Könige der Bankräuber vor Gericht

14 Überfälle in vier Jahren

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Könige der Bankräuber vor Gericht

Kinderheime produzieren Kriminelle. Doch einen Hoffnungsschimmer lang schien es, die Linzer Brüder Christian (25) und Alexander L. (27), würden den Erfahrungswert widerlegen. Denn beide Fürsorgefälle schafften die Matura. Und ein herzliches Verhältnis zu ihrem Halbbruder Heinz W. (45) vermittelte ihnen eine Ahnung von Familie.

Beruf Bankräuber
Doch nach der Reifeprüfung rutschen die Heimzöglinge zurück ins Klischee. Beide lebten nur noch für Kampfsport (Thai-Boxen) und schlecht von Gelegenheitsjobs. Und als auch Halbbruder-Herz Heinz mit einer Haudraulik-Firma pleite ging, einigte sich das Trio auf eine gemeinsame Karriere – als Bankräuber.

Fritzl-Richterin
Heute stehen sie in St.Pölten vor Richterin Andrea Humer, die Inzest-Monster Josef Fritzl zum Schicksal wurde. Laut Anklage haben die Brüder als Könige der Bankräuber Kriminalgeschichte geschrieben. Christian und Alexander L. sollen für 14 Überfälle mit fast 1,2 Millionen Euro Beute verantwortlich sein. Komplize Heinz fiel nach Raub Nummer 7 aus, weil er beim Kauf von drei Kilo Amphetamin verhaftet wurde.

Der Prozess wird zeigen, dass Gier keine Grenzen kennt. Auch nach einem Überfall mit 351.995 Euro Beute machten die Brüder weiter – immer brutaler (Maschinenpistole statt Softgun) und professioneller. Christian L., der das schnelle Geld jedes Jahr unter der Sonne Thailands verprasste, reiste zuletzt mit gefälschten Pässen (als „David Hunt“ und „Jura Lacena“) ein.

Polizeiskandal
Trotzdem war die Kripo den Gangstern im Dezember 2009 so dicht auf den Fersen, dass sie durch Lauschangriffe vom geplanten Überfall auf die Raika Blindenmarkt wusste. Dennoch wurde der Coup nicht verhindert, was Bankbewacher Andreas G. (40) bei einem Schusswechsel mit Christian L. beinahe das Leben gekostet hätte – und den Tätern auch noch eine Anklage wegen Mordversuches eintrug.

Verteidigerin Irmtraud Oraz wird den Polizeiskandal aufrollen und für eine zeitlich begrenzte Strafe plädieren. Denn die Brüder planen bereits ein neues Leben. Sie wollen in Haft Jus studieren.

Die Raubzüge der Profi-Gangster

16. 12. 2005: Postamt Pluscity Linz (OÖ) 60.498 €
07. 07.2006: Sparkasse Linz-Keferfeld (OÖ) 80.271 €
21. 11. 2006: Post Stadlerstraße Linz (OÖ) 23.975 €
06. 11. 2007: Post Stadlerstraße Linz (OÖ) 2.966 €
19. 11. 2007: Raika Allhaming (OÖ) 351.995 €
14. 12. 2007: Raika Erlauf (NÖ) 24.185 €
20. 12. 2007: Sparkasse Linz-Keferfeld (OÖ) 38.259 €
17. 11. 2008: Raika Allhaming (OÖ) keine Beute
21. 11. 2008: Raika Oberwang (OÖ) 128.224 €
28. 11. 2008: Raika Blindenmarkt (NÖ) 109.380 €
05. 12. 2008: Raika Nestelbach (ST) 119.324 €
12. 12. 2008: Raika Sebersdorf (ST) 52.590 €
18. 12. 2008: Raika Leonding (OÖ) 119.500 €
04. 12. 2009: Raika Blindenmarkt (OÖ) 73.500 €

Gesamtbeute der Bankraub-Brüder 1,184.667 €


W. Höllrigl

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