Kriminal-Akte: Tschetschenen

Bandenkrieg

Kriminal-Akte: Tschetschenen

Erst wurden die 22 Männer, wie berichtet, in der Nähe des Schulschiffs in Wien-Donaustadt verhaftet. Als die Polizei eintraf, versuchten die Tsche­tschenen im Alter zwischen 25 und 47 Jahren, eine Maschinenpistole, zwei Pistolen, Munition und ein Messer im Schnee zu verstecken.

Die 16 Asylberechtigten, vier Asylwerber und zwei ­Personen mit negativem Asyl­bescheid wurden 48 Stunden verhört, zehn Hausdurchsuchungen durchgeführt. Dabei konnte eine Pistole einem Verdächtigen zugeordnet werden.

Am Sonntagnachmittag dann der Knall­effekt: 20 Männer wurden wieder freigelassen. Sie werden lediglich auf freiem Fuß wegen „Beteiligung an einer kriminellen Organisation“ (Mafia) angezeigt. Zwei Tsche­tschenen blieben wegen fremdenrechtlicher Angelegenheiten in Gewahrsam. Der Pistolenbesitzer erhält ein Verfahren nach dem Waffengesetz.

Die Kriminal-Akte – von Prügeln bis Terror-Mord

30.000 Tschetschenen leben in Österreich, rund 15.000 davon in Wien. Die meisten flüchteten vor dem zweiten Tschetschenienkrieg (1999 bis 2009), galten ob der Gräueltaten als traumatisiert – und gaben das – vielleicht – an die nächste Generation weiter.

Laut Kriminalstatistik 2015 verübten Bürger aus der Russischen Föderation 3.008 Straftaten in Österreich. Ein Großteil davon Tschetschenen. Die Fakten im Zusammenhang mit Banden aus der Kaukasusregion in den vergangenen Monaten belegen das:

  • Massenschlägereien mit Tschetschenen in Linz, Wien, Graz und Salzburg.
  • Bandenkriege und blutige Revierkämpfe zwischen jungen Tschetschenen und ­Afghanen am Wiener Westbahnhof, in der Millen­nium City, im Donauzen­trum, vorm Riesenrad. Selbst eigene Sittenwächter setzen sie ein.
  • Erpressung. Im derzeitigen Mafiaprozess sollen Tsche­tschenen, Serben und Kroaten in Wien 500.000 Euro erpresst haben.
  • Brutalität. Der 21-jährige Tschetschene Amirchan M. und sein 16-jähriger Freund Abuu S. verprügelten die 15-jährige Patricia, brachen ihr den Kiefer (s. Kasten re.).
  • Von 150 Austro-Jihadisten, die nach Syrien und in den Irak in den Krieg gezogen sind, sind mehr als die Hälfte Tschetschenen.

Strobl: »Es geht um Ehre, Stolz, religiöse Radikalisierung«

ÖSTERREICH: Sie vertreten als Anwalt Tschetschenen. Warum gibt es in dieser Volksgruppe diese massive Gewaltbereitschaft?

Andreas Strobl: Meist geht es um Stolz und Ehre. Eine Beleidigung lässt man nicht auf sich sitzen. Oft reichen Kleinigkeiten, und Kämpfe unter den Jugendbanden eskalieren. Nachgeben gilt in dieser Gellschaft als absolute Schwäche.

ÖSTERREICH: Welche Rolle spielt die Religion?

Strobl: Es ist eine religiöse Radikalisierung spürbar. Auch Bandenbildung nimmt extrem zu. Sprache, Herkunft, gemeinsame Schicksale – das schweißt zusammen.

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