.000 Euro.
  • Einen Tag später dann ging ein Gotteshaus in Vorarlberg in Flammen auf. Ein bisher Unbekannter hatte mit mehreren Liter Diesel für einen Großbrand in der Kirche Mariahilf in Bregenz gesorgt.
  • Schon zwischen Februar und April hatte der Ghanaer Ibrahim A. in mindestens sechs Wiener Gotteshäusern randaliert. Der 37-Jährige sitzt inzwischen in Untersuchungshaft.

Heiligen-Figuren wurden in Sicherheit gebracht
Längst steht fest: Hunderte Pfarrer im Land zittern vor dem nächsten Gewalt-Akt – und rüsten sich:

  • Die Wiener Pfarre Mariahilf, in der am 1. April zwei Heiligen-Figuren zerstört wurden, hat inzwischen alle Statuen in der Sakristei in Sicherheit gebracht. Pfarrer Andreas Kunkel will so schnell wie möglich eine Videoüberwachung.
  • Einen Ausbau der Kameras hatte Kardinal Christoph Schönborn bereits im April gefordert, und genau dieser wird nach den jüngsten Zerstörungen auch für die Wiener Karlskirche angedacht.

Kirchen sollen trotzdem weiter geöffnet bleiben

  • l In der Lazaristenpfarre, ebenfalls in Wien, denkt man nun auch über Gitterschranken nach.

Was trotz der Vandalismus-Angst für die meisten Kirchenmänner aber nicht in Frage kommt: die Kirchen zu schließen. Dompfarrer Toni Faber: „Sie müssen für die Gläubigen weiter ein Ort der Heimat sein.“

 

Dompfarrer Toni Faber sprach zu ÖSTERREICH  über die Attacken

ÖSTERREICH: Herr Dompfarrer, was sind Ihrer Ansicht nach die Gründe für die derzeitige Vandalismus-Welle?
Toni Faber: Ich glaube, es gibt im Moment leider viele Trittbrett-Fahrer und leider ist es sehr schwer, psychisch auffällige Menschen im Griff zu halten. Man kann wohl nicht jeden davon abhalten, so einen Blödsinn zu machen.
ÖSTERREICH: Einige Pfarrer fordern nun eine Videoüberwachung der Gotteshäuser.
Faber: Ich würde mich nicht wohlfühlen, wenn ich beispielsweise im Schutz der Dunkelheit eine Kerze anzünden und zu Gott beten würde, dabei aber gefilmt werde. Ich wünsche mir eher eine höhere Aufmerksamkeit von freiwilligen Mitarbeitern.
ÖSTERREICH: Wäre denn das kurzfristige Zusperren von Gotteshäusern eine Alternative?
Faber: Nein, denn die Kirchen müssen offen stehen und für die Gläubigen eine Heimat bieten. Ein Zusperren wäre für mich keine Alternative.

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