Lebenslang für Steffis Mörder

Urteil im Sex-Mord-Prozess

Lebenslang für Steffis Mörder

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Letzter Tag im Sexmord-Prozess. Nach spätem Beginn (13.30 Uhr) schlug die große Stunde von Gutachter Karl Dantendorfer. In einem brillanten Vortrag über 90 Minuten ließ der Psychiater die Geschworenen in die Seele von Philipp K. (23) blicken, der seine Freundin Steffi P. (21) bestialisch ermordet und ihre Leiche zerstückelt haben soll. Und die Expertise gab dem Milchgesicht mit den Eisaugen den Rest.

Denn erst erklärte der Professor Student K. für schuldfähig: „Er kann zwischen Gut und Böse unterscheiden. Und er hat auch keine Erkrankung, die eine Zurechnungsfähigkeit aufhebt.“ Im nächsten Schritt zertrümmerte der Gutachter die abenteuerliche Behauptung des Angeklagten, er habe den Mord an Steffi im Vollrausch verschlafen.

Denn stimmen die von K. angegebenen Wodkamengen, so hatte er in der Tatnacht etwa 4,5 Promille intus. Psychiater Dantendorfer hält Fakten dagegen:

Psychiater hält Milchgesicht für „schwer abnormal“
Wie sollte der Angeklagte mit einem derartigen Fetzen um 0.40 Uhr klar formulierte E-Mails versenden (K. kündigte seine Mitgliedschaft bei einem schwulen Escort-Service)? Wie sollte er nur wenige Stunden später die Leichenteile verpacken und zum Müllcontainer schleppen (wozu viel Kraft nötig ist)? Und wie sollte er nahezu besinnungslos betrunken drei verschiedene Passwörter in seinen Laptop tippen – und dann die Festplatte mit einem Schredder-Programm zerstören?

Das letzte Fragezeichen rührt noch einmal an einem entsetzlichen Verdacht der Ermittler: Spuren auf der blutgetränkten Matratze, auf der Steffi zu Tode gequält wurde, weisen darauf hin, dass ihr Mord mit einer Laptop-Kamera gefilmt wurde („Snuffvideo“). Gut möglich also, dass die Festplatte deshalb geschreddert wurde.

Gutachter Dantendorfer setzt noch nach: Philipp K. leide unter einer schweren Persönlichkeitsstörung und sei auch in Zukunft brandgefährlich; sprich: ein Fall für eine Sonderanstalt.

Staatsanwalt: „Denken Sie an Steffis Todeskampf“
Der Angeklagte wehrt sich empört: „Ich habe Steffi geliebt und ihr nie was getan. Sogar in meiner Zelle hängt über dem Bett ihr Foto. Jede Nacht warte ich auf eine Antwort von ihr, was in dieser Nacht wirklich geschah.“
Im Schlussplädoyer ersucht Staatsanwalt Hannes Wandl die Geschworenen: „Denken Sie bei Ihrer Beratung an Steffi, wie sie nackt und gefesselt am Bett liegt und dem Mörder hilflos ausgeliefert ist, Stiche ins Gesicht und in den Oberkörper bekommt und langsam verblutet.“ Verteidiger Ernst Schillhammer hält bemüht dagegen: „Der ganze Akt ist voll mit Zweifeln und Widersprüchen, Es gibt keinen Schuldbeweis.“ Um Mitternacht dann das (nicht rechtskräftige) Urteil: lebenslang und Einweisung.

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Autor: W. Höllrigl
Seiten: 12
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