09. März 2010 13:55
Die Baumbesetzung des Wiener Augartenspitzes hat ein Ende: Am
Dienstagvormittag wurden die letzten vier in den Kronen ausharrenden
Aktivisten durch die Polizei vom Areal entfernt. Unmittelbar danach wurden
die Rodungsarbeiten am Standort des künftigen Sängerknaben-Konzertsaals
wieder aufgenommen. Die Projektgegner hoffen jedoch weiterhin auf ein
Einlenken des Knabenchors und verweisen auf - aus ihrer Sicht - noch
ungeklärte rechtliche Sachlagen.
Unter Protest entfernt
Am gestrigen Montag war mit der
Einrichtung der Baustelle begonnen worden, die auch die Fällung einiger
Bäume nötig macht. Diese Arbeiten mussten jedoch unterbrochen werden,
nachdem sich einige Aktivisten ins Geäst geflüchtet und angekündigt hatten,
dort bis auf weiteres ausharren zu wollen. Heute wurden die restlichen vier
der Kälte trotzenden Baumbesetzer dann unter lautem Protest ihrer
Mitstreiter, welche die Aktion vor den Grundstücksmauern verfolgten, von der
Exekutive entfernt.
Man handle auf Aufforderung des Grundstückseigentümers, so Polizeisprecher
Mario Hejl: "Die Besetzung ist ein massiver Eingriff in die Rechte des
Besitzers." Daraufhin rückten Motorsägen dem vormals besetzten Holzriesen zu
Leibe, verbliebene Transparente und Schlafsäcke wurden demontiert. In den
nächsten Tagen sollen die Aufräumarbeiten auf dem Bauplatz abgeschlossen und
weitere Vorarbeiten - zunächst die Untersuchung des Bodens auf Altlasten -
stattfinden, erklärte ein Sängerknaben-Sprecher.
"Nicht rechtskonform"
"Dieser Bau ist nicht
rechtskonform", empörte sich Eva Hottenroth von der Bürgerinitiative
"Freunde des Augartens". Es seien noch juristische Prüfungen etwa bezüglich
der Flächenwidmung und des Denkmalschutzes anhängig, betonte sie. Darüber
hinaus gebe es - anders als angekündigt - keinerlei Gesprächsbereitschaft
von Bürgermeister Michael Häupl (S). Auch Gerhard Kubik, SP-Bezirksvorsteher
der Leopoldstadt, sei nicht erreichbar, ergänzte Raja Schwahn-Reichmann vom
"Josefinischen Erlustigungskomitee".
Die ebenfalls anwesende Planungssprecherin der Wiener Grünen, Sabine
Gretner, wunderte sich über den "Zufall", dass diese Aktion genau dann
passiere, wenn Häupl auf Urlaub sei: "Hier handelt es sich um einen
Präzedenzfall, ob öffentlicher Grund an eine private Gruppe einfach so
verschachert werden kann." Sie plädiere weiterhin für einen
Alternativstandort für das Musikzentrum.
"Kletter-Happening"
Amüsiert über das grüne Engagement
zeigte sich die FPÖ. "Wer bei 3 auf dem Baum ist, hat sein Bezirksratsmandat
fix", machte sich der Leopoldstädter FPÖ-Obmann Wolfgang Seidl über das
"Kletter-Happening" lustig. "Vielleicht wären die Grünen so nett, ihre
Prioritäten neu zu ordnen und sich nicht weiter auf Kosten der Steuerzahler
am Augartenspitz von Baum zu Baum zu schwingen", so der blaue Wunsch.